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Architektur und Kunst
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Die Kuppel

Im Stadtbild unverkennbar:
Die neue Kuppel des künftigen Parlamentssitzes

Nach dem Entwurf von Sir Norman Foster und in Kooperation mit Fachingenieuren hat der moderne Dachaufbau des Parlamentssitzes nun seine endgültige Gestalt angenommen. Die rund 23 m hohe und 40 m breite Kuppel aus Stahl und Glas dient der natürlichen Belichtung und Belüftung und ist begehbar. Die Arbeitsgemeinschaft Reichstagskuppel, bestehend aus den Unternehmen Waagner-Biró AG, Wien, Waagner-Biró GmbH, München, Götz GmbH - München/ Wien/ Dillingen - hatte sich Ende letzten Jahres erfolgreich bei der europaweiten Ausschreibung durchgesetzt und hat die Kuppel bis auf wenige Restarbeiten fertiggestellt.

Unter den vielen Möglichkeiten, dem Reichstagsgebäude wieder einen signifikanten Dachaufbau zu geben, hatte der Ältestenrat des Deutschen Bundestags sich im Frühjahr 1995 für die moderne Version einer Kuppel entschieden. Sie wird von der Dachterrasse aus über eine Rampe öffentlich zugänglich sein und den Plenarsaal mit modernster Belichtungs- und Beleuchtungstechnik versorgen.

Besucher haben nach der Aufnahme der parlamentarischen Arbeit im Reichstagsgebäude 1999 Gelegenheit, den Parlamentssitz über das Westportal zu betreten. Von hier aus bringen sie zwei Aufzüge zur Dachterrasse, von der sie das 24 m hoch gelegene Restaurant erreichen. Wer einen noch attraktiveren Rundblick über Berlin auf 40 m Höhe genießen will, der gelangt zu Fuß über eine Rampe zur 200 qm großen Aussichtsplattform im oberen Teil der Kuppel.

Die Kuppel - ein komplexes Gebilde aus Stahl, Glas und Technik

In 1997 diente ein Montagegerüst zum innenseitigen Einbau der beiden gegenläufigen Rampen. Die in der Werkstatt vorgefertigten Rampenelemente wurden auf dem Dach des Reichstagsgebäudes zusammengeschweißt und eingebaut. Ende letzten Jahres folgten die Stahlrippen und die Aussteifung durch 17 Horizontalträger. Nachdem die Aussichtsplattform mit der Rampe und der Hauptkonstruktion verbunden war, konnte die Konstruktion freigesetzt und das Hilfsgerüst demontiert werden.

High-tech in der Kuppel sorgt für natürliche Belichtung und Belüftung des Plenarsaals

Im Kuppelinneren befindet sich ein trichterförmiges Lichtumlenkelement (Konus) mit Spiegeln, das diffuses Tageslicht in den zehn Meter tiefer gelegenen Plenarsaal führt. Die Lichtumlenkung erfolgt über 30 Spiegelreihen mit jeweils 12 Spiegeln, so dass insgesamt 360 Einzelspiegel (4,20 x 0,60 m) das Sonnenlicht reflektieren werden.

Zur Vermeidung direkter Sonneneinstrahlung sollen die jeweils der Sonne zugewandten Spiegel bei Bedarf durch ein mitfahrendes Sonnenschutzelement abgeschattet werden. Das Element besteht aus einem umlaufenden Stahlrahmen sowie Aluminiumlamellen. Die computergestützte Steuerung für die Ausrichtung des Sonnenschutzelements ist so konzipiert, dass die jeweiligen Einstrahlwinkel entsprechend der unterschiedlichen Jahreszeiten berücksichtigt werden. 24 Meßstellen überprüfen die Positionierung des Verschattungs-elements in Abhängigkeit zum Sonnenstand.

Zusätzlich sorgt das Lichtumlenkelement durch Ausnutzung des thermischen Auftriebs für die Abluftführung aus dem Plenarsaal. Die verbrauchte Luft wird über eine Abluftdüse nach oben geleitet und entweicht durch eine 10 m breite zentrale Öffnung am Kuppelscheitel. Sämtliche funktionalen und technischen Einrichtungen sind in den Konus integriert, so dass die gesamte Haustechnik z.B. für die Entlüftung und Entrauchung des Plenarsaals für den Besucher nicht wahrnehmbar ist.

Die Rampe

Das Verbindungselement zwischen Dachterrasse und Aussichtsplattform stellen zwei spiralförmige gegenläufige Rampen dar, die auf je 230 m Länge die Kuppel erschließen. Sie beginnen um 180 Grad voneinander versetzt und werden bei konstanter Steigung von 8 Grad an der Innenseite der Kuppel hochgezogen. Die Kombination von sich ständig ändernder Krümmung, unregelmäßigem Rampenquerschnitt und Verformungen durch Eigengewicht stellt an die Konstruktion höchste Ansprüche.

Die Stahlkonstruktion

Die Kuppel besteht aus 24 Hauptstahlrippen, die auf einem unteren Ringträger aufgelagert sind und oben durch einen weiteren gefasst werden. Die Stahlrippen haben einen Dreiecksquerschnitt, der im unteren Bereich konstant ist und sich bis zum oberen Ringträger verjüngt. Die Horizontalaussteifung wird durch insgesamt 17 Stahlringe gebildet, die im gleichmäßigen Abstand an der Außenseite der Hauptstahlrippe aufgesetzt werden. Die Horizontalprofile sind wesentlicher Bestandteil der Fassade und dienen der Auflagerung der Verglasung sowie der Aussichtsplattform.

Die Hauptfassade

Die Verglasung der Kuppel (ca. 3000 qm) besteht aus 17 übereinander liegenden Reihen von Glasscheiben (24 mm) mit jeweils 24 Scheiben (5,10 x 1,70 m) . Die einzelnen Reihen sind schuppenartig übereinander angeordnet. Die sich daraus ergebenen Zwischenräume sind ebenfalls verglast. Zur besseren Durchlüftung der Kuppel bleiben die unteren vier Reihen unverglast.

Eckdaten der Bauteile

An der Realisierung Beteiligte

Die Kuppel in neuem Licht (aus: Blickpunkt Bundestag - Forum der Demokratie 2/98; Juli 1998)

Quelle: http://www.bundestag.de/bau_kunst/berlin/kunst/b_reich2
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