
Plenarprotokoll 15/153
Deutscher Bundestag
Stenografischer Bericht
153. Sitzung
Berlin, Mittwoch, den 26. Januar 2005
I n h a l t :


Tagesordnungspunkt 1:
Befragung der Bundesregierung: Zur Lage der Forschung in Deutschland 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Helge Braun (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Katherina Reiche (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Jrg Tauss (SPD) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Albrecht Feibel (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) 
(CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) 
(CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Andrea Wicklein (SPD) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Uwe Schummer (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Michael Kretschmer (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Helge Braun (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Katherina Reiche (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Jrg Tauss (SPD) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) 
(CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Tagesordnungspunkt 2:
Fragestunde
(Drucksachen 15/4689, 15/4711) 	

Dringliche Frage 1 
Bernhard Kaster (CDU/CSU)
Ausfhrungen des Prozessvertreters der Bundesregierung im Zivilprozess gegen Regierungssprecher Anda zum Vorwurf der Lge
Antwort
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr 
	BMJ 	

Zusatzfragen
Bernhard Kaster (CDU/CSU) 		
Albrecht Feibel (CDU/CSU) 		
Steffen Kampeter (CDU/CSU) 		
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) 
	(CDU/CSU) 	




Dringliche Frage 2 
Bernhard Kaster (CDU/CSU)
Vorwurf der Verletzung von Persnlichkeitsrechten durch Regierungssprecher Anda und mgliche Konsequenzen
Antwort
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr 
	BMJ 	

Zusatzfragen
Bernhard Kaster (CDU/CSU) 		
Albrecht Feibel (CDU/CSU) 		
Steffen Kampeter (CDU/CSU) 		
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) 		
	(CDU/CSU) 	
Roland Gewalt (CDU/CSU) 		
Jochen-Konrad Fromme (GDU/CSU) 		






Mndliche Frage 1
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU)
Auswirkungen einer Erhhung des IDA-Anteils der direkten Zuschsse an ihrer Entwicklungshilfe auf den knftigen deutschen Beitrag zur IDA
Antwort
Erich Stather, Staatssekretr BMZ 		

Zusatzfrage
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 2
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU)
Mgliche Aussetzung der bestehenden Sanktionen der Europischen Union gegen Kuba
Antwort
Kerstin Mller, Staatsministerin AA 		

Zusatzfrage
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 7
Andreas Scheuer (CDU/CSU)
Verwendungszweck und Verteilerkreis der durch das Bundesfamilienministerium in englischer Sprache verffentlichten Dokumentation "Families in Germany - Facts and Figures"
Antwort
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin 
	BMFSFJ 	

Zusatzfrage
Andreas Scheuer (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 8
Andreas Scheuer (CDU/CSU)
Anlass fr die Verffentlichung der Dokumentation "Families in Germany - Facts and Figures" durch das Bundesfamilienministerium und Hhe der dafr vorgesehenen finanziellen Mittel
Antwort
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin 
	BMFSFJ 	

Zusatzfrage
Andreas Scheuer (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 9 
Roland Gewalt (CDU/CSU)
Scheinvaterschaft zur Erlangung von Rechtsansprchen auf Sozialleistungen oder Aufenthaltstitel fr auslndische Kinder und deren Mtter
Antwort
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr 
	BMI 	

Zusatzfragen
Roland Gewalt (CDU/CSU) 		
Dr. Ole Schrder (CDU/CSU) 		


Mndliche Frage 16 
Roland Gewalt (CDU/CSU)
Gesetzesvorlage zur Scheinvaterschaft
Antwort
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr 
	BMJ 	

Zusatzfragen
Roland Gewalt (CDU/CSU) 		
Dr. Ole Schrder (CDU/CSU) 		


Mndliche Fragen 18 und 19 
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU)
Bercksichtigung des Urteils des Europischen Gerichtshofs vom 13. Dezember 2003 hinsichtlich der Anerkennung auslndischer Studienabschlsse bei der Reform der Juristen- und Anwaltsausbildung
Antwort
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr 
	BMJ 	

Zusatzfrage
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 20
Michael Kretschmer (CDU/CSU)
Eventuell vorgesehene Reduzierung bei den Strukturfonds und deren Auswirkungen auf die neuen Bundeslnder
Antwort
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin 
	BMF 	

Zusatzfrage
Michael Kretschmer (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 24
Georg Fahrenschon (CDU/CSU)
Vorschlge zur nderung des Stabilitts- und Wachstumspakts hinsichtlich der Defizitkriterien
Antwort
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin 
	BMF 	

Zusatzfrage
Georg Fahrenschon (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 25
Georg Fahrenschon (CDU/CSU)
Entwicklung des Absatzes von Investmentfondsprodukten und Manahmen hinsichtlich der Umsetzung des im Investmentmodernisierungsgesetz genannten Ziels der Beschleunigung hiesiger Zulassungsverfahren fr Investmentfonds
Antwort
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin 
	BMF 	

Zusatzfrage
Georg Fahrenschon (CDU/CSU) 		

Mndliche Frage 36
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP)
Zeitpunkt der Vorlage des 2. Armuts- und Reichtumsberichts
Antwort
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr 
	BMGS 	

Zusatzfrage
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) 		

Mndliche Frage 37
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP)
Anstieg der Vermgen von Arbeitnehmerhaushalten in den letzten zehn Jahren
Antwort
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr 
	BMGS 	

Zusatzfrage
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP) 		

Mndliche Frage 38
Sibylle Laurischk (FDP)
Kofinanzierung des Ausbaus der europischen Bahntransversale Paris-Budapest mit Mitteln der EU
Antwort
Iris Gleicke, Parl. Staatssekretrin 
	BMVBW 	

Zusatzfrage
Sibylle Laurischk (FDP) 		

Zusatztagesordnungspunkt 1:
Aktuelle Stunde auf Verlangen der Fraktion der CDU/CSU: Unterschiedliche Meinungsuerungen aus Koalition und Bundesregierung zu Studiengebhren 	

Dr. Maria Bhmer (CDU/CSU) 	

Jrg Tauss (SPD) 	

Hellmut Knigshaus (FDP) 	

Grietje Bettin (BNDNIS 90/
DIE GRNEN) 	

Katherina Reiche (CDU/CSU) 	

Ute Berg (SPD) 	

Michael Kretschmer (CDU/CSU) 	

Dr. Reinhard Loske (BNDNIS 90/
DIE GRNEN) 	

Dr. Georg Nlein (CDU/CSU) 	

Heinz Schmitt (Landau) (SPD) 	

Dr. Gnter Krings (CDU/CSU) 	

Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr 
BMBF 	

Dr. Christoph Bergner (CDU/CSU) 	

Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD) 	

Nchste Sitzung 	

Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten 	

Anlage 2
Mndliche Frage 3
Dr. Egon Jttner (CDU/CSU)
Auswirkungen der erzwungenen Abgabe von Hilfsgtern an Warlords auf die Ttigkeit von Hilfsorganisationen in Somalia fr die Opfer der Flutkatastrophe
Antwort
Kerstin Mller, Staatsministerin AA 		

Anlage 3
Mndliche Frage 6
Dr. Egon Jttner (CDU/CSU)
Hilfsangebot fr die von der Flutkatastrophe auf der Halbinsel Hafun betroffene somalische Bevlkerung
Antwort
Hans Georg Wagner, Parl. Staatssekretr 
	BMVg 	

Anlage 4
Mndliche Fragen 10 und 11 
Johannes Singhammer (CDU/CSU)
Anonyme Bestattungen von mittellosen Sozialhilfeempfngern ohne Familienangehrige in Reihenmassengrbern
Antwort
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr 
	BMI 	

Anlage 5
Mndliche Frage 12
Hartmut Koschyk (CDU/CSU)
Novellierung des Verwaltungsrechts
Antwort
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr 
	BMI 	

Anlage 6
Mndliche Frage 13
Hartmut Koschyk (CDU/CSU)
Umsetzung der vom Deutschen Beamtenbund, der Gewerkschaft Verdi und dem Bundesinnenministerium vereinbarten Eckpunkte fr "Neue Wege im ffentlichen Dienst"
Antwort
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr 
	BMI 	

Anlage 7
Mndliche Fragen 14 und 15 
Ralf Gbel (CDU/CSU)
Einsparungen durch die Einfhrung von biometrischen Informationen in Reisepssen; Aspekte bei der Gebhrenfestsetzung
Antwort
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr 
	BMI 	

Anlage 8
Mndliche Frage 17 
Manfred Kolbe (CDU/CSU)
Eventuelle gesetzliche Regelungen zur Beschleunigung der Zahlung flliger Rechnungen
Antwort
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr 
	BMJ 	

Anlage 9
Mndliche Frage 23
Albert Rupprecht (Weiden) (CDU/CSU)
Ausnahmetatbestnde bei der Bestimmung der Defizitobergrenze gem Stabilitts- und Wachstumspakt
Antwort
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin 
	BMF 	

Anlage 10
Mndliche Fragen 26 und 27 
Ernst Burgbacher (FDP)
Unterschiedliche Portokosten in Frankreich fr Briefsendungen innerhalb des Landes und in das EU-Ausland
Antwort
Gerd Andres, Parl. Staatssekretr BMWA 		

Anlage 11
Mndliche Frage 28 
Manfred Kolbe (CDU/CSU)
Situation kleinerer Unternehmen und Handwerker hinsichtlich der Zahlungsmoral ihrer privaten, gewerblichen und ffentlichen Auftraggeber
Antwort
Gerd Andres, Parl. Staatssekretr BMWA 		

Anlage 12
Mndliche Frage 29
Dr. Gesine Ltzsch (fraktionslos)
Verzgerung der Ausgabe von neuen Krankenversicherungskarten fr ALG-II-Bezieher
Antwort
Gerd Andres, Parl. Staatssekretr BMWA 		

Anlage 13
Mndliche Frage 30
Dr. Gesine Ltzsch (fraktionslos)
Regelungen fr ALG-ll-Bezieher im Urlaubsfall
Antwort
Gerd Andres, Parl. Staatssekretr BMWA 		

Anlage 14
Mndliche Fragen 31 und 32 
Petra Pau (fraktionslos)
Zahl der Antrge auf Arbeitslosengeld II bis Ende 2004; Anteil von Sozialhilfebe-rechtigten und Arbeitslosenhilfebeziehern
Antwort
Gerd Andres, Parl. Staatssekretr BMWA 		

Anlage 15
Mndliche Frage 33 
Albrecht Feibel (CDU/CSU)
Belastung der Verbraucher im Jahr 2015 mit einer Einspeisevergtung fr Windkraftstrom in Hhe von 5,4 Milliarden Euro
Antwort
Gerd Andres, Parl. Staatssekretr BMWA 		

Anlage 16
Mndliche Frage 34 
Jens Spahn (CDU/CSU)
Einstellung von Verfahren wegen Nichtzahlung der Praxisgebhren durch die Kassenrztliche Vereinigung in Berlin; Auswirkungen auf die Zahlungsmoral der Patienten
Antwort
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr 
	BMGS 	

Anlage 17
Mndliche Frage 35 
Jens Spahn (CDU/CSU)
Beteiligung der an das Bundesgesundheitsministerium abgeordneten Personen an Gesetzgebungs- und anderen Verfahren
Antwort
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr 
	BMGS 	

Anlage 18
Mndliche Fragen 39 und 40 
Gitta Connemann (CDU/CSU)
Vorzeitige Fertigstellung der so genannten Emslandbahn aufgrund von Initiativen der Kommunen sowie regionaler und privater 

Investoren; Beteiligung von Kommunen und privaten Investoren an den Einnahmen aus der LKW-Maut durch vorzeitigen Lckenschluss
Antwort
Angelika Mertens, Parl. Staatssekretrin 
	BMVBW 	





153. Sitzung
Berlin, Mittwoch, den 26. Januar 2005
Beginn: 13.00 Uhr

Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Gr Gott, liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Sitzung ist erffnet.
Ich rufe Tagesordnungspunkt 1 auf:
Befragung der Bundesregierung
Die Bundesregierung hat als Thema der heutigen Kabinettssitzung mitgeteilt: Zur Lage der Forschung in Deutschland.
Das Wort fr den einleitenden fnfmintigen Bericht hat der Parlamentarische Staatssekretr im Bundesministerium fr Bildung und Forschung, Ulrich Kasparick.
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Frau Prsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Die Opposition hat der Bundesregierung, indem sie sich dankenswerterweise die Mhe gemacht hat, ber 150 Fragen zu stellen, die Gelegenheit gegeben, die Forschungspolitik in Deutschland einmal im Gesamtzusammenhang darzustellen. Wir haben diese Mglichkeit sehr gerne ergriffen und die Grundzge der deutschen Forschungspolitik in einer Antwort auf Ihre Groe Anfrage dargestellt. In meinem einleitenden Beitrag darf ich Ihnen nun die zentralen Punkte vortragen.
Das Wichtige ist: Deutschland ist ein leistungsstarker Forschungs- und Technologiestandort. Der zweite wichtige Trend ist: Es kommen zunehmend junge Leute zurck nach Deutschland. In Deutschland gibt es mehr auslndische Studierende als Studierende, die das Land verlassen. Hier haben wir eine Trendumkehr erreicht. Die Ausgaben fr die Forschung steigen kontinuierlich. Mittlerweile betragen sie 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Unser Ziel ist, 3 Prozent zu erreichen. Aus diesem Grunde haben wir vorgeschlagen, Subventionen abzubauen. Die Entscheidung, ob dies getan wird, liegt zurzeit bei den Lndern. Die Lnder wrden vom Subventionsabbau ebenso profitieren wie der Bund.
Die Forschungsfrderung des Bundes hat beispielsweise bei den optischen Technologien dazu gefhrt, dass sich Deutschland in diesem Bereich von einem Importland zu einem Exportland entwickelt hat. Noch in den 80er-Jahren mussten wir optische Technologien importieren; mittlerweile stammen 40 Prozent aller in der Materialbearbeitung eingesetzten Laser aus Deutschland. Hier sind wir also deutlich strker geworden. 
Ein zweites Stichwort ist die biotechnologische Forschung. Auf diesem Gebiet gehrt Deutschland im internationalen Vergleich zur Spitzengruppe. 
Ein drittes Forschungsfeld, das wir mit Bundesprogrammen untersttzen, ist der Zukunftsbereich der Nanotechnologie. Sie wissen: Nanotechnologie ist eine Querschnittstechnologie. Wir erwarten, dass von den Entwicklungen auf diesem Forschungsfeld auf alle anderen Bereiche, insbesondere auf die Grundlagenforschung, sehr starke Impulse ausgehen werden. Ich mchte darauf hinweisen, dass wir die fr die Nanotechnologie bereitgestellten Mittel seit dem Jahr 2001 um ber 40 Prozent erhht haben. Daran erkennen Sie die klare politische Prioritt, die das BMBF bei der Vergabe seiner Mittel setzt. 
Ein zentrales Forschungsfeld ist fr uns die Forschung fr den Menschen. Hierbei geht es im Wesentlichen um die Gesundheitsforschung. 
Es geht aber auch darum, den globalen Wandel und das System Erde besser zu verstehen. Wir mssen uns den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts stellen. Deswegen hat das BMBF ein groes Programm mit dem Titel "Forschung fr die Nachhaltigkeit" aufgelegt und es fr die nchsten fnf Jahre mit einem Volumen von 800 Millionen Euro ausgestattet. 
Wir mssen uns den globalen Herausforderungen stellen. Hier ist die Forschung in besonderer Weise gefordert. Es geht nicht nur um Geld, sondern auch um Strukturwandel. Unser Anliegen war es, den Wettbewerb zwischen den Forschungsorganisationen sowie zwischen den Hochschulen zu strken und etwas gegen das zu tun, was die Fachleute "Versulung" der Wissenschaftslandschaft nennen. Das ist in Anfngen sehr gut geglckt: Wir arbeiten sehr viel mehr in Netzwerken zusammen als noch 1998. Ich darf den Pakt fr Forschung und Innovation erwhnen; das ist ein ganz zentraler Baustein, mit dem wir gemeinsam mit der Industrie auf neuen Forschungsfeldern vorankommen wollen.
Einen Punkt mchte ich besonders hervorheben: Die Zahl der Studierenden in Deutschland, insbesondere in den Naturwissenschaften und in den Ingenieurwissenschaften, muss grer werden. Wir haben einen Zuwachs bei den Studienanfngern der Ingenieurwissenschaften von plus 35,4 Prozent, bei den Naturwissenschaften von plus 71 Prozent. Das ist ein ganz wichtiger Trend, weil die jungen Leute, die jetzt das Studium solcher Fcher anfangen, der Volkswirtschaft in den nchsten Jahren zur Verfgung stehen werden.
Im Moment fangen 35,7 Prozent eines Jahrgangs ein Studium an. Wir wollen, dass es 40 Prozent eines Jahrgangs werden. Ob die Entscheidungen, die jngst getroffen worden sind, dazu beitragen, dass mehr junge Leute studieren, werden wir in den nchsten Monaten erleben. Wir brauchen mehr Studienanfnger. Wir mssen politisch alles unternehmen, damit mehr junge Leute ein Hochschulstudium aufnehmen. 
Die Juniorprofessur war ein ganz wesentlicher Schritt. Wir wollen, dass die jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler frher selbststndig forschen knnen. In diesem Zusammenhang darf ich einen Preis erwhnen, der in der ffentlichkeit noch nicht bekannt genug ist, der es aber verdient, bekannt zu werden: den Sofja-Kovalevskaja-Preis, benannt nach einer russischen Naturwissenschaftlerin. Er ist knapp unter dem Nobelpreis dotiert. Wir verleihen diesen Preis jungen Spitzenwissenschaftlern, um ihnen ein hohes Ma an Selbststndigkeit zu geben. Wir haben krzlich mit jungen amerikanischen Wissenschaftlerinnen gesprochen, die diesen Preis erhalten. Sie sagen: Wir sind deswegen in Deutschland, weil wir mit solcher Untersttzung Studienbedingungen vorfinden, die wir woanders auf der Welt nicht haben. - Solche Trends mssen wir verstrken. Wir brauchen die besten jungen Leute in Deutschland. Deswegen ist es an der Zeit, einmal eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Wichtig ist die Fokussierung auf die Themenfelder, die ich angesprochen habe. Wir sagen - etwas verkrzt, aber in der Sache zutreffend -: Wir frdern das, was Arbeit schafft. Wir orientieren uns in der Forschungsfrderung an den Technologiefeldern, die das hchste Innovationspotenzial haben und die strksten Auswirkungen auf die Volkswirtschaft. Diesen Kurs werden wir fortsetzen. Wir freuen uns, dass auch die Privatwirtschaft wieder deutlich mehr in Forschung investiert; wir sind da sozusagen in einem wechselseitigen Wettbewerb. Gemeinsam mit der Wirtschaft wollen wir diesen Trend verstrken und ich bin guter Dinge, dass wir das auch schaffen knnen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Vielen Dank, Herr Staatssekretr. - Ich bitte, zunchst Fragen zu dem Themenbereich zu stellen, ber den soeben berichtet wurde. Gemeldet hat sich der Herr Kollege Braun. 
Helge Braun (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben die Bedeutung der Gesundheitsforschung angesprochen. Gerade war der Pharmagipfel beim Kanzler. Dabei ist es nicht dazu gekommen, dass die festbetragsgebundenen Arzneimittel, die innovativ sind, aus der Festbetragsregelung herausgenommen wurden. Welche Bedeutung hat das fr den Innovationsstandort Deutschland?
(Jrg Tauss [SPD]: War das eine Lobbyistenfrage?)
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Nein, ich kenne Herrn Braun gut genug, um ihm solche Interessen nicht zu unterstellen.
Ich weise auf den wirklich wichtigen Punkt hin: Das Gesprch, das Sie angesprochen haben, bezog sich auf Preisregelungen. Unser Thema heute ist, wie wir die Forschung voranbringen knnen. Was wir auf der Forschungsseite tun wollen, habe ich beschrieben: Der Bund stattet im Wesentlichen groe Forschungsrahmenprogramme aus, deren Mittel dann im Wettbewerb vergeben werden. Ich bin gerade bezglich der Gesundheitsforschung in Deutschland sehr zuversichtlich, dass wir unsere Spitzenposition nicht nur halten, sondern sogar ausbauen knnen. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Jetzt bekommt die Kollegin Reiche das Wort. 
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, laut Angaben des Bundesfinanzministeriums sinken die Gesamtausgaben der Bundesregierung fr Bildung, Wissenschaft und Forschung in diesem Jahr von 11,6 Milliarden Euro auf 11,3 Milliarden Euro. 
Im Jahre 2003 hat das BMBF die Mittel fr die Projektforschung um 4 Prozent gekrzt und in diesem Jahr will es diese um noch einmal 12 Prozent krzen. Hinzu kommt der so genannte Dudenhausen-Erlass, durch den es aueruniversitren Forschungsorganisationen in Zukunft verboten sein soll, sich in grerem Rahmen an Drittmittelausschreibungen zu beteiligen. Allein die Max-Planck-Institute werben 7 Prozent ihrer Haushalte ber Drittmittel ein. Sie wollen ihnen 3 Prozent mehr geben und nehmen ihnen gleichzeitig 7 Prozent weg, was ein Minus von 4 Prozent bedeutet.
Wie vertrgt sich das mit den von Ihnen eben gemachten Aussagen zu einer Strkung des Forschungsstandortes Deutschland?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Frau Reiche, ich darf Ihnen die Zahlen, die ich bereits vorgetragen habe, noch einmal nennen: Diese Bundesregierung hat den Anteil der Ausgaben fr Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt - darber reden wir heute - von 2,3 Prozent auf 2,5 Prozent gesteigert. Das ist nicht so wenig, wie es zunchst klingt. Ziel ist es, 3 Prozent zu erreichen. Allein bei der Projektfrderung betrug das Plus zwischen 1998 und 2004 8,6 Prozent. Wenn wir die institutionelle und die Projektfrderung zusammenzhlen, dann kommen wir bei den Forschungseinrichtungen auf eine Steigerung von 13 Prozent. Wir haben den groen Forschungsorganisationen Deutschlands im Pakt zugesagt, diesen Prozess bis zum Jahr 2010 zu verstetigen. Das ist eine gemeinsame Verabredung und wir beabsichtigen, diese einzuhalten. 
Ich mache jedoch auf Folgendes aufmerksam: Die Steigerungsraten, die wir den groen Forschungsorganisationen zugesagt haben, werden nicht ausreichen, um den Forschungsstandort Deutschland nach vorne zu bringen. Wir brauchen wesentlich mehr Geld im System. Von 1998 bis jetzt sind wir lediglich um etwa 0,2 Prozentpunkte nach vorne gekommen. Insgesamt wollen wir noch 0,5 Prozentpunkte mehr erreichen. Daran erkennen Sie, wie enorm die Herausforderungen sind. 
Deshalb auch von dieser Stelle aus noch einmal meine ausdrckliche Aufforderung: Wir mssen die Subventionen fr alte Technologien abbauen, damit wir das Geld fr Zukunftsinvestitionen frei bekommen. Insbesondere fr die Projektfrderung bentigen wir wesentlich mehr Geld. Dort haben wir gemeinsame Interessen. Das Geld muss uns durch die Streichung alter Subventionen zur Verfgung stehen. Sie kennen das Stichwort: Eigenheimzulage. Es spricht sich allmhlich herum, dass nicht nur der Bund, sondern auch die Lnder und Kommunen von der Streichung dieser Subvention profitieren wrden.
Ich werbe an dieser Stelle noch einmal ausdrcklich fr die Streichung, weil wir im finanziellen Bereich enorme Anstrengungen unternehmen mssen, um insbesondere bei der Projektfrderung zu einer Steigerung zu kommen.
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Ist eine Nachfrage mglich oder nicht?
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine Nachfrage der Kollegin Reiche.
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Bitte, ja.
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben gerade zu Recht darauf hingewiesen, dass es das Ziel ist - dies wurde auch in der Lissabon-Strategie verabschiedet -, 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fr Forschung und Entwicklung aufzubringen.
Bei dem jetzt von den Forschungsinstituten prognostizierten Wirtschaftswachstum wre ein 6,4-prozentiges Wachstum des Forschungshaushalts notwendig. Selbst wenn man ein Nullwachstum annhme, mssten wir den Forschungshaushalt um 4,3 Prozent steigern. Auch in diesem Jahr sind wir weit davon entfernt.
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Richtig, ja.
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Wie wollen Sie innerhalb der Koalition dafr werben und durchsetzen, dass es in diesem Bereich tatschlich zu einer Umorientierung kommt?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Unsere Argumentation lautet, dass wir eine nationale Kraftanstrengung bentigen. Ich sage Ihnen: Die Forderung, die an uns gestellt wird, nmlich das Gesamtinnovationssystem in Deutschland wirklich nach vorne zu bringen, kann nicht erfllt werden, wenn nur einer der beteiligten Partner herangezogen wird. Wir brauchen ein breites gesellschaftliches Bndnis fr Innovation und mehr Forschung.
Deswegen sage ich: Wir haben vorgeschlagen, den politischen Mut aufzubringen, an alte Subventionen heranzugehen. Allein im nchsten Haushaltsjahr htten wir dadurch 600 Millionen Euro mehr fr die Forschung. Das wrde sich bis zu einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro steigern, die wir mehr in die Forschung stecken knnten. Aus diesem Grund meine herzliche Bitte an Sie: Springen Sie mit auf den Zug, sodass wir mehr Geld fr Forschung und Innovationen zur Verfgung stellen knnen! Der Vorschlag liegt auf dem Tisch. Wir brauchen aber Ihre Zustimmung dafr. 

Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Tauss, bitte.
Jrg Tauss (SPD): 
Nachdem Frau Kollegin Reiche glaubte, vermeintliche Krzungen kritisieren zu mssen, mchte ich Sie fragen, ob Sie mir nochmals darstellen knnten, wie die Entwicklung des Bundeshaushaltes vor und nach 1998 war, und ob es Erkenntnisse darber gibt, dass die Vorschlge der Bundesregierung, beispielsweise durch die Krzung der Eigenheimzulage zu mehr Einnahmen im Haushalt fr Bildung, Wissenschaft und Forschung zu kommen, bei der Union bereits erste Frchte tragen. 
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Ihre Frage bezog sich auf die Zeit bis 1998. Ich habe mir die Zahlen fr den Zeitraum von 1992 bis 1997 geben lassen. Fr den uns interessierenden Bereich der Forschung ergibt sich ein Minus von 7,8 Prozent. 
(Jrg Tauss [SPD]: 7,8 Prozent? Habe ich das richtig verstanden?)
- Ein Minus von 7,8 Prozent. Man kann das auch anders ausdrcken: Das ist ein Minus von 688 Millionen  in diesem Zeitraum.
(Jrg Tauss [SPD]: Das war die Regierung Kohl, wenn ich mich richtig erinnere!)
Unsere Schwierigkeit war, diesen Trend umzudrehen. Mittlerweile haben wir im Forschungsbereich ein Plus von 886 Millionen Euro erreicht. Das sind etwa 10,9 Prozent.
(Jrg Tauss [SPD]: Seit 1998?)
- Seit 1998. Aber ich sage auch: Das reicht bei weitem noch nicht, wenn man die Anstrengungen der internationalen Mitbewerber sieht, etwa die der Vereinigten Staaten, Japans oder die der skandinavischen Lnder. Wir mssen uns darber im Klaren sein, dass wir in einer dramatisch alternden Gesellschaft nur einen einzigen Weg haben, um Wohlstand zu sichern, nmlich Investitionen in Forschung. In diesem Bereich mssen wir die Mittel verstrkt einsetzen. Hierfr brauchen wir eine gemeinsame Kraftanstrengung.
Mittlerweile spricht sich auch bei den Lndern herum, dass von der Abschaffung der Eigenheimzulage auch die Lnder profitieren wrden. Ich bin deswegen nicht mehr ganz so skeptisch wie noch vor einigen Wochen, dass das Gesprch darber endgltig beendet ist. Vielmehr habe ich die Hoffnung, dass das Gesprch zwischen Bund und Lndern wieder in Gang kommen wird. Man muss schauen, in welcher Form das gelingt. Aber ich sage noch einmal ausdrcklich: Von der Abschaffung dieser Subvention profitieren nicht nur der Bund, sondern auch die Lnder und Kommunen. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Feibel, bitte.
Albrecht Feibel (CDU/CSU): 
Herr Kollege Kasparick, Sie haben fr die Forschung eine Perspektive aufgezeigt, die eigentlich optimistisch in die Zukunft blicken liee, wenn es vor Ort nicht andere Entwicklungen gbe. Wie vereinbart sich Ihr optimistischer Blick in die Zukunft mit dem Abbau der Forschung im Kernforschungszentrum Karlsruhe oder in Oberschleiheim, 
(Jrg Tauss [SPD]: Bitte?)
wo gerade der Bereich von Forschung und Studium auf etwa 10 bis 15 Prozent zurckgefahren wird, worunter in der Zukunft nicht nur die Atomkraftwerke und das Behandeln der Abflle dieser Atomkraftwerke, sondern sicher auch die Nuklearmedizin leiden werden? Wie beurteilen Sie diese Entwicklung vor Ort im Hinblick darauf, was Sie in der Zukunft gerne sehen wrden?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Ich habe vorhin in meinem Einfhrungsstatement auf die Herausforderungen im 21. Jahrhundert hingewiesen. Sie wissen, dass die rot-grne Koalition im Einvernehmen - das betone ich immer, weil das gerne vergessen wird - mit der deutschen Industrie einen Ausstieg aus der Atomwirtschaft beschlossen hat. Wir haben uns darauf geeinigt, diesen Pfad zu verlassen und uns auf das zu konzentrieren, was nach der berzeugung sehr vieler Wissenschaftler weltweit erforderlich ist, nmlich einen Pfad der nachhaltigen Energieversorgung zu beschreiten. Das hat insbesondere mit Effizienzgewinnen - dabei geht es um Materialwissenschaften - und mit dem Zuwachs an erneuerbaren Energien zur Bereitstellung von Energie zu tun. 
Das hat natrlich auch Auswirkungen auf den Forschungsbereich. Die Studienanfngerzahlen in diesem Bereich sind stark rcklufig. Wir mssen in Deutschland groe Anstrengungen unternehmen, um den Sachverstand in der Sicherheitstechnik zu halten. Hier arbeiten wir mit den Groforschungszentren des Bundes zusammen. Aber die prinzipielle Entscheidung, bei der Energieversorgung einen anderen Pfad zu beschreiten, wurde im Konsens mit der deutschen Industrie getroffen. 
Was die wissenschaftliche Ausrichtung von Groforschungszentren wie beispielsweise Karlsruhe anbetrifft, bin ich nicht ganz so skeptisch wie Sie. Sie haben Ihre Skepsis anhand einer Disziplin deutlich gemacht. Wenn Sie sich die Geschichte dieser Institute anschauen, beispielsweise die des Hahn-Meitner-Instituts in Berlin, des Forschungszentrums Jlich oder des Forschungszentrums Karlsruhe, dann sehen Sie, dass solche Einrichtungen immer wieder auf neue technologische Entwicklungen und neue Forschungsfelder umschwenken. Ich nenne als Beispiel das Atomforschungszentrum hier in Berlin, das Hahn-Meitner-Institut. Das ist im Moment das fhrende Institut fr erneuerbare Energien. Gute Physiker, die aus der Atomphysik kommen, sind auch in der Lage, Herausforderungen in der Materialwissenschaft und in anderen Bereichen der Physik zu bewltigen. Das beherrschen unsere Wissenschaftler. Es ist deshalb nicht zwingend, dass das Beschreiten eines neuen Themenfeldes mit einem Abbau von Arbeitspltzen fr Wissenschaftler einhergeht. Wir haben solche Umstrukturierungsprozesse in Deutschland mehrfach erlebt. Diese werden sich fortsetzen, weil es neue thematische Herausforderungen gibt, die wir bearbeiten mssen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Rossmann, bitte.
Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD): 
Herr Kollege Kasparick, ich muss eine Vorbemerkung machen. Die CDU/CSU hat 150 Fragen gestellt. Mir ist aufgefallen, dass stndig die Bezugsbasis wechselt. Einmal wird nach Daten aus dem Jahr 1984 gefragt, dann nach Daten aus den Jahren 1987, 1988 und 1989,
(Jrg Tauss [SPD]: Wie es passt!)
dann aus den Jahren 1990, 1991 und 1998. Darf ich Sie fragen, was Sie von der wissenschaftlich-politischen Durchdringung einer Frage halten, die stndig wechselnde Bezugsgren hat? Was knnten die Motive dafr sein,
(Dr. Martin Mayer [Siegertsbrunn] [CDU/ CSU]: So was Billiges!)
dass man in einer Rckschau stndig die Bezugsbasis wechselt? Vielleicht verbinden Sie das mit der Antwort auf die Frage danach, welche gerade Linie diese Bundesregierung seit 1998 kontinuierlich in den verschiedenen Handlungsfeldern verfolgt, sodass wir dort keine wechselnden Daten fr die Zukunft zu frchten brauchen.
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Herr Kollege Rossmann, ber die Beweggrnde der CDU/CSU kann ich nur Vermutungen anstellen. Das will ich aber gar nicht tun.
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Schade!)
Jede politische Partei im Deutschen Bundestag verfgt ber Ressourcen und kann sie nutzen, um Groe Anfragen zu formulieren. Mir ist in der Tat aufgefallen, dass die Bezugsgren wechseln und man nicht so richtig wei, was als Basis angenommen wird. Ich glaube, das ist nicht der zentrale Punkt.
Natrlich wird eine Groe Anfrage vonseiten der Opposition genutzt, um zu sagen, dass die Regierung das, was sie vorhat, nicht erreicht, und um die Regierung auf die Diskrepanz zwischen dem, was als Ziel formuliert worden ist, und dem, was tatschlich erreicht worden ist, hinzuweisen. Deswegen ist mein Petitum heute in dieser Befragung, dass wir den Zusammenhang zwischen einer dramatisch alternden Gesellschaft und der Wohlstandssicherung verstehen lernen. Wenn wir das wirklich erreichen wollen, dann brauchen wir eine gemeinsame nationale Kraftanstrengung, bei der sich alle Players, die dazugehren - Regierung, Opposition, Wirtschaft, Verbnde, Lnder und Kommunen -, in eine Richtung auf den Weg machen mssen.
Wir haben damit 1998 begonnen. Wir haben ein klares Ziel formuliert. Wir wollen 3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt erreichen. Wir sind jetzt bei 2,5 Prozent. Wenn wir in dem Tempo wie bisher weitermachen, dann werden wir das Ziel nicht erreichen. Deswegen sagen wir: Wir mssen jetzt schmerzhafte Operationen vorschlagen, nmlich den Abbau von Subventionen. Das ist immer schmerzhaft, weil die Menschen, die davon profitieren, wollen, dass es so bleibt, wie es ist. Wir von der Forschungsseite aber sagen: Wir mssen an die Subventionstatbestnde heran, um den kontinuierlichen Aufwuchs bei Bildung und Forschung konsequent fortsetzen zu knnen. Diesen haben wir 1998 begonnen und wir sind sehr gut weitergekommen. Wir haben insgesamt ein Plus von etwa 35 Prozent bei den Mitteln fr Bildung und Forschung. Ich habe die Hoffnung noch nicht verloren, dass wir bei diesem Thema auch unter den Kollegen auf den Oppositionsbnken Verbndete gewinnen knnen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Fischer, bitte.
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, heute Morgen hat der Kollege Fell in der Ausschusssitzung darauf hingewiesen, dass es ein aus Forschungsmitteln finanziertes Bro in Brssel gebe, das dafr da sei, den Europaabgeordneten deutlich zu machen, wie wichtig die Fusions- und die ITER-Forschung ist und dass weiterhin Geld in diese Forschung flieen soll. Meine Fragen lauten in diesem Zusammenhang, welche Forschungsmittel seitens des Bundes bzw. welche Bundesmittel insgesamt in dieses Projekt flieen und welche Mittel vonseiten des Bundes fr Agenturen wie dena, BINE oder DEWI aufgebracht werden und wie Sie das Ganze bewerten. Wenn Sie die Fragen nicht gleich beantworten knnen, bin ich auch mit einer schriftlichen Aufstellung einverstanden. 
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Bei dem konkreten Projekt handelt es sich, wenn ich richtig informiert bin, um ein Bro der Max-Planck-Gesellschaft. Ich gehe dem gerne noch einmal nach, um zu klren, ob tatschlich erhebliche Mittel investiert werden. Denn das wrde uns aufseiten des Bundes auch interessieren, weil wir die Auffassung vertreten, dass solche Mittel fr die Forschung eingesetzt werden sollten. Ich gehe der Frage aber gerne nach, auch um im Vergleich darzustellen, wie hinsichtlich der Mittelausstattung von Vertretungen in Brssel verfahren wird.
In der Sache selber - Sie haben das Thema Fusionsforschung angesprochen - mssen wir aus nationaler Sicht sehr darauf achten, dass uns die Kosten nicht davonlaufen. Wir sehen, dass die Entwicklungen, insbesondere beim ITER und in den anderen Projekten der Fusionsforschung, mittlerweile eine Dimension angenommen haben, die selbst international kaum noch darstellbar ist. Wir haben Kostengrenzen erreicht und mssen strikt darauf achten, dass die Kosten nicht ins Unermessliche steigen. Deswegen hat sich der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages dafr entschieden, in diesem Themenfeld keine Mittelaufwchse vorzusehen. Wir wollen in diesem Bereich eine Deckelung mit einem festen Betrag erreichen, der nicht ansteigen soll. Weil die Max-Planck-Gesellschaft aber insgesamt mehr Mittel bekommt, wollen wir, dass die Aufwchse im Energietitel zugunsten einer greren Effizienz und fr erneuerbare Energien eingesetzt werden. Wir glauben, dass diese Entwicklung richtig ist.
Was die konkrete Finanzierung des angesprochenen Bros angeht - ich vermute, dass es sich um ein Bro der Max-Planck-Gesellschaft handelt; es ist jedenfalls kein Bro der Regierung -, gehe ich dieser Frage gerne noch einmal nach. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Mayer, bitte.
Dr. Martin Mayer (Siegertsbrunn) (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, nachdem aus Ihren Ausfhrungen deutlich geworden ist, dass die Bundesregierung nicht in der Lage ist, ausreichende Finanzmittel fr die Forschung bereitzustellen, frage ich Sie: Sind Sie wenigstens bereit, sich dafr einzusetzen, dass beispielsweise die Haftungsregelungen, die in der Grnen Gentechnik die Forschung erheblich behindern, forschungsfreundlicher gestaltet werden?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Ich muss Ihnen in zwei Punkten vorsichtig widersprechen.
(Jrg Tauss [SPD]: Nicht vorsichtig, sondern deutlich!)
Beim ersten Punkt geht es um die Aussage, die Bundesregierung sei nicht in der Lage, ausreichende Mittel zur Verfgung zu stellen. Ich habe bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Forschungsfrderung in der Regel von mehreren Partnern bestimmt wird. Wie Sie wissen, kommen in Deutschland zwei Drittel aus der Wirtschaft und ein Drittel aus der ffentlichen Hand. Allein dieses Mischungsverhltnis macht deutlich, dass es einer gemeinsamen Anstrengung bedarf. 
In der Wirtschaft sind glcklicherweise Wachstumsraten zu verzeichnen. Erlauben Sie mir deshalb auch an dieser Stelle noch einmal den Appell: Wir mssen zustzliche Mittel fr den ffentlich finanzierten Bereich aufbringen und alte Subventionstatbestnde angehen. Ich glaube, dass Ihr Bundesland dabei besonders zurckhaltend ist. Deshalb ist meine direkte Bitte: Vielleicht sehen Sie die Mglichkeit, mit Ihrem Ministerprsidenten ber diese Frage zu sprechen.
Was die Haftungsregelungen in der Grnen Gentechnik angeht, muss der Gesetzgeber darauf achten, dass die verschiedenen in der Gesellschaft bestehenden Interessen zu einem Ausgleich gelangen. Es gibt starke gesellschaftliche Gruppen, die mit dem Argument der Forschungsfrderung fr eine klare Entgrenzung sind. Sie wollen sozusagen freie Bahn fr das, was auch in anderen Lndern mglich ist. Es gibt aber innerhalb der Bevlkerung ebenfalls starke Gruppen, die das nicht wnschen. Der Bundesgesetzgeber ist aufgerufen, zwischen diesen Gruppen zu einem Ausgleich zu kommen. Ich glaube, dass das, was wir in der Gesetzgebung geleistet haben, diesem Anliegen gerecht wird.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Frau Kollegin Wicklein, bitte.
Andrea Wicklein (SPD): 
Herr Staatssekretr Kasparick, die Opposition kritisiert immer wieder den ffentlichen Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, der von der Bundesregierung sehr offensiv vorangetrieben wurde und gerade jetzt im Einstein-Jahr fortgesetzt wird. 
(Jrg van Essen [FDP]: Das sind doch bestellte Fragen! Das sieht man doch!)
Welche Erwartungen verbindet die Bundesregierung mit der Initiative "Wissenschaft im Dialog", die von allen groen Forschungsorganisationen und vom Stifterverband der Wissenschaft mitgetragen wird?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Ich glaube, dass diejenigen in der Gesellschaft Recht haben, die der Auffassung sind, dass es einer besonderen Anstrengung bedarf, die Forschung zu einem gemeinsamen Anliegen der Gesamtgesellschaft machen zu wollen. Wissenschaft hat nmlich hufig mit sehr abstrakten Themen zu tun. Wenn wir wollen, dass die groe Mehrheit der Bevlkerung den Pfad von Innovation und mehr Investitionen in Forschung mitgeht, dann brauchen wir zwingend Dialogprozesse, die der interessierten Bevlkerung, den Fachwissenschaftlern und Unternehmern Gelegenheit geben, sich an dem Diskurs ber Forschung zu beteiligen. Dem dienen die Jahre der Wissenschaft, wie beispielsweise das Jahr der Technik oder das Jahr der Physik. Wir wollen vonseiten der Bundesregierung diesen Dialogprozess frdern. In diesem Jahr haben wir aufgrund des Einstein-Jahres eine besondere Gelegenheit dazu.

Ich setze darauf sehr groe Hoffnungen; denn ich bin der festen berzeugung, dass wir den von mir erwhnten Kraftakt, den wir brauchen, um die gesamte Gesellschaft strker auf Forschung und Innovation auszurichten, ohne Dialog nicht schaffen werden. Deswegen brauchen wir Dialogangebote; sie sind ein ganz zentraler Punkt. Die Jahre der Wissenschaft sind ein geeignetes Instrument, um den Dialog voranzubringen. Das sehen wir daran, dass in der Vergangenheit mehrere Hunderttausend Menschen solche Angebote wahrgenommen haben. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Schummer, bitte. 
Uwe Schummer (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, vor dem Hintergrund, dass Forschung und Innovation die Schwerpunkte der Bundesregierung sein sollen, mchte ich Sie fragen: Wie erklren Sie sich und uns, dass der forschungsintensive Sektor der Volkswirtschaft mit 0,5 Prozent weit hinter den anderen Sektoren zurckliegt und dass viele forschungsintensive Unternehmen der Meinung sind, dass das weniger am Geld liege als an den brokratischen Hemmnissen, die zustzlich aufgebaut wurden? Teilen Sie diese Auffassung?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Bei solchen Fragen muss man genau schauen, mit wem man spricht. 
(Katherina Reiche [CDU/CSU]: Das ist wohl wahr!)
Denn davon hngt ab, welche Vermutungen ber die Grnde angestellt werden, warum wir besser werden knnten. Ich nenne Ihnen einmal einen Grund aus unserer Sicht: Wir hatten sehr viel aufzuholen. 
(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Was heit "aus unserer Sicht"?
- Wenn ich Ihnen als Staatssekretr antworte, dann heit das: aus Sicht der Bundesregierung. 
Wie gesagt, wir hatten sehr viel aufzuholen. Wir haben einen Rckstand und einen Abwrtstrend bei den Forschungsinvestitionen vorgefunden. 
(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Den haben Sie beschleunigt!)
Der Abwrtstrend ist gestoppt und umgedreht worden. Der Haushalt weist nun ein Plus von 36 Prozent auf, verehrter Herr Kollege. Wir sind durchaus mit Ihnen der Meinung, dass Deutschland insbesondere im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, zu Japan und zu einigen skandinavischen Lndern noch nicht dort ist, wo es sein msste. Gerade deswegen sage ich: Wir mssen gemeinsam mit Ihnen Anstrengungen unternehmen, damit mehr Mittel in Forschung und Bildung flieen. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Kretschmer, bitte.
Michael Kretschmer (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, wie bewerten Sie die Aussage des Deutschen Hochschulverbands, der heute erklrt hat: "Das Ma ist voll"; die Ministerin msse zurcktreten und Verantwortung fr ihre verfehlte und verfassungswidrige Politik bernehmen?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Ich halte diese Forderung fr so abwegig, dass ich sie nicht nher kommentieren mchte. 
(Beifall des Abg. Jrg Tauss [SPD])
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich lasse die mir vorliegenden fnf Wortmeldungen noch zu, nehme aber keine neuen Wortmeldungen mehr an. 
Herr Kollege Braun, bitte.
Helge Braun (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben unter anderem von dem Saldo der Abwanderung und Zuwanderung bei Studenten und Wissenschaftlern in Deutschland gesprochen. Wie sehen Sie vor dem Hintergrund innovativer Technologien den Umstand, dass insbesondere Sozial- und Kulturwissenschaftler in Deutschland studieren, whrend Natur- und Technikwissenschaftler vorwiegend in die USA gehen? Das zeigt sich auch daran, dass die letzten vier deutschen Nobelpreistrger ihre Auszeichnung aufgrund ihrer wissenschaftlichen Ttigkeit in den USA erhalten haben. 
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Herr Kollege Braun, wir haben ber dieses Thema schon mehrfach gesprochen. Unter anderem hat es eine Kleine Anfrage - ich glaube: unter Ihrer Federfhrung - und eine gemeinsame Veranstaltung zu diesem Thema an der Humboldt-Universitt gegeben. Ich stimme Ihrer Einschtzung nicht zu. Wenn man sich die Zahlen genau anschaut - wir finden, dass das eine wichtige Aussage ist -, dann stellt man fest: Es ist offensichtlich durch gemeinsame Anstrengungen insbesondere unserer Wissenschaftsfrderorganisationen gelungen, das Marketing deutscher Hochschulen deutlich zu verbessern, sodass im Saldo mehr Studenten und Wissenschaftler nach Deutschland kommen als unser Land verlassen. Deutschland ist nach England das Land in der Welt, in das am meisten Menschen zum Studieren gehen. Das ist eine wichtige Trendumkehr.
(Helge Braun [CDU/CSU]: Ich habe da eine Nachfrage, Herr Staatssekretr!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Nein, Herr Kollege, ich lasse die Nachfrage nicht mehr zu.
Jetzt hat die Kollegin Reiche das Wort.
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben vorhin die vorausschauende Politik der Bundesregierung gelobt. Wir haben in der letzten Debatte gerade von Ihnen gehrt, dass Sie zum Beispiel besonderen Wert auf das Projekt "System Erde" legen. Nun ist es aber so, dass Sie gerade die Mittel fr das Projekt "System Erde" um 5 Millio-nen Euro, nmlich von 83 Millionen Euro auf 78 Millio-nen Euro - diese Zahlen habe ich dem Haushalt entnommen -, gekrzt haben.
Der Haushalt des GFZ - welches hervorragende wissenschaftliche Leistungen erbringt und aktuell einen groen Beitrag zu einem Tsunami-Frhwarnsystem leistet - wurde berrollt. Zhlt man die Tarifsteigerungen hinzu, kommt man auf ein Minus. Wir untersttzen alles, was zu einem solchen Frhwarnsystem fhrt. 
In diesem Zusammenhang folgende Frage: Woher werden die versprochenen 40 Millionen Euro genommen? Werden sie dem BMBF-Haushalt entnommen? Wird innerhalb dieses Haushaltes umgeschichtet? Oder plant die Bundesregierung tatschlich, mehr Geld zur Verfgung zu stellen?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Diese Frage ist insofern interessant, als mir der Zusammenhang zwischen dem Geoforschungszentrum Potsdam und Ihrem Wahlkreis natrlich klar ist.
Der Punkt ist: Wie Sie wissen, kennen wir Herrn Professor Emmermann sehr gut und arbeiten mit ihm sehr eng zusammen, nicht zuletzt was das Frhwarnsystem anbetrifft. Wir haben dieses Programm im Herbst vergangenen Jahres - ich bin mir jetzt nicht sicher, ob Sie dabei waren - im Rahmen einer groen Veranstaltung vorgestellt.
Wir streben mit diesem Programm an, die groen Forschungszentren, in denen Einzeldisziplinen betrieben werden, beispielsweise die Meereswissenschaft, die Geowissenschaften, interessanterweise auch die Sozialwissenschaften und die Fachwissenschaften, in denen es um Satellitentechnik geht, erstmals zu einem gemeinsamen System zu verknpfen. Das geht brigens auf eine Anregung des GFZ in Potsdam zurck.
Ich erinnere mich, dass alle an dieser Veranstaltung beteiligten Forschungsorganisationen diesen Ansatz ausdrcklich gelobt haben und sich einig waren: Wir brauchen einen solchen Ansatz; denn wir mssen gerade in Bezug auf das System Erde von den Einzelerkenntnissen wegkommen, hin zu einer Gesamtschau. 
Was die Mittelausstattung anbetrifft: Herr Professor Emmermann sagt, die finanzielle Ausstattung dieses Programms sei aller Achtung wert.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Tauss, bitte.
Jrg Tauss (SPD): 
Sehr geehrter Herr Staatssekretr, knnen Sie mir besttigen, dass im Gegensatz zu dem, was der Kollege Feibel vorgetragen hat - Herr Kollege, Sie als Reiseunternehmer lade ich gerne einmal ein, in meinen wunderbaren Wahlkreis zu fahren; wir gehen dann miteinander zum Forschungszentrum Karlsruhe; ich habe einen Hausausweis und dadurch kommen wir dort leicht zusammen herein -, gerade die Haushalte der groen Forschungszentren, so zum Beispiel die Helmholtz-Gemeinschaft und damit auch das Forschungszentrum Karlsruhe, in den letzten Jahren einen jhrlichen Aufwuchs von 3 Prozent aufwiesen? 
Knnen Sie mir besttigen, dass die Krzungen im medizinischen Bereich, die der Kollege Feibel angesprochen hat, ausschlielich aufgrund einer internationalen Evaluierung - es erfolgten Umschichtungen innerhalb der Helmholtz-Gemeinschaft; in Karlsruhe wurden demgegenber die Bereiche Mikrosystemtechnik, Nanotechnologie und andere erheblich gestrkt - vorgenommen wurden? Tuscht mich meine Erinnerung oder hat der Kollege Feibel Recht?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Wir haben innerhalb der HGF, also der Gemeinschaft der Groforschungszentren des Bundes, das Wettbewerbsverfahren eingefhrt. Wir wollen, dass die HGF in Programmen arbeitet. Beispielsweise beschftigt sich ein groes Programm mit Gesundheit, ein anderes mit neuen Materialien und ein weiteres mit Energie. Wir wollen, dass die Institute innerhalb dieser Programme miteinander in den Wettbewerb treten; wir wollen, dass sich innerhalb der HGF die Besten durchsetzen.
Das fhrt dazu, dass Fachbereiche von Programmen, die evaluiert werden, reduziert und gegebenenfalls - auch das haben wir erlebt - ganz geschlossen werden. Dazu sagen wir als Politiker: Die Entscheidung darber, welcher Bereich reduziert und welcher gestrkt wird, treffen nicht wir, sondern trifft die Wissenschaft selbst. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Evaluierung von - darauf achten wir sehr - international renommierten Fachleuten. Das kann in einzelnen Forschungszentren dazu fhren, dass bestimmte Fachbereiche reduziert und andere dafr gestrkt werden. Unser Ziel ist: Wir wollen die besten Themenbereiche nach vorn bringen. Die Bereiche, von denen wir glauben, dass wir zur Weltspitze durchstoen knnen, wollen wir strken.
(Jrg Tauss [SPD]: Danke schn!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Fischer, bitte.
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, die Antwort, die Sie eben gegeben haben, hat eigentlich Bnde gesprochen. Sie haben vorhin auf meine Frage geantwortet, dass es Ihr Ziel ist, in die Forschung zu investieren und mit Forschungsmitteln wirklich Forschung zu betreiben. Sie haben das Einsteinjahr ausgerufen. Deshalb meine Frage: Wie viel Prozent der 13 Millionen Euro, die Sie fr das Einstein -Jahr verwenden, flieen in die Forschung?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Ich habe Ihnen vorhin folgenden Zusammenhang zu verdeutlichen versucht: Wenn wir es schaffen wollen, dass die gesamte Gesellschaft eine Orientierung auf Forschung und Innovation mitgeht, dann brauchen wir den Dialog.
(Andrea Wicklein [SPD]: Richtig! - Jrg Tauss [SPD]: Ja!)
Das ist zwingend. Wir brauchen den Dialog, weil es uns sonst nicht gelingen wird, die Gesellschaft bei der Orientierung hin zu mehr Innovation und Forschung mitzunehmen.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Die Investitionen, die jetzt Kommunikation und Dialog zugute kommen, werden sich auszahlen: auch in der Form, dass das Bewusstsein fr die Notwendigkeit von Bildung und Forschung im Deutschen Bundestag und in dessen Fraktionen knftig noch strker sein wird als heute.
(Axel E. Fischer [Karlsruhe-Land] [CDU/ CSU]: Das heit, null?)
- Nein, das heit 100 Prozent.
(Axel E. Fischer [Karlsruhe-Land] [CDU/ CSU]: Dann wundere ich mich nicht mehr darber, dass der Forschungsetat steigt, wenn das 100 Prozent sind!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Die letzte Frage hat der Kollege Rossmann.
Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD): 
Herr Staatssekretr, bei meiner letzten Frage haben Sie gezeigt, dass Sie ein hflicher Staatssekretr sind, der nmlich bestimmte Dinge nicht bewertet. Deshalb will ich Folgendes sagen: In den 150 Fragen der CDU/ CSU wird alles Mgliche gefragt, aber es wird darin nicht nach der Beteiligung der Lnder an der Steigerung der Aufwendungen fr die Forschung gefragt. Mein knappes Fazit: Da will eine Fraktion gar nicht die ganze Wahrheit wissen. Deshalb bitte ich Sie herzlich, diesen Teil der Wahrheit zu ergnzen: Wie haben sich, wenn der Bund die Mittel fr die Forschungsfrderung um 36 Prozent erhht hat, parallel die Mittel bei den Lndern fr diese echte Bund/Lnder-Gemeinschaftsaufgabe entwickelt?
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Wir haben leider die Beobachtung machen mssen, dass die Lnder die Aufwchse beim Bund dafr nutzen, ihre eigene Beteiligung nach unten zu korrigieren.
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Aha!)
In den Lnderhaushalten gibt es eine gegenteilige Entwicklung. Ich halte das fr gefhrlich. Wir brauchen, wie ich glaube, auf allen Ebenen, auf der Bundesebene, auf der europischen Ebene und auf der Lnderebene, einen deutlichen Aufwuchs bei der Forschung.
(Beifall des Abg. Jrg Tauss [SPD])
Wenn wir das nicht schaffen, dann sind wir nicht gut beraten. Den Versuch der Finanzminister, zu sagen: "Wenn sich der Bund an bestimmten Stellen strker engagiert, dann knnen wir unsere Haushalte herunterfahren" - das kann man verstehen -, halte ich fr ausgesprochen kurzsichtig.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Vielen Dank, Herr Staatssekretr, fr die Beantwortung der Fragen.
Gibt es Fragen zu anderen Themen der heutigen Kabinettsitzung? - Das ist nicht der Fall. Damit beende ich die Themenbereiche der heutigen Kabinettsitzung.
Gibt es darber hinaus Fragen an die Bundesregierung? - Auch das ist nicht der Fall.




Dann rufe ich den Tagesordnungspunkt 2 auf: 
	Fragestunde
- Drucksachen 15/4689, 15/4711 -
Zu Beginn der Fragestunde rufe ich gem Ziffer 10 Abs. 2 der Richtlinien fr die Fragestunde die dringlichen Fragen des Abgeordneten Bernhard Kaster auf. Zunchst die dringliche Frage 1:
Trifft es zu, dass der Prozessvertreter der Bundesregierung, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "FAZ", am 25. Januar 2005 berichtet, im Zivilprozess eines Journalisten gegen Regierungssprecher Bla Anda die Auffassung vertreten hat, dass der Regierungssprecher in der Frage der verschwundenen Fotodiskette gelogen habe und Lgen nicht strafbar sei?
Die Beantwortung der Fragen bernimmt der Parlamentarische Staatssekretr Alfred Hartenbach.
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Kaster, wnschen Sie, dass ich die dringlichen Fragen 1 und 2 im Zusammenhang beantworte, oder mchten Sie nach jeder Antwort Ihre Zusatzfragen stellen?
(Bernhard Kaster [CDU/CSU]: Nach jeder Frage bitte!)
- Gut. Dann beantworte ich die dringliche Frage 1 wie folgt: Die Bundesregierung sieht keinen Anlass, aufgrund von Presseberichten zu einem noch nicht rechtskrftig abgeschlossenen Gerichtsverfahren Stellung zu nehmen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben zwei Zusatzfragen. Ihre erste Zusatzfrage, bitte.
Bernhard Kaster (CDU/CSU): 
Die Frage ist auf Verffentlichungen ber uerungen gerichtet, die in der ffentlichkeit bekannt sind. Der Prozessvertreter der Bundesregierung soll in einem Verfahren geuert haben, dass der Regierungssprecher die Unwahrheit gesagt hat und dass Lgen nicht strafbar ist. Ich mchte nur die Frage beantwortet haben, ob das, was berichtet worden ist, besttigt wird; es war eine ffentliche Verhandlung.
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Das war die erste Zusatzfrage?
Bernhard Kaster (CDU/CSU): 
Das war die erste Zusatzfrage.

Die zweite Zusatzfrage steht im Zusammenhang mit dem gesamten Sachverhalt: Wie bewertet die Bundesregierung die zwischenzeitlich als Lge enttarnte Behauptung eines Staatssekretrs, nmlich von Herrn Anda, dass er - wie auch in der "Sddeutschen Zeitung" vom gestrigen Tag nachzulesen ist - seine Tasche einem lteren Herrn bergeben habe und im Hinblick auf das Verschwinden der Fotos vermute, dass der CIA dahinter stecken knne? Diese Dinge sind ja in der ffentlichkeit dargelegt und inzwischen auch belegt worden. 
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Sie gestatten, dass ich diese beiden Zusatzfragen zusammen beantworte: Verehrter Herr Kollege, diese Bundesregierung lehnt es grundstzlich ab, ber Zeitungsberichte Wertungen vorzunehmen oder dazu Stellungnahmen abzugeben. Dies ist zugleich auch die Antwort auf Ihre zweite Zusatzfrage. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Feibel.
(Jrg Tauss [SPD]: Fachmann fr alles, jetzt auch fr den CIA!)
Albrecht Feibel (CDU/CSU): 
Ich enthalte mich einer Wertung, Herr Kollege. - Befrchtet die Bundesregierung nicht, dass das Ausma dieser ganzen Angelegenheit einschlielich des Eingestndnisses der Lge dazu fhrt, dass die Spekulationen ber die bekannten Details bezglich des Inhalts der Fotos hinausgehen?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Da weder Sie noch ich, verehrter Herr Kollege Feibel, und vor allem auch nicht die Bundesregierung den Inhalt dieser Fotos kennen, kann ich dazu nichts sagen.
Im brigen teile ich Ihre Meinung hinsichtlich des Begriffes "Lge", den Sie da gebraucht haben, nicht.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Kampeter.
Steffen Kampeter (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben vorhin ausgefhrt, dass Sie sich nicht zu laufenden Prozessen uern wollen. Tatsache ist allerdings, dass der Prozessbevollmchtigte der Bundesregierung in einem Verfahren fr die Bundesregierung erklrt hat, dass der Staatssekretr Anda, der ja Regierungssprecher ist und dessen Aufgabe die Information der Bundesbrger ber die Arbeit der Bundesregierung ist, gelogen hat, und darber hinaus ausgefhrt hat, dass es zu keiner Dienstpflichtverletzung htte kommen knnen, weil es sich nicht um eine dienstliche Lge, sondern um eine private Lge gehandelt habe. Dieser Rechtsauffassung, dass dienstliche Lgen und private Lgen zu unterscheiden seien, ist das Gericht offenbar gefolgt. - Das scheint der unstreitige Sachverhalt zu sein, auf den ich mit meiner Frage abziele. 
Angesichts der uerungen des Prozessbevollmchtigten ber den Status von Lgen - dienstlich oder privat - frage ich Sie: Wie bewertet die Bundesregierung die Einlassung des Staatssekretrs zu diesem Sachverhalt, unter anderem vor den Ausschssen des Deutschen Bundestages, und wie ist in diesem Zusammenhang die von dem Prozessbevollmchtigten als Lge charakterisierte Sachverhaltsdarstellung gegenber dem Parlament zu bewerten?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Kampeter, wenn ich Sie richtig verstanden habe, unterstellen Sie einen unstreitigen Sachverhalt hinsichtlich von uerungen eines Prozessbevollmchtigten der Bundesrepublik Deutschland und damit der Bundesregierung, die dieser in einem Prozess gemacht haben soll, die Sie aber vermutlich wie alle anderen hier auch, die bei diesem Prozess nicht anwesend waren, nur aus Zeitungsberichten kennen. Ich kann also Ihre Zusatzfrage, die man in zwei Teilfragen - a und b - unterteilen kann, wie folgt beantworten: 
Zu a: Auch hier gilt, dass ich mich, genauso wie die Bundesregierung insgesamt, nicht zu irgendwelchen Zitaten oder mglichen Angaben, die sich in Zeitungsberichten wiederfinden, uern werde. 
Zu b: Wenn der Staatssekretr, also der Pressesprecher Bla Anda, bereits in Ausschssen zu dieser Frage Stellung genommen hat, dann muss ich heute dazu keine Antwort mehr geben. Sie verlangen ja von mir, eine Bewertung zu angeblichen uerungen des Prozessbevollmchtigten und zu protokollierten uerungen des Staatssekretrs - ich kenne sie im Einzelnen nicht; Sie kennen sie scheinbar und werden sie gleich in Ihrer nchsten Zusatzfrage zitieren - abzugeben. Dazu stelle ich nur fest, dass ich Ihrer Wertung nicht folgen kann. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Fischer.
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU/CSU): 
Die Bundesregierung steht derzeit vor einer groen Reihe von Problemen. Ein Problem - darber sprechen wir im Moment - ist die Glaubwrdigkeit ihres Regierungssprechers. Vor diesem Hintergrund interessiert mich, welche Manahmen die Bundesregierung ergreifen wird, um die Glaubwrdigkeit ihres Regierungssprechers in der ffentlichkeit wiederherzustellen, was fr die Darstellung nach auen wichtig wre.
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege, ich teile Ihre Einschtzung hinsichtlich der Glaubwrdigkeit des Regierungssprechers nicht. Die Bundesregierung sieht keinerlei Veranlassung, irgendetwas zu unternehmen.
(Lachen bei der CDU/CSU - Jrg van Essen [FDP]: Das Gefhl haben wir auch immer!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ich rufe die dringliche Frage 2 des Kollegen Bernhard Kaster auf:
Sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund, dass vom Landgericht laut dem "FAZ"-Bericht eine Verletzung der Persnlichkeitsrechte des Journalisten festgestellt worden ist, indem der Regierungssprecher unter Hinweis auf seine unwahre Behauptung, die Diskette nie erhalten zu haben, Medien zu einer Negativberichterstattung ber diesen Journalisten anstachelte, ein Anzeichen fr ein strafbares Verhalten von Bla Anda und welche Konsequenzen wird die Bundesregierung aus diesem Vorgang ziehen?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Das wird genauso spannend. - Verehrter Herr Kollege Kaster, ich darf zunchst auf die Antwort auf die dringliche Frage 1 verweisen. Ich gehe aber noch ein bisschen weiter. Das Landgericht hat bislang lediglich wie folgt tenoriert: Die Klage wird abgewiesen. Wie ich schon in meiner Antwort auf die Frage des Kollegen Fischer gesagt habe, sieht die Bundesregierung keinen Anlass, Konsequenzen zu ziehen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfrage, bitte.
Bernhard Kaster (CDU/CSU): 
Betrachten Sie es als seine private Angelegenheit oder hat es etwas mit seiner Funktion zu tun, wenn der Regierungssprecher beispielsweise die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" bittet, seine Darstellung des Vorgangs bezglich der Fotodiskette, ber den wir hier sprechen, zu verbreiten?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Die Klage - Beklagte war die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesregierung und diese wiederum vertreten durch das Bundeskanzleramt - wurde mit der Amtshaftung begrndet. Aus der Tatsache, dass das Landgericht diese Klage abgewiesen hat, knnen Sie den Schluss ziehen, dass das Gericht keine Amtshaftung festgestellt hat.
Bernhard Kaster (CDU/CSU): 
Kann ich Ihre Antwort so verstehen, dass Sie das Vorgehen Herrn Andas, das ich eben beschrieben habe, seinem Privatbereich zuordnen?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Das knnen Sie so nicht verstehen; denn darauf kann ich keine Antwort geben. Ich habe nur gesagt, welche Folgerungen man aus dem Urteil des Landgerichts Berlin ziehen kann.
(Jrg Tauss [SPD]: Trinken Sie mit dem Anda doch mal ein Bier!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Feibel.
Albrecht Feibel (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, angesichts dessen, was nun in der ffentlichkeit ber diese gesamte Angelegenheit bekannt geworden ist, muss es der Bundesregierung doch ein besonderes Anliegen sein, den Sachverhalt aufzuklren. Denn wie wrde ein Regierungssprecher im Ausland wahrgenommen werden, wenn die Beschuldigung, er habe gelogen, nicht widerlegt werden knnte. Haben Sie die Hoffnung oder auch die Befrchtung, dass die Fotodiskette doch noch auftaucht, sodass die ffentlichkeit die Wahrheit erfahren kann?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Frau Prsidentin, das waren jetzt zwei Zusatzfragen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Kollege Feibel hatte eine Zusatzfrage.
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Ich meine, es seien zwei Zusatzfragen gewesen.
(Steffen Kampeter [CDU/CSU]: Was ist das fr eine Geschftsordnungsauffassung? - Weitere Zurufe von der CDU/CSU)
- Gut, dann unterteile ich Ihre Frage, Herr Kollege Feibel, in a und b, wie ich es vorhin schon einmal gemacht habe.
Zu a: Die Bundesregierung kann nicht nachvollziehen, was Sie sagen. Denn die Bezichtigungen in diesem Fall sind bisher nicht gerichtsfest besttigt. Es gibt auerdem eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft Berlin, ein Verfahren gegen Herrn Anda einzustellen.
Zu b: Sie operieren hier mit Unterstellungen und Vermutungen. Die Bundesregierung hat aber nicht die Absicht, sich zu Unterstellungen oder Vermutungen zu uern.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Kampeter.
Steffen Kampeter (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben vorhin in Ihrer Antwort auf die zweite dringliche Frage des Kollegen Kaster auf den Tenor des laufenden Gerichtsverfahrens hingewiesen. Da Sie sich vor dem deutschen Parlament zu dem Tenor des Gerichtsverfahrens uern, gehe ich davon aus, dass Ihnen die entsprechenden Prozessvorbereitungen bzw. der in der Presse verffentlichte Tenor bekannt sind. Ich weise zurck, dass die Berichte der Presse ber die in einer ffentlichen Verhandlung gettigten uerungen falsch sind. Diese werden von niemandem bestritten.
Von daher meine Frage: Ist die Position in dieser ffentlichen Verhandlung, dass es beim Handeln des Regierungssprechers eine Unterscheidung zwischen einer privaten, nicht strafbaren Lge und einer dienstlichen, gegebenenfalls zu Dienstverletzungen fhrenden Lge geben msse, mit dem Justizministerium abgeklrt und ist dies die Rechtsauffassung der gesamten Bundesregierung?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Abgeordneter Kampeter, ich kann auf Ihre vielschichtige Frage nur wieder antworten: Natrlich stellen wir gewisse uerungen so hin, wie sie gemacht worden sind, nmlich als Pressemeldung. Wir werden uns hten, irgendwelche Wertungen vorzunehmen, wie Sie sie hier pausenlos gegenber dem Staatssekretr im Kanzleramt vornehmen. 
Es gibt fr uns keinen Anlass, hier in irgendeiner Form rechtsberatend ttig zu werden. Als Bundesministerium der Justiz haben wir auch nicht die Aufgabe, quasi als Generalstaatsanwalt Ermittlungsverfahren einzuleiten oder durchzufhren. Deswegen kann ich Ihnen dazu nur sagen: Solange eine solche Frage keine offizielle Frage ist, die wie bei Ihnen nicht nur auf Mutmaungen beruht, hat das Bundesministerium der Justiz keine Veranlassung, hierzu rechtstheoretische Untersuchungen anzustellen. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Fischer.
Axel E. Fischer (Karlsruhe-Land) (CDU/CSU): 
Ich werde meine Frage ganz einfach stellen, damit Sie Ihre Antwort nicht in a und b unterteilen mssen: Welches Bild gibt ein der Lge berfhrter Regierungssprecher - das hat er selber immerhin eingerumt - an der Seite des deutschen Bundeskanzlers in der ffentlichkeit ab?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Mir ist nicht bekannt, dass so etwas eingerumt worden ist. Da mutmaen Sie wieder. Wer so wie Sie von der Union mit dem Lgenausschuss klglich gescheitert ist, sollte mit dem Wort "Lge" etwas vorsichtiger umgehen. 
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Axel E. Fischer [Karlsruhe-Land] [CDU/CSU]: Die Frage war noch nicht beantwortet!)
- Natrlich, das war meine Antwort. Besser ging es nicht. 
(Lachen bei der CDU/CSU)
- Das war hohes Niveau.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Gewalt.
Roland Gewalt (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben von der Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft Berlin gesprochen. Knnen auch Sie besttigen - mir ist das bekannt -, dass die Staatsanwaltschaft Berlin das Verfahren nur deshalb eingestellt hat, weil die Beweismittel auf dem Weg von der Staatsanwaltschaft Bonn zu der dann federfhrenden Staatsanwaltschaft Berlin auf merkwrdige Weise verloren gegangen sind?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Gewalt, ich habe die Einstellungsverfgung der Staatsanwaltschaft gelesen, die genauso ist, wie sie nach  170 Abs. 2 StPO sein soll. Alles andere sind wieder Mutmaungen Ihrerseits. 
(Roland Gewalt [CDU/CSU]: Das hat der Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses Berlin so festgestellt!)
- Dann mssen Sie den Rechtsausschuss des Abgeordnetenhauses Berlin fragen. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Fromme.
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, wenn Sie schon dieses Verhalten hinnehmen und Herrn Bla Anda im Amt belassen, wie beurteilen Sie dann den Vorgang, dass er seine Stellung dazu benutzt hat, die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" aufzustacheln, gegen den entsprechenden Journalisten ttig zu werden? Ist das auch eine Privatsache bzw. etwas, was auf das dienstliche Verhltnis nicht zurckstrahlt?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Fromme, ich wei zunchst einmal nicht, was Sie unter "dieses Verhalten hinnehmen" verstehen. Ich sehe da kein Verhalten. 
(Lachen bei der CDU/CSU)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Nachdem die dringlichen Fragen aufgerufen und beantwortet worden sind, rufe ich jetzt die Fragen auf Drucksache 15/4689 in der blichen Reihenfolge auf.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf. Die Beantwortung der Frage bernimmt Herr Staatssekretr Erich Stather. 

Ich rufe die Frage 1 des Abgeordneten Peter Wei auf:
Wie bewertet die Bundesregierung die geplante Vereinbarung zwischen Geberlndern der International Development Association, IDA, der Weltbankgruppe, nach der die IDA den Anteil der direkten Zuschsse an ihrer Entwicklungshilfe innerhalb von drei Jahren von derzeit 19 auf rund 30 Prozent erhhen soll - vergleiche "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 17. Januar 2005 -, und welche Folgen hat dies fr den knftigen Beitrag der Bundesrepublik Deutschland zur IDA?
Erich Stather, Staatssekretr im Bundesministerium fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: 
Frau Prsidentin! Herr Abgeordneter, bei den noch andauernden Wiederauffllungsverhandlungen zu IDA 14 haben sich die Geber darauf verstndigt, dass die lnderspezifische Schuldentragfhigkeit in Zukunft die alleinige Entscheidungsgrundlage dafr sein muss, ob ein IDA-Empfngerland Zuschsse, Kredite oder eine Mischung aus beidem erhlt. Das vereinbarte Bewertungsmodell, das von der Weltbank auf der Grundlage von Schuldentragfhigkeitsanalysen entwickelt wurde, wird von der Bundesregierung und allen anderen Gebern begrt. Zu diesem Modell gehrt auch ein Zuschussanteil von circa 30 Prozent des IDA-Gesamtvolumens. Durch die Erhhung des Zuschussrahmens bei IDA 14 vermindert sich der Gesamtbetrag der Zins- und Tilgungszahlungen, der nach Ablauf der zehn Freijahre, das heit ab dem Jahr 2015, von den IDA-Empfngerlndern an die Weltbank geleistet werden muss. Finanzielle Mittel zur Kompensation dieser Einnahmenverluste sind jetzt noch nicht quantifizierbar. Dies wird Bestandteil zuknftiger Wiederauffllungsverhandlungen zur IDA sein. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfrage, bitte.
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, auch wenn Sie keine konkreten Zahlen nennen knnen, bedeutet dies doch, dass der deutsche Beitrag zur Wiederauffllung der IDA sptestens ab dem Jahr 2015 deutlich erhht werden muss, weil die Weltbank Rckflsse aus den Zinsleistungen der Empfngerlnder nicht mehr in der bisherigen Hhe erhlt. Knnen Sie in etwa beziffern, um welchen Prozentsatz die Bundesrepublik Deutschland ihren Beitrag zur Weltbank bzw. zur IDA-Wiederauffllung erhhen muss? 
Erich Stather, Staatssekretr im Bundesministerium fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: 
Herr Abgeordneter, das lsst sich nicht genau beziffern. Wenn wir aber davon ausgehen, dass der bisherige Zuschussanteil in Hhe von etwa 19,1 Prozent auf in Zukunft 30 Prozent erhht wird, knnen Sie den Betrag errechnen, der zustzlich finanziert werden muss. Man muss also davon ausgehen, dass das Gesamtvolumen fr IDA zuknftig um etwa 11 bis 12 Prozent steigen muss, wenn das Gesamtniveau beibehalten wird. Sie wissen, dass es Verhandlungen unter den Gebern gibt und die jeweiligen Anteile unterschiedlich sind. Es gibt keine Verpflichtung, einen bestimmten Anteil zu erbringen. Wir sind im Augenblick bei der Wiederauffllungsrunde zu IDA 14. Dabei ist noch eine Finanzierungslcke zu fllen; dies wird sich aber im Laufe der Monate Mrz und April ergeben. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage, Herr Kollege.
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, Sie haben heute Vormittag im Bundestagsausschuss fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auch darber berichtet, dass seitens der Bundesregierung die Idee einer internationalen Finanzierungsfazilitt untersttzt wird, womit wir durch neue Anleihen, die wir ausgeben werden, zuknftig Verpflichtungen eingehen, die eines Tages durch den Bundeshaushalt fr die Entwicklungszusammenarbeit abgedeckt werden mssen. Hlt es die Bundesregierung tatschlich fr darstellbar, dass wir ab dem Jahr 2015 fr zwei neue Finanzierungsinstrumente der Entwicklungszusammenarbeit eine so deutliche Steigerung unserer Ausgaben fr internationale Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit vorsehen?
Erich Stather, Staatssekretr im Bundesministerium fr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: 
Ich glaube, es ist verfrht, jetzt ber Finanzierungsfragen des Jahres 2015 zu reden, weil das eine Frage des Gesamthaushalts und auch der Entwicklungspolitik ist, wobei wir davon ausgehen, dass insgesamt Steigerungen stattfinden werden. Ich glaube, dass wir, wenn ich Ihre uerungen richtig verstanden habe, da Ihre Untersttzung haben. 
Man sollte die internationale Finanzierungsfazilitt, die im Gesprch ist und die im Rahmen des G-7- bzw. des G-8-Prozesses im Laufe dieses Jahres diskutiert werden wird, nicht mit dieser Frage vermengen. Das ist ein anderes Instrument. Auch die Realisierung dieses Instruments befindet sich noch in der Diskussion.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Wir sind damit am Ende dieses Geschftsbereichs. Vielen Dank, Herr Staatssekretr, fr die Beantwortung der Fragen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Auswrtigen Amts auf. Die Fragen wird Frau Staatsministerin Kerstin Mller beantworten. 
Ich rufe die Frage 2 des Kollegen Peter Wei auf:
Wie bewertet die Bundesregierung die Ankndigung der Regierung Kubas, die Beziehungen Kubas zur Europischen Union, EU, normalisieren zu wollen, hinsichtlich der Frage einer mglichen Aussetzung der bestehenden Sanktionen der EU gegen Kuba und wie wird sich die Bundesregierung bei der Sitzung des Rates der EU-Auenminister am 31. Januar 2005 zur knftigen Kubapolitik positionieren?
Kerstin Mller, Staatsministerin im Auswrtigen Amt: 
Die Bundesregierung geht nicht davon aus, dass sich das kubanische Regime unter Fidel Castro grundstzlich reformieren und politisch ffnen wird. Dennoch ist die erfolgte Wiederaufnahme regulrer diplomatischer Kontakte in Havanna ebenso wie die Freilassung erkrankter Dissidenten ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Beziehungen zu Kuba. 
Die Bundesregierung ist sich mit allen EU-Mitgliedstaaten darin einig, dass die knftige Kubapolitik der EU die Lage der gesamten kubanischen Bevlkerung bercksichtigen und deshalb auch den Dialog mit den Dissidenten intensivieren und regelmiger gestalten muss. Es ist derzeit allerdings noch offen, ob das in der Frage genannte Thema auf die Tagesordnung des Rates fr Allgemeine Angelegenheiten und Auenbeziehungen am 31. Januar gesetzt werden wird. Derzeit finden dazu noch Konsultationen statt. Sofern es zur Behandlung dieses Themas kommt, wrde die Bundesregierung einen EU-Konsens mittragen. Im Rahmen der Wiederaufnahme des politischen Dialogs wird die Bundesregierung auch prfen, ob eine schrittweise Wiederaufnahme der Kooperation, zum Beispiel im Bereich der kulturellen Zusammenarbeit, mglich ist.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfrage, bitte. 
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU): 
Frau Staatsministerin, auch wenn angeblich noch offen ist, ob dieses Thema am 31. Januar auf dem Rat tatschlich behandelt und dazu ein Beschluss gefasst wird: Ist fr die Bundesregierung berhaupt vorstellbar, dass die derzeitigen EU-Sanktionen gegenber Kuba aufgehoben werden, ohne dass die rund 75 politischen Hftlinge, die es zurzeit in Kuba gibt, freigelassen werden?
Kerstin Mller, Staatsministerin im Auswrtigen Amt: 
Ich kann dazu heute noch keine abschlieende Aussage machen. Sie wissen, dass alle EU-Mitgliedstaaten den bisherigen Spaltungsversuchen seitens der kubanischen Regierung widerstanden haben. Die gemeinsame Politik der Europischen Union hat schon zu einigen kleineren Erfolgen gefhrt, zum Beispiel zu der Freilassung von 14 der 75 politischen Gefangenen - Sie erwhnten sie -, die im April 2003 verurteilt wurden. Darber hinaus haben wir natrlich ein Interesse an einer schrittweisen Normalisierung der Beziehungen. Allerdings ist fr uns vllig klar, dass wir den Dialog gerade mit den Dissidenten intensivieren wollen. Zu diesen Fragen laufen derzeit die Konsultationen, in denen es darum geht, wie das weitere Vorgehen der EU-Mitgliedstaaten sein wird. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage? - Ja.
Peter Wei (Emmendingen) (CDU/CSU): 
Frau Staatsministerin, fr die kubanische Regierung und fr das Regime von Fidel Castro war der Anlass dafr, den Kontakt zu den Botschaften der EU-Lnder weitestgehend einzufrieren, dass der deutsche Botschafter und auch die anderen EU-Botschafter zu den Empfngen anlsslich der jeweiligen Nationalfeiertage - bei uns ist das der 3. Oktober - Dissidenten als Gste eingeladen haben. Wird das Auswrtige Amt den deutschen Botschafter in Kuba anweisen, auch knftig Dissidenten zum Empfang anlsslich des deutschen Nationalfeiertages einzuladen, oder stehen diese Einladungen zur Disposition, damit dem Wunsch nach einer Normalisierung der Beziehungen zu Kuba nachgekommen werden kann?
Kerstin Mller, Staatsministerin im Auswrtigen Amt: 
Die Einladung von Dissidenten zu den Empfngen anlsslich der Nationalfeiertage ist ein Teil der so genannten Juni-Manahmen der Europischen Union. Sie werden auch weiterhin aufrechterhalten, bis die EU etwas anderes beschliet; das ist vllig klar. Es finden zurzeit Beratungen ber die Frage statt, wie die nchsten Schritte unserer Kubapolitik ausgestaltet werden sollen. Sie wissen vielleicht, dass der Auswrtige Ausschuss heute den Beschluss gefasst hat, auch knftig Dissidenten zu den Empfngen anlsslich der Nationalfeiertage der EU-Mitgliedslnder einzuladen. Selbstverstndlich wird sich die Bundesregierung in den Konsultationen mit den EU-Partnern fr diese Empfehlung des Bundestages einsetzen.
Wir setzen in dieser Frage auf einen Konsens in der EU und wollen uns von der kubanischen Regierung nicht spalten lassen. Dennoch bleibt abzuwarten, wie der EU-Konsens zu diesem Thema aussehen wird. Es ist, wie gesagt, auch noch gar nicht klar, ob dieser Komplex am 31. Januar berhaupt auf der Tagesordnung stehen wird. Bis dahin bleibt es - das ist vllig klar - bei den Juni-Manahmen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Die Frage 3 des Kollegen Dr. Egon Jttner wird schriftlich beantwortet. Deshalb sind wir am Ende dieses Geschftsbereichs. Vielen Dank, Frau Staatsministerin, fr die Beantwortung der Fragen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums fr Verbraucherschutz, Ernhrung und Landwirtschaft auf. Die Fragen 4 und 5 des Kollegen Hans-Michael Goldmann wurden zurckgezogen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung auf.
Die Frage 6 des Kollegen Dr. Egon Jttner wird schriftlich beantwortet.
Deshalb rufe ich jetzt den Geschftsbereich des Bundesministeriums fr Familien, Senioren, Frauen und Jugend auf. Die Fragen wird die Parlamentarische Staatssekretrin Marieluise Beck beantworten. 
Ich rufe die Frage 7 des Kollegen Andreas Scheuer auf:
Fr welchen Verwendungszweck und welchen Verteilerkreis wurde die Dokumentation "Familie im Spiegel der amtlichen Statistik" in englischer Sprache unter dem Titel "Families in Germany - Facts and Figures" durch das Bundesministerium fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend verffentlicht?
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin bei der Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Beauftragte der Bundesregierung fr Migration, Flchtlinge und Integration: 
Sehr geehrter Herr Kollege Dr. Scheuer, die Verffentlichung dient der internationalen ffentlichkeitsarbeit des Ressorts. Dazu prsentiert das BMFSFJ auf einer Minidisc im Flyer "Families in Germany - Facts and Figures" eine Kurzfassung im Umfang von etwa 50 Seiten der deutschen Langfassung mit dem Titel "Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik". Diese Kurzfassung wurde inhaltlich auf die internationale Verwendung zugeschnitten, durch internationale Vergleichsdaten ergnzt und mit Links zu weiterfhrenden Informationsquellen versehen. 
Der Flyer dient dem zunehmend notwendigen internationalen Erfahrungsaustausch ber die soziale Situation von Familien und ber demographische Fragen. Er deckt den Bedarf an Informationen auf internationalen Kongressen und Tagungen sowie bei Kontakten mit auslndischen Delegationen und Besuchergruppen sowie bei Besuchen im Ausland. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.
Andreas Scheuer (CDU/CSU): 
Vielen Dank, Frau Staatssekretrin. 
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin bei der Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Beauftragte der Bundesregierung fr Migration, Flchtlinge und Integration: 
Entschuldigen Sie, aber ich musste auf der Regierungsbank gerade klarstellen, dass die Anrede "Herr Dr. Scheuer" korrekt ist und gratuliere Ihnen hiermit zur Promotion! 
Andreas Scheuer (CDU/CSU): 
Danke schn, Frau Staatssekretrin. Ich werde meine Zusatzfragen trotzdem stellen. 
(Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin: Mit denen werden wir schon noch fertig, Herr Dr. Scheuer!)
Frau Staatssekretrin, danke fr die Auskunft. Gibt es denn auch bei den europischen Nachbarn und Freunden Werbemittel in hnlicher Form: aufwendig aufgemacht, in englischer Sprache und als Minidisc? 
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin bei der Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Beauftragte der Bundesregierung fr Migration, Flchtlinge und Integration: 
Das kann ich Ihnen so nicht sagen. Wir haben keinen Abgleich vorgenommen. Ich glaube, es ginge auch zu weit, hier eine internationale Vereinheitlichung vorzunehmen. Wir machen die Erfahrung, dass es sinnvoll und notwendig ist, uns auf internationalen Tagungen informativ zu verhalten. Sie werden mir sicher darin zustimmen, dass die Verwendung der englischen Sprache diesem Anliegen sehr dienlich ist. 
(Jrg Tauss [SPD]: Und technologisch sind wir mit der Minidisc auch vorn!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre weitere Zusatzfrage.
Andreas Scheuer (CDU/CSU): 
Ich stimme Ihnen gerne zu, Frau Staatssekretrin, dass es wichtig ist, die Familienpolitik nach auen darzustellen.
(Jrg Tauss [SPD]: Haben Sie etwas gegen Minidisc?)
Insofern mache ich Ihnen auch keinen Vorwurf. Ich wsste jedoch gern, in welcher Auflage dieses aufwendige Informationsmaterial hergestellt wird und wie lange dieses Material und der Bericht "Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik" aktuell bleibt bzw. wann eine Neuauflage geplant ist. 
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin bei der Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Beauftragte der Bundesregierung fr Migration, Flchtlinge und Integration: 
Das waren eine ganze Menge Fragen. Die Auflage betrgt 5 000 Stck. Innerhalb von vier Wochen war bereits die Hlfte davon angefragt und verteilt. Ich gehe davon aus, dass auch Sie als Abgeordneter des Deutschen Bundestages ein Interesse daran haben, dass die Familienpolitik der Bundesregierung auf moderne und transparente Art und Weise dargestellt wird. Wir wollen uns nicht abschotten, sondern im Gegenteil mit den anderen Lndern kommunizieren, von ihnen lernen und auch selber etwas an diese weitergeben.
Zur Umfnglichkeit wrde ich gerne auf die folgende Frage verweisen, kann die Antwort aber gerne schon vorwegnehmen: Die Frage der Umfnglichkeit ist immer sehr relativ, Herr Kollege Scheuer. Die Idee, sich ffentlich zu prsentieren, stammt brigens nicht aus dieser Legislaturperiode, sondern wurde von uns lediglich wieder aufgegriffen. Die Idee als solche stammt von der verehrten Frau Ministerin Claudia Nolte, die im Jahre 1997 eine hnliche Broschre hat erstellen lassen, allerdings mit einer sehr viel kostentrchtigeren bersetzung in mehrere Sprachen. Insofern hat unser Ministerium eine in der Form modernere und gleichzeitig kostengnstigere Art der Verffentlichung gewhlt.
(Jrg Tauss [SPD]: Sehr gut!)

Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Frau Staatssekretrin, jetzt rufe ich die Frage 8 des Kollegen Dr. Andreas Scheuer auf:
Welchen Anlass gab es fr die Verffentlichung und welche finanziellen Mittel sind hierfr eingestellt?
Andreas Scheuer (CDU/CSU): 
Danke.
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin bei der Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Beauftragte der Bundesregierung fr Migration, Flchtlinge und Integration: 
Ich lese meine Antwort, auch wenn der Kollege eigentlich nicht so schwer von Begriff ist, gerne noch einmal vor: Der Anlass bestand in der notwendigen Aktualisierung der Datenbroschre, die erstmalig im Jahr 1997 unter Ministerin Claudia Nolte erstellt und damals ins Englisch, ins Franzsische und sogar ins Spanische bersetzt und als Broschre publiziert wurde. 
Bei ihrer Neuauflage im Jahr 2003 wurde aus Kostengrnden auf die sehr kostenintensiven und umfangreichen fremdsprachigen Ausgaben verzichtet, die durch eine einzige, nmlich die vorliegende englischsprachige Kurzfassung, ersetzt wurden. Damit wird nicht nur eine deutliche Kostenreduzierung erreicht, sondern auch ein Produkt erstellt, das medientechnisch auf dem neuesten Stand ist, leichter und vielseitiger verwendbar ist und von den Multiplikatoren sehr positiv aufgenommen wurde. Insgesamt sind fr die Erstellung von 5 000 Flyern mit Minidisc fr Layout, bersetzung und Druck einmalig 8 844,65 Euro gezahlt worden.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, Herr Kollege, bitte.
Andreas Scheuer (CDU/CSU): 
Frau Staatssekretrin, ich bedanke mich sehr herzlich fr Ihre genaue Angabe. Wenn ein Abgeordneter eine Frage stellt, muss das nicht heien, dass er dadurch das Handeln der Bundesregierung kritisieren will; als Abgeordneter will man sich auf dem eigenen Fachgebiet einfach kundig machen.
(Jrg Tauss [SPD]: Dann loben Sie uns doch auch einmal!)
- Ja, Herr Tauss, ich habe Sie gerade gelobt. Jetzt machen Sie sich einmal locker.
(Heiterkeit - Jrg Tauss [SPD]: Ich bin vllig entspannt und locker!)
Frau Staatssekretrin, da Sie die Kosten sehr genau tituliert haben, habe ich nur noch eine Zusatzfrage: Welche Agentur hat diesen Auftrag erhalten?
Marieluise Beck, Parl. Staatssekretrin bei der Bundesministerin fr Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Beauftragte der Bundesregierung fr Migration, Flchtlinge und Integration: 
Da bin ich berfragt, Herr Kollege Scheuer. Die Antwort auf diese Frage bekommen Sie aber gern schriftlich nachgereicht; denn wir sind bemht, unser Handeln transparent zu machen, und wir freuen uns, wenn unsere Arbeit in dieser Weise von den Abgeordneten auch der Opposition gewrdigt wird.
Andreas Scheuer (CDU/CSU): 
Danke schn.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Damit sind wir am Ende dieses Geschftsbereichs. Vielen Dank, Frau Staatssekretrin, fr die Beantwortung der Fragen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums des Innern auf. Die Fragen beantwortet der Parlamentarische Staatssekretr Fritz Krper.
Ich rufe Frage 9 des Kollegen Roland Gewalt auf:
Welche Informationen hat die Bundesregierung seit Januar 2001 von den Innenministern und -senatoren der Lnder ber Vaterschaftsanerkennungen erhalten, bei denen - erstens - das Kind nicht die deutsche Staatsangehrigkeit hatte und die Mutter zur Ausreise verpflichtet war und es - zweitens - Hinweise gibt, dass die Anerkennung nur zum Schein erfolgte, also nicht aufgrund tatschlicher leiblicher Abstammung oder zumindest sozial-familirer Beziehung, sondern aus sachfremden Grnden, insbesondere zur Erlangung von Rechtsansprchen auf Sozialleistungen oder Aufenthaltstitel?
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr beim Bundesminister des Innern: 
Herr Gewalt, ich beantworte Ihre Frage wie folgt: Die Bundesregierung hatte von den Lndern zunchst Verdachtshinweise erhalten, dass deutsche Mnner - zumeist solche, die Sozialhilfe beziehen - gegen Bezahlung die Vaterschaft von Kindern ausreisepflichtiger Auslnderinnen bewusst wahrheitswidrig anerkennen wrden, um den Mttern der somit deutschen Kinder zu einer Aufenthaltserlaubnis zu verhelfen. Die Innenministerkonferenz hatte dieses Problem am 6. Dezember 2002 errtert und beschlossen, durch eine bundesweit bei den Auslnderbehrden durchzufhrende Datenerhebung zu empirischen Erkenntnissen ber die Zahl der Verdachtsflle zweckwidriger Vaterschaftsanerkennungen zu gelangen. 
Aus dem vom Arbeitskreis I der Innenministerkonferenz dazu erstellten Bericht, der auf einer bei den Auslnderbehrden durchgefhrten Datenerhebung in der Zeit - das ist wichtig - vom 1. April 2003 bis zum 31. Mrz 2004 beruhte, ging Folgendes hervor: In 2 338 Fllen wurde eine Aufenthaltsgenehmigung an eine unverheiratete auslndische Mutter eines deutschen Kindes erteilt. Davon waren 1 694 Mtter zum Zeitpunkt der Vaterschaftsanerkennung ausreisepflichtig. In 1 449 Fllen beruhte die deutsche Staatsangehrigkeit eines Kindes und daraus folgend die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis an eine ausreisepflichtige Auslnderin auf einer Vaterschaftsanerkennung durch einen Deutschen. 
Die erhobenen Zahlen belegen nach Auffassung des Arbeitskreises I der Innenministerkonferenz nicht, in wie vielen Fllen es sich tatschlich um zweckwidrige Vaterschaftsanerkennungen, bei denen also keine leibliche oder soziale Beziehung zum Kind gegeben ist, handelte. Diese Frage wurde im Rahmen der Untersuchung nicht behandelt; das war den Auslnderbehrden auch nicht mglich. Die im Bericht genannten Zahlen wurden von der Innenministerkonferenz allerdings als starkes Indiz dafr angesehen, dass es in nicht unerheblicher Anzahl zu Vaterschaftsanerkennungen kommt, die primr der Vermittlung eines Bleiberechts dienen. Aufgrund dieses Berichtes hat die IMK, die Innenministerkonferenz, in ihrem Beschluss vom 19. November 2004 die Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass bei Vaterschaftsanerkennungen ein befristetes Anfechtungsrecht fr einen Trger ffentlicher Belange im Brgerlichen Gesetzbuch geschaffen werden sollte. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.
Roland Gewalt (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, knnen Sie besttigen, dass dem Bundesministerium des Innern mittlerweile vier detaillierte Berichte der Senatsverwaltung fr Inneres ber konkrete Flle des Missbrauchs des Kindschaftsrechts in dieser Form vorliegen? 
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr beim Bundesminister des Innern: 
Herr Kollege Gewalt, ich habe in meiner recht ausfhrlichen Antwort versucht, den Sachverhalt aus Sicht der Innenministerkonferenz darzulegen. Ich denke, es ist wichtig, die Sachverhalte in dieser Ausfhrlichkeit zu diskutieren. Wir nehmen dieses Thema weiter auf. Auch dies geht aus meiner Antwort hervor. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage.
Roland Gewalt (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, wie erklren Sie sich dann die Stellungnahme des Bundesjustizministeriums gegenber dem ARD-Magazin "Fakt", dass dem Justizministerium keine gesicherten Erkenntnisse ber Missbruche vorliegen? Kommunizieren Sie nicht miteinander? 
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr beim Bundesminister des Innern: 
Wir haben beste Kontakte zum Bundesjustizministerium. Ihre nchste Frage wird von meinem Kollegen Alfred Hartenbach als Vertreter des Justizministeriums beantwortet. Er kann Ihnen Entsprechendes dazu sagen. 
Ich glaube, dass wir mit der Frage, wie sich angeblicher Missbrauch darstellt, sehr sorgfltig umgehen mssen. Was die Frage der Aufklrung anbelangt, haben wir auch ein Stck weit Frsorgepflicht. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Herr Schrder, Ihre Zusatzfrage bitte.
Dr. Ole Schrder (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darber, dass Schleuserbanden die Scheinvter fr die auslndischen Mtter organisieren? 
Fritz Rudolf Krper, Parl. Staatssekretr beim Bundesminister des Innern: 
Herr Kollege Dr. Schrder, wir sind dabei, den Sachverhalt aufzuklren. Ich habe deutlich gemacht, dass es das Bemhen der Innenministerkonferenz war, Licht in die Fallgestaltungen zu bringen. Hierbei wird es eine Rolle spielen, inwieweit es gegebenenfalls solche Beziehungen bzw. Hintergrnde gibt. Diese Frage kann ich jetzt aber nicht definitiv mit Ja beantworten. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Die Fragen 10 und 11 des Kollegen Johannes Singhammer werden schriftlich beantwortet, ebenso die Fragen 12 und 13 des Kollegen Hartmut Koschyk. Auch die Fragen 14 und 15 des Kollegen Ralf Gbel werden schriftlich beantwortet. 
Damit sind wir am Ende dieses Geschftsbereichs. Vielen Dank, Herr Staatssekretr, fr die Beantwortung der Fragen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums der Justiz auf. Die Fragen beantwortet Herr Parlamentarischer Staatssekretr Alfred Hartenbach. 
Ich rufe die Frage 16 des Kollegen Roland Gewalt auf: 
Warum hat die Bundesregierung bislang keine Gesetzesvorlage in den Deutschen Bundestag eingebracht, die den Behrden bei dem Verdacht auf eine Scheinvaterschaft ein Anfechtungsrecht gibt oder die Anerkennung der Vaterschaft zum Schein unter Strafe stellt?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Gewalt, die Bundesregierung nimmt das Anliegen ernst, missbruchlichen Vaterschaftsanerkennungen entgegenzuwirken. Angesichts der Komplexitt der Thematik mit ihren auslnder- und familienrechtlichen Bezgen hlt sie es jedoch fr geboten, den gesetzgeberischen Handlungsbedarf und die mglichen Handlungsalternativen sehr sorgfltig zu prfen. 
Bevor dazu ein Gesetzentwurf vorgelegt werden kann, ist der gesamte Themenbereich grndlich aufzuarbeiten. Angesichts des in den letzten Wochen wahrnehmbaren groen Interesses der ffentlichkeit an familienpolitischen Themen bedarf es auch hier eines hohen Maes an Sensibilitt. 
An erster Stelle sollte die Ermittlung des tatschlichen Umfangs von Missbrauchsfllen stehen. Ein nchster Schritt knnte eine weitere Rckkopplung mit den Lndern hinsichtlich ihrer Erfahrungswerte, zum Beispiel im Bereich der Jugendmter, sein. 
Der Abschlussbericht des Arbeitskreises der Innenministerkonferenz, der der Justiz- und der Jugendministerkonferenz zugeleitet wurde, und der Beschluss der Innenministerkonferenz vom 18. und 19. November 2004 enthalten eine Anregung zur Lsung des Problems. Man muss sich jedoch in rechtlicher Hinsicht bewusst sein, dass der Gesetzgeber mit einem behrdlichen Anfechtungsrecht Neuland betreten wrde, da das geltende Recht nur Anfechtungsrechte fr Vater, Mutter und Kind vorsieht. Dies entspricht den Wertungen der Kindschaftsrechtsreform von 1998, die brigens unter der Federfhrung der schon einmal erwhnten damaligen Familienministerin Claudia Nolte und unter dem Patronat des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl ein sehr gutes Ergebnis gebracht hat, weil die Rechtsstellung und die Verantwortung der Mutter eines nicht ehelich geborenen Kindes durch die Abschaffung der Amtspflegschaft ganz bewusst gestrkt wurden. Seitdem setzt eine wirksame Vaterschaftsanerkennung nur noch die Anerkennungserklrung des Vaters und die Zustimmung der Mutter voraus. 
Weil wir das Problem ernst nehmen, wird - das habe ich bereits eingangs gesagt - das Bundesministerium der Justiz mit den Justizministerien der Lnder errtern, ob und inwieweit hier Einschrnkungen mglich und sinnvoll sind.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.
Roland Gewalt (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, knnen Sie besttigen, dass die Berliner Senatsverwaltung fr Inneres bereits vor dreieinhalb Jahren detaillierte Berichte an die Bundesregierung geliefert hat, und wie erklren Sie sich, dass Ihre genaue Prfung der Missbrauchsflle, die ja richtig ist, mittlerweile drei Jahre dauert und offensichtlich noch weitere drei Jahre dauern wird?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Gewalt, anscheinend haben wir erhebliche Auffassungsunterschiede in Bezug auf detaillierte Berichte und belastbare Materialien. Die Senatsverwaltung in Berlin hat hierzu in der Tat Verdachtsflle gemeldet. Verdachtsflle sind durchaus berprfbar. Dies ist aber nicht die Aufgabe des Bundesjustizministeriums gewesen. 
Das Bundesjustizministerium ist der Ansicht - damit nehme ich Ihre nchste Frage vielleicht vorweg -, dass fr eine Gesetzesnderung immer ein entsprechendes Bedrfnis vorliegen muss, das durch belastbares Material belegt sein muss, zum Beispiel durch rechtstatschliche Untersuchungen oder durch eingehende Evaluationen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage, Herr Kollege.
Roland Gewalt (CDU/CSU): 
Nach Ihrer Darstellung handelt es sich nur um Verdachtsflle. Wie erklren Sie sich dann die vor Kameras abgegebenen Erklrungen in zehn Fllen von Scheinvaterschaften allein in Berlin, wo klipp und klar gesagt wurde, dass ausschlielich zur Erreichung des Aufenthaltsrechts der Mutter und von Sozialhilfeansprchen des Kindes eine Vaterschaft zum Schein anerkannt wurde? Das sind Fakten, Herr Staatssekretr!
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Gewalt, ich will es einmal so sagen: Wir knnen zunehmend einen gewissen Hang zum Exhibitionismus vor laufenden Kameras feststellen, dem Scheinvter oder angebliche Scheinvter genauso unterliegen wie Politiker. Ich glaube nicht, dass wir auf solchen uerungen etwas in irgendeiner Form begrnden knnen. Ich bin viele Jahre Staatsanwalt gewesen und wrde aufgrund solcher uerungen kein Ermittlungsverfahren gegen irgendjemanden einleiten.
(Roland Gewalt [CDU/CSU]: Das knnen Sie ja auch nicht, es ist ja nicht strafbar, Herr Staatssekretr!)
- Ich wollte es nur gesagt haben.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Eine weitere Zusatzfrage des Kollegen Schrder.

Dr. Ole Schrder (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, wie beurteilen Sie die Folgen fr die Kinder? Die Anerkennung durch einen falschen Vater beeintrchtigt ihre Rechte auf Kenntnis ihrer Abstammung und den Umgang mit dem leiblichen Vater. Ich wundere mich, dass Sie Ihr Handeln davon abhngig machen, wie viele Betroffene es gibt. Reichen der Regierung nicht schon wenige Missbrauchsflle aus, um einen solchen Missbrauch auszuschlieen? Wie viele Missbrauchsflle msste es denn nach Ihrer Meinung geben? 
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Dr. Schrder, Missbrauchsflle sind fr mich solche Flle, in denen wir einen Missbrauch exakt nachweisen knnen, etwa dass jemand in der Tat missbruchlich eine Vaterschaft anerkannt hat. Zu den angesprochenen Verdachtsfllen mchte ich Folgendes sagen: Der Kollege Fritz Rudolf Krper - wir tauschen uns brigens sehr intensiv aus, damit Sie das wissen - hat doch deutlich berichtet, dass lediglich die Flle mitgeteilt worden sind, in denen Frauen, die ausreisepflichtig gewesen wren, nach der Geburt ihres Kindes die Anerkennung der Vaterschaft eines Mannes vorgelegt haben, der deutscher Abstammung ist oder ber eine dauerhafte Aufenthaltsberechtigung verfgt. Daraus nun zu schlieen, dass all diese Flle - wenn ich das richtig im Kopf habe, sind es 1 964 Flle - Missbrauchsflle sind, halte ich fr grob fahrlssig. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Die Frage 17 des Kollegen Manfred Kolbe wird schriftlich beantwortet.
Ich rufe nun die Frage 18 des Kollegen Jochen-Konrad Fromme auf:
Welche Auswirkungen hat nach Ansicht der Bundesregierung das Urteil des Europischen Gerichtshofes vom 13. November 2003 in der Rechtssache C-313/01 - Christine Morgenbesser/Consiglio dell'Ordine degli Avvocati di Genova - hinsichtlich der Anerkennung auslndischer Studienabschlsse wie der franzsischen Matrise en droit als Voraussetzung fr die Aufnahme in den juristischen Vorbereitungsdienst fr Deutschland, und zwar sowohl hinsichtlich der EU-Auslnder als auch fr deutsche Staatsbrger, die diesen Abschluss im Ausland erworben haben?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Ich freue mich, Herr Kollege Fromme, dass wir uns gestern noch getroffen haben, und ich Sie berredet habe, hierher zu kommen. Sie haben nmlich wirklich interessante Fragen gestellt. 
(Zuruf)
- Auch er war gestern Abend dabei. Aber ich habe ihn nicht berredet, hierher zu kommen. 
(Heiterkeit)
- Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. 
Herr Kollege Fromme, zunchst ist darauf hinzuweisen, dass die Prfung, ob und inwieweit ein auslndischer juristischer Abschluss als ein der ersten juristischen Prfung gleichwertiger Abschluss anzuerkennen ist, den Landesjustizverwaltungen obliegt. Bei dieser Prfung mssen alle relevanten Gesichtspunkte, gegebenenfalls auch die Rechtsprechung des Europischen Gerichtshofs einschlielich der genannten Entscheidung vom 13. November 2003 in der Rechtssache Morgenbesser, bercksichtigt werden.
Eine entsprechende Prfpflicht fr deutsche Behrden ist jedoch nicht mit einem Anspruch des Bewerbers auf unmittelbaren Zugang zum deutschen Vorbereitungsdienst gleichzusetzen. Aus dem Urteil kann lediglich abgeleitet werden, dass eine im Ausland erworbene juristische Ausbildung oder entsprechende Berufserfahrung bei der Entscheidung ber die Zulassung auslndischer Absolventen von den deutschen Behrden zu bercksichtigen ist. Im Hinblick auf die ntigen Kenntnisse des deutschen Rechts drften auslndische juristische Abschlsse in der Regel nicht den nationalen Vorschriften fr die zur Zulassung erforderlichen Kenntnisse und Fhigkeiten zum Vorbereitungsdienst entsprechen. Dies gilt unabhngig davon, ob deutsche Staatsbrger oder EU-Auslnder einen entsprechenden Abschluss im Ausland erworben haben. - Soll ich die nchste Frage auch direkt beantworten? 
(Jochen-Konrad Fromme [CDU/CSU]: Ja!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Dann rufe ich die Frage 19 des Kollegen Jochen-Konrad Fromme auf:
Wann und wie wird die Bundesregierung dieses Urteil bei der Reform der Juristen- und Anwaltsausbildung bercksichtigen?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Die Justizministerkonferenz hat den Ausschuss zur Koordinierung der Juristenausbildung beauftragt, eine Stellungnahme zum Thema "Der Bologna-Prozess und seine mglichen Auswirkungen auf die Juristenausbildung" abzugeben. In diese berprfung wird auch einbezogen, ob und inwieweit europarechtliche Vorgaben zur Anerkennung von im Ausland absolvierten juristischen Prfungen, zu denen auch die genannte Entscheidung gehrt, zumindest mittelbar Einfluss auf das deutsche Konzept der das Studium abschlieenden Prfung sowie auf den deutschen juristischen Vorbereitungsdienst haben. Der Ausschuss wird im Laufe des Jahres 2005 einen abschlieenden Bericht vorlegen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Jetzt haben Sie vier Zusatzfragen, Herr Kollege.
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, wie erklren Sie sich, dass andere Lnder anders verfahren? Das Verhltnis der Rechtsordnung zu einem Auslnder ist nicht nur ein deutsches Problem, sondern ein Deutscher hat in Polen oder England dasselbe Problem. Wie erklren Sie sich, dass das in anderen Lndern anders gehandhabt wird? Ist das nicht ein erheblicher Nachteil fr unsere jungen Leute?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Herr Kollege Fromme, das von mir eingangs zitierte Urteil des Europischen Gerichtshofes beruht gerade darauf, dass eine Studentin mit dem Namen Christine Morgenbesser, die in Frankreich ihre Matrise en droit gemacht hat und in Italien - nicht in Deutschland - zum Vorbereitungsdienst fr den Anwaltsberuf zugelassen werden wollte, dort ohne Begrndung abgewiesen worden ist. Das Urteil des Europischen Gerichtshofs besagt, dass nicht einfach abgewiesen werden darf, sondern geprft werden muss, ob die Bewerberin zugelassen werden kann.
Schauen wir uns einmal die ganze Palette der europischen juristischen Dienste an. Es gibt nicht sehr viele europische Lnder, die solch einen Vorbereitungsdienst wie wir haben. Das hat brigens mit der Niederlassungsfreiheit nichts zu tun; es geht nur um den Vorbereitungsdienst. Die Rechtssituation in anderen europischen Lndern kann man gar nicht mit dem deutschen Recht vergleichen.
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU): 
Gibt es Vergleichsflle in Deutschland, in denen die Zulassung versagt wurde?
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie diese Frage stellen, weil das eine ganz interessante Sache ist. Mir liegt ein Beschluss des Verwaltungsgerichtes Hannover vor, das in einem Verfahren eines Rechtspraktikanten - ich werde keine Namen nennen -, der im Bereich des Oberlandesgerichts Celle zugelassen werden wollte und einen auslndischen vergleichbaren Abschluss hatte, einen Vergleichsvorschlag unterbreitet hat. Ich wei im Moment nicht, ob er akzeptiert worden ist. Es wurde gesagt, die zustndige Behrde msse das prfen und der Person die Gelegenheit geben, in sechs Pflichtklausuren und drei mndlichen Prfungsgesprchen nachzuweisen, dass sie die gleichen Kenntnisse und Fhigkeiten wie die Absolventen einer deutschen Hochschule hat, die das erste juristische Staatsexamen gemacht haben. Man kann diesem Menschen nur empfehlen, sofort das erste juristische Staatsexamen zu machen.
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU): 
Herr Staatssekretr, gibt es Bestrebungen in Europa, auch im juristischen Bereich die Niederlassungsfreiheit zu verwirklichen? Wenn wir eine einheitliche Wirtschaftsordnung wollen, dann muss das mglich sein.
Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin der Justiz: 
Sie wissen, dass die Richtlinie, ber die derzeitig verhandelt wird und die noch lange nicht abgeschlossen ist, bezglich der Dienstleistungsfreiheit gerade in den juristischen Berufen Einschrnkungen macht. Deswegen kann ich Ihre Frage im Moment leider nicht beantworten. Vielleicht sind unsere beiden Shne einmal so weit, dass sie das zu Ende bringen knnen.
Jochen-Konrad Fromme (CDU/CSU): 
Danke schn.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Wir sind damit am Ende dieses Geschftsbereichs. Herr Staatssekretr, vielen Dank fr die Beantwortung der Fragen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums der Finanzen auf. Die Fragen wird Frau Parlamentarische Staatssekretrin Dr. Barbara Hendricks beantworten.
Ich rufe die Frage 20 des Kollegen Michael Kretschmer auf:
In welchem Umfang ist die Berichterstattung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 13. Januar 2005 zutreffend, dass die Bundesregierung in einem internen Papier zur Finanzplanung der Europischen Union eine Reduzierung bei den Strukturfonds plant, und welche Auswirkung htte dies fr die neuen Bundeslnder?
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Herr Kollege Kretschmer, das in der Presseberichterstattung angesprochene interne Papier liegt dem Bundesministerium der Finanzen nicht vor und ist hier auch nicht bekannt. Es ist allerdings zutreffend, dass die Bundesregierung eine Reduzierung des von der Kommission fr die Strukturfonds vorgeschlagenen Mittelvolumens fordert. Die Bundesregierung spricht sich fr eine Rckbesinnung auf das zentrale Ziel der europischen Strukturpolitik aus. Sie fordert, die Frderung verstrkt auf die bedrftigsten Regionen in der erweiterten Union zu konzentrieren, das heit die Ziel-1-Frderung.
berwiegend liegen die Ziel-1-Regionen in den neuen EU-Mitgliedstaaten. Aber auch die ostdeutschen Regionen werden in der nchsten Frderperiode noch berwiegend Ziel-1-Gebiet sein und damit in den Genuss einer substanziellen europischen Frderung gelangen. Der Bund setzt sich gemeinsam mit den Lndern fr die Gleichbehandlung der Regionen unabhngig vom Wohlstandsniveau des jeweiligen gesamten Mitgliedstaates ein.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.
Michael Kretschmer (CDU/CSU): 
Frau Staatssekretrin, vielen Dank fr diese Antwort. Daraus ergibt sich die Frage, wie man mit den Regionen umgeht, die aus statistischen Grnden - also deswegen, weil das Wohlstandsniveau im Durchschnitt der Europischen Union sinkt - aus der Ziel-1-Frderung herausfallen. Wenn man den Presseberichten glauben kann, denen zufolge die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Lndern nicht sehr gut verluft - davon gehen zumindest die konomen aus -, dann ist es besonders wichtig, an dieser Stelle die Frderung aufrechtzuerhalten. Welches Konzept verfolgt die Bundesregierung hinsichtlich dieser Regionen? 
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Herr Kretschmer, zunchst einmal macht sich die Bundesregierung die berlegung eines so genannten statistischen Effekts nicht zu Eigen. Dass die Gemeinschaft infolge der Erweiterung im Durchschnitt insgesamt rmer wird, ist ein nicht zu bestreitender Tatbestand. Das ist nicht nur ein statistischer Effekt; es ist vielmehr die konomische Wirklichkeit. Eine europische Strukturfrderung, die sich auf die rmsten Regionen der Gemeinschaft konzentriert, muss diesem Umstand Rechnung tragen. Aber - das habe ich eben bereits festge-stellt - die allermeisten Gebiete in den neuen Bundeslndern werden auch nach den vorgesehenen nderungen im Ziel-1-Frdergebiet verbleiben. 
Daneben untersttzt die Bundesregierung prinzipiell die von der Kommission vorgesehenen bergangsregelungen fr ausscheidende Ziel-1-Regionen. Insofern ist es zwar mglich, dass in Einzelfllen in eng begrenzten Regionen innerhalb der neuen Bundeslnder einzelne Teilbereiche aus der Ziel-1-Frderung ausscheiden; dafr sind aber bergangsregelungen vorgesehen. 
Die Ausgestaltung ist im Detail noch nicht abgeschlossen. So kommt eine Differenzierung nach dem Stand des soziokonomischen Entwicklungsprozesses in Betracht. Der Kommissionsvorschlag erscheint insoweit als eine geeignete Grundlage fr die weitere Diskussion. Die Bundesregierung wird also auf eine Befristung und faire Ausgestaltung dieser bergangsregelungen hinwirken. 
Im Rahmen der notwendigen Reduzierung des von der Kommission vorgeschlagenen Gesamtmittelvolumens sind aber auch die vorgesehenen Mittel fr die bergangsfrderung aus unserer Sicht zu reduzieren. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage.
Michael Kretschmer (CDU/CSU): 
Frau Staatssekretrin, nach meinen Informationen setzt die Bundesregierung vor allen Dingen bei den so genannten Wachstumskernen an, in die sie besonders stark investieren mchte. Bei den Wachstumskernen handelt es sich aber leider um diejenigen Regionen, die aus der Ziel-1-Frderung herausfallen, also die wenigen Regionen, von denen Sie gesprochen haben. Deswegen frage ich Sie, wie die zuknftigen Frderungen, die Sie als angemessen bezeichnet haben, aussehen. Was sind die konkreten Ziele und wie msste die Frderung fr solche Ziel-1a-Regionen oder wie man sie nennen will aussehen, damit das wirtschaftspolitische Ziel des Aufbaus gerade bei den Wachstumskernen erreicht werden kann?
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Herr Kollege Kretschmer, fr die aus der Frderung herausfallenden Gebiete, die es in den neuen Bundeslndern geben mag - das sind in der Tat diejenigen, die man zu den jetzigen Wachstumskernen zhlen kann -, wird es, wie gesagt, eine bergangsfrderung geben, deren Umfang ich derzeit nicht im Einzelnen darlegen kann, weil wir noch Verhandlungen auf europischer Ebene fhren. Sie drfen aber nicht vergessen, dass es neben der europischen Frderung die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur", den Korb 2 des Solidarpakts II und eine besondere Frderung von Forschungsschwerpunkten in den neuen Bundeslndern aus dem Bundeshaushalt gibt. Dies zusammengenommen wird auch fr die dann nicht mehr in die Ziel-1-Frderung fallenden Gebiete - die jetzigen Wachstumskerne in den neuen Bundeslndern - sicherlich zu einer weiteren angemessenen Frderung der Wachstumspotenziale ausreichen.
Des Weiteren darf nicht vergessen werden, dass das, was in den jetzigen Wachstumskernen in den neuen Bundeslndern schon erreicht worden ist, eine solche Attraktivitt entfaltet, dass auch ohne die weitere Frderung Investitionsentscheidungen zugunsten dieser Wachstumskerne gefllt werden. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Die Fragen 21 und 22 des Kollegen Bernhard Kaster wurden zurckgezogen. Die Frage 23 des Kollegen Albert Rupprecht wird schriftlich beantwortet. 
Deshalb rufe ich die Frage 24 des Kollegen Georg Fahrenschon auf:
Wie stellt sich die Bundesregierung die konkrete rechtliche Umsetzung ihrer Vorschge zur nderung des Stabilitts- und Wachstumspakts vor und hlt sie fr eine Durchsetzung ihrer Vorschlge eine nderung des EG-Vertrages und/oder eine nderung der Verordnung (EG) Nr. 1467/97 des Rates vom 7. Juli 1997 ber die Beschleunigung und Klrung des Verfahrens bei einem bermigen Defizit fr notwendig?

Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Herr Kollege Fahrenschon, die Vorschlge der Bundesregierung sind Beitrge zur Diskussion ber den Stabilitts- und Wachstumspakt, die derzeit im Rat und mit der Europischen Kommission gefhrt wird. Nach Abschluss der Meinungsbildung wird sich zeigen, ob nderungen des bestehenden Sekundrrechts notwendig sind. Sollte das der Fall sein, bedrfte es dafr eines entsprechenden Vorschlags der Kommission. Eine nderung des Primrrechts ist nicht vorgesehen und auch nicht notwendig, da sich die Diskussion am geltenden EG-Vertrag orientiert. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfrage, bitte.
Georg Fahrenschon (CDU/CSU): 
Frau Staatssekretrin, herzlichen Dank fr Ihre Antwort. - Ich nehme Bezug auf den Namensartikel des Bundeskanzlers in der "Financial Times Deutschland" vom 17. Januar. Ich nehme einmal seinen Gedanken auf - ich zitiere -:
Eine richtige Finanzpolitik, die Stabilitt und Wachstum gleichermaen frdert, kann nicht alleine an dem Einhalten der Drei-Prozent-Defizitgrenze gemessen werden.
Wenn ich das unterstelle, dann stellt sich die Frage, auf welchem Wege die Bundesregierung diese Erweiterung und damit die nderung nicht des Primrrechts, aber mindestens des Sekundrrechts einbringen will. Wenn die Bundesregierung nicht eine nderung einbringt, wre die Forderung des Bundeskanzlers in den Wind gesprochen und sie wrde nicht weiter verfolgt. Das heit, wir mssen doch wenigstens mit einer Ergnzung der notwendigen Verordnung rechnen. 
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Davon ist nicht zwingend auszugehen. Herr Kollege Fahrenschon, ich sagte Ihnen eben, dass es mglicherweise zu einer nderung kommt. Die Initiative dafr msste dann aber natrlich von der Kommission ausgehen. Das heit, die Bundesregierung beabsichtigt nicht, dort initiativ zu werden, der Kommission also entsprechende Vorschlge zu machen. 
Was die Vorschlge der Bundesregierung betrifft, so darf man nicht vergessen, dass die Europische Kommission schon jetzt bei der Beurteilung des ffentlichen Defizits - ich zitiere Art. 104 Abs. 3 Satz 2 des EG-Vertrags - "alle sonstigen einschlgigen Faktoren" einzubeziehen hat. Dies ist also geltendes Recht. Die Bundesregierung beabsichtigt, abweichend von der bisherigen lediglich mechanistischen Anwendung des EU-Vertrags durch die Europische Kommission in Zukunft eine Umsetzung des geltenden Rechts tatschlich zu erreichen. Die Debatte geht in diese Richtung. Die Europische Kommission hat, wie Sie wissen, ihrerseits entsprechende Vorschlge gemacht. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre zweite Zusatzfrage.
Georg Fahrenschon (CDU/CSU): 
Setzen wir uns mit dem Gedankengang des Herrn Bundeskanzlers auseinander. Er sagt, er wolle weitere Prfkriterien einfhren. Er spricht von drei Gruppen von Prfkriterien: "Reformen", "makrokonomische Kriterien" und "spezifische Sonderlasten der Mitgliedstaaten". Nach dem Grundverstndnis, dass die Kriterien nur dann angewandt werden knnen, wenn sie irgendwo niedergeschrieben werden und mit den Regelungen des Stabilittspaktes zumindest gleichgesetzt oder an sie angedockt werden, brauchen wir doch eigentlich notwendigerweise eine Vernderung oder eine Ergnzung des Sekundrrechts.
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Nein, Herr Kollege Fahrenschon. Es ist zwar denkbar, dass die EU- Kommission noch einen solchen Vorschlag machen wird, aber es ist gewiss nicht zwingend. Ich darf noch einmal darauf hinweisen, dass die EU-Kommission schon nach dem geltenden Recht alle sonstigen Faktoren zu bercksichtigen hat. Die von Ihnen genannten Beispiele, bei denen Sie aus dem Artikel des Herrn Bundeskanzlers in der "Financial Times Deutschland" zitiert haben, sind solche denkbaren Faktoren, die Bercksichtigung finden sollen. Obwohl das Ihnen, Herr Kollege Fahrenschon, natrlich klar ist - wir haben heute Morgen im Finanzausschuss sehr ausfhrlich ber diesen Sachverhalt debattiert -, mchte ich noch einmal ganz deutlich klarstellen: Die Bundesregierung beabsichtigt keinesfalls, die Verschuldungskriterien irgendwie zu verndern, aufzuweichen oder hnliches. Auch fr uns bleibt klar, dass die aktuelle oberste Verschuldungsgrenze - 3 Prozent Neuverschuldung und 60 Prozent Gesamtverschuldung im Verhltnis zum Bruttoinlandsprodukt - erhalten bleiben muss. Die Bundesregierung mchte lediglich erreichen, dass vor Ingangsetzung eines frmlichen Defizitverfahrens denkbare Faktoren, die vom Herrn Bundeskanzler in seinem Artikel beispielhaft genannt worden sind, entsprechend gewrdigt werden. 
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ich rufe die Frage 25 des Kollegen Georg Fahrenschon auf:
Worin liegen nach Ansicht der Bundesregierung die Grnde dafr, dass vor dem Hintergrund der mit dem Investmentmodernisierungsgesetz verfolgten Anstze der Liberalisierung und Deregulierung die Anzahl der von im Inland ansssigen Anbietern im Inland aufgelegten Investmentfondsprodukte im Vergleich mit den von diesen Anbietern im europischen Ausland aufgelegten, aber hier vertriebenen Produkten rcklufig ist, und welche Manahmen wird die Bundesregierung hinsichtlich der Beschwerden zur Umsetzung des in der Gesetzesbegrndung genannten Ziels der Beschleunigung hiesiger Zulassungsverfahren treffen?
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Herr Kollege Fahrenschon, es bleibt das erklrte Ziel der Bundesregierung, der Investmentfondsindustrie auch in Zukunft attraktive Standortbedingungen zur Strkung des Finanzplatzes Deutschland und zur Steigerung der Attraktivitt des Produktionsstandortes Deutschland zu bieten und damit den Bestand von qualifizierten Arbeitspltzen im Inland zu erhalten. Mit dem Investmentmodernisierungsgesetz sind die dafr notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen worden. 
Nach den jngsten Zahlen des Bundesverbandes Investment und Asset Management, BVI, ist in 2004 die berwiegende Anzahl neuer Fonds aber weiterhin nicht in Deutschland, sondern im europischen Ausland, namentlich in Irland und Luxemburg, aufgelegt worden, weil die mit dem im Dezember 2003 verkndeten Investmentmodernisierungsgesetz verbundenen Liberalisierungen noch nicht zur vollen Entfaltung kommen konnten.
Die Bundesregierung hat die fr die Umsetzung des Gesetzes und die Beschleunigung der Genehmigungsverfahren zustndige Bundesanstalt fr Finanzdienstleistungsaufsicht, Kurzform: BaFin, bereits frhzeitig hinsichtlich der notwendigen nderungen der Verfahrensablufe und Organisationsmanahmen angewiesen. Anfngliche Umstellungsprobleme sind inzwischen weitgehend gelst, sodass fr die Zukunft eine nachhaltige Verbesserung der Genehmigungspraxis zu erwarten sein wird.
Die BaFin wird ab sofort ein Verlaufsprotokoll ber jedes einzelne Genehmigungsverfahren fr Vertragsbedingungen anfertigen, um Schwachstellen bei dem Genehmigungsverfahren zeitnah abstellen zu knnen und damit das Ziel von drei Wochen als durchschnittliche Genehmigungszeit zu erreichen.
Darber hinaus sieht die Bundesregierung aber trotz der erreichten Harmonisierung von Investmentprodukten auf europischer Ebene und der Regelungen zum europaweiten Vertrieb die Notwendigkeit fr eine weitere Harmonisierung der Fondsaufsicht in Europa, um ein Levelplaying Field fr alle Marktteilnehmer und effektiven Anlegerschutz zu erreichen. 
Eine auf dieses Ziel gerichtete Verbesserung ist mit der Zusammenarbeit der Aufseher auf europischer Ebene im Rahmen des Gremiums Committee of European Securities Regulators, CESR, geschaffen worden. Das Ziel dieses Gremiums ist es, die so genannte Aufsichtsarbitrage zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten abzubauen.
Das Bundesfinanzministerium wird zudem in Krze den Vertretern der BaFin, der Verbnde und den Marktteilnehmern vorschlagen, im Rahmen eines regelmig tagenden runden Tisches im BMF aufkommende Probleme frhzeitig zu analysieren und konstruktiv gemeinsam weitere Schritte zur Verbesserung der Wettbewerbsfhigkeit des Investmentstandortes Deutschland einzuleiten.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.
Georg Fahrenschon (CDU/CSU): 
Frau Staatssekretrin, erst einmal herzlichen Dank fr die Beantwortung der Frage. - Sie haben in der Beantwortung gerade das Ziel einer Bearbeitungszeit von drei Wochen genannt. Liegen Ihnen Daten vor, wie lange die Bearbeitung durch das BaFin vor dem Eingreifen des BMF gedauert hat? Jeder der sich mit solchen Ablufen ein bisschen auskennt, wei mit Sicherheit, dass Sie eine entsprechende Abfrage schon einmal durchgefhrt haben.
(Jrg Tauss [SPD]: Neun Monate!)
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Herr Kollege Fahrenschon, ich bin sicher, dass diese Zahlen dem Bundesministerium der Finanzen bekannt sind. Ich werde Ihnen die Antwort schriftlich nachreichen. Ich habe die Zahlen im Moment nicht prsent.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage.
Georg Fahrenschon (CDU/CSU): 
Sie haben in der Beantwortung sehr stark auf verwaltungstechnische Ablufe abgehoben. Es stellt sich die Frage, ob sich der dramatische Unterschied bei der Zahl der Neuauflagen - Sie haben diesen Unterschied angesprochen -, zum Beispiel zwischen Luxemburg und Deutschland, nicht auch durch andere Rahmenbedingungen, zum Beispiel steuerlicher Art, erklrt. Es wird immer wieder vorgebracht, dass insbesondere das Sonderausgabenabzugsverbot bei betrieblichen Fonds ein wesentlicher Punkt ist. Sieht die Bundesregierung noch andere Rahmenbedingungen, die gendert werden mssten, um dem erklrten Ziel des Investmentmodernisierungsgesetzes nher zu kommen?
Dr. Barbara Hendricks, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister der Finanzen: 
Nein, Herr Kollege Fahrenschon, das tut die Bundesregierung nicht. Wie Sie wissen, haben wir zugleich das Investmentsteuergesetz verabschiedet. Wir sehen im steuerlichen Bereich keinen weiteren Handlungsbedarf.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Wir sind damit am Ende dieses Geschftsbereichs. Vielen Dank, Frau Staatssekretrin, fr die Beantwortung der Fragen.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums fr Wirtschaft und Arbeit auf. Die Fragen 26 und 27 des Kollegen Ernst Burgbacher, die Frage 28 des Kollegen Manfred Kolbe, die Fragen 29 und 30 der Kollegin Dr. Gesine Ltzsch, die Fragen 31 und 32 der Kollegin Petra Pau und die Frage 33 des Kollegen Albrecht Feibel werden schriftlich beantwortet.
Ich rufe den Geschftsbereich des Bundesministeriums fr Gesundheit und Soziale Sicherung auf. Zur Beantwortung der Fragen steht der Parlamentarische Staatssekretr Franz Thnnes bereit.
Die Fragen 34 und 35 des Kollegen Jens Spahn werden schriftlich beantwortet.
Ich rufe die Frage 36 des Herrn Kollegen Dr. Heinrich Kolb auf:
Trifft es zu, dass die Bundesregierung den ihr bereits seit Ende des Jahres 2004 vorliegenden 2. Armuts- und Reichtumsbericht dem Deutschen Bundestag bis auf weiteres nicht vorlegt - Antwort des Parlamentarischen Staatssekretrs bei der Bundesministerin fr Gesundheit und Soziale Sicherung, Franz Thnnes, vom 13. Dezember 2004 auf meine schriftlichen Fragen 75 und 76 in Bundestagsdrucksache 15/4574 -, obwohl die Bundesregierung nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages vom 19. Oktober 2001, Bundestagsdrucksache 14/6628, dazu verpflichtet ist, den Bericht "in der Mitte der Legislaturperiode dem Deutschen Bundestag vorzulegen"?
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Gesundheit und Soziale Sicherung: 
Werter Kollege Kolb, zunchst mchte ich fr die Gste auf der Tribne die Frage noch einmal wiedergeben. Sie fragen, ob es zutrifft, dass die Bundesregierung den ihr bereits seit Ende des Jahres 2004 vorliegenden 2. Armuts- und Reichtumsbericht dem Deutschen Bundestag bis auf weiteres nicht vorlegt, obwohl die Bundesregierung nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages vom 19. Oktober 2001 dazu verpflichtet ist, den Bericht in der Mitte der Legislaturperiode dem Deutschen Bundestag vorzulegen.
(Jrg Tauss [SPD]: Das war ein netter Service!)
Die Antwort lautet: Nein. Der vom Bundesministerium fr Gesundheit und Soziale Sicherung federfhrend erstellte Entwurf fr den 2. Armuts- und Reichtumsbericht, Lebenslagen in Deutschland, wurde mit den Verbnden und mit Vertretern der Wissenschaft beraten. Er befindet sich zurzeit in der Abstimmung innerhalb der Bundesregierung. Unmittelbar im Anschluss daran wird der Bericht vom Bundeskabinett verabschiedet werden.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): 
Herr Staatssekretr, wrden Sie mir darin zustimmen, dass, nachdem sich der Bundestag der 15. Legislaturperiode im Oktober 2002 konstituiert hat, die Mitte der Legislaturperiode etwa im Oktober 2004 gewesen sein msste? Wann genau gedenkt die Bundesregierung diesen Armuts- und Reichtumsbericht vorzulegen? Knnen Sie schon ein Datum dafr nennen?
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Gesundheit und Soziale Sicherung: 
Der Beschluss des Bundestages, der damals auf Initiative der Regierungskoalition gefasst worden ist, gibt keinen konkreten und fest definierten Zeitpunkt vor. Ich will dazusagen: Dass der Entwurf im Dezember 2004 fr die Beratung mit den Verbnden und der Wissenschaft zur Verfgung gestanden hat, zeigt sehr deutlich, dass die Bundesregierung den Bericht vorlegen wird. Ich habe auf den Abstimmungsprozess hingewiesen. Die Beschlussfassung des Bundeskabinetts soll bis Mrz 2005 erfolgen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage, Herr Kollege?
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Nein!)
Dann rufe ich die Frage 37 des Kollegen Dr. Heinrich Kolb auf:
Trifft es zu, dass nach dem 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung die Vermgen von Arbeitnehmerhaushalten in den letzten zehn Jahren um rund 20 Prozent gestiegen sind?
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Gesundheit und Soziale Sicherung: 
Herr Dr. Kolb, die Bundesregierung hlt es nicht fr sinnvoll, Einzelaspekte vor der endgltigen Verabschiedung des 2. Armuts- und Reichtumsberichts durch das Bundeskabinett zu kommentieren.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen.
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): 
Dann mchte ich einmal so fragen, Herr Staatssekretr: Liegen der Bundesregierung Informationen des Inhalts vor, dass sich trotz steigender Sozialausgaben von Bund und Lndern die Einkommen und Vermgen der unteren und oberen Einkommens- und Vermgensschichten in den letzten Jahren auseinander entwickelt haben?
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Gesundheit und Soziale Sicherung: 
Der Bundesregierung liegt eine Vielzahl von Daten und Fakten aus Erhebungen der verschiedenen Institutionen vor, die bei der Erarbeitung des Berichts eine Rolle gespielt haben. Daraus ist ein Entwurf erstellt worden. Dieser Entwurf befindet sich zurzeit in der Abstimmung. Die Bundesregierung hlt es nicht fr sinnvoll, vor einer endgltigen Entscheidung im Bundeskabinett zu einzelnen Punkten Stellung zu nehmen.
Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): 
Meine Frage ging ganz unabhngig vom Armuts- und Reichtumsbericht dahin, ob der Bundesregierung Erkenntnisse vorliegen, die die von mir vorgetragene Feststellung besttigen knnten.
Franz Thnnes, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Gesundheit und Soziale Sicherung: 
Da derartige Daten natrlich im Zusammenhang mit dem Bericht zu sehen sind und darin eine Bewertung enthalten ist - diese Bewertung befindet sich zurzeit in der Abstimmung -, werden Sie sicherlich verstehen, Herr Dr. Kolb, dass die Bundesregierung es nicht fr sinnvoll erachtet, vor der endgltigen Entscheidung im Bundeskabinett dazu Stellung zu nehmen.
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Verstehen kann ich es nicht!)
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Wir sind damit am Ende des Geschftsbereichs des Bundesministeriums fr Gesundheit und Soziale Sicherung. Vielen Dank, Herr Staatssekretr, fr die Beantwortung der Fragen.
Wir kommen zum Geschftsbereich des Bundesministeriums fr Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Zur Beantwortung steht Frau Parlamentarische Staatssekretrin Iris Gleicke zur Verfgung.
Ich rufe die Frage 38 der Kollegin Sibylle Laurischk auf:
Gibt es Mglichkeiten der Kofinanzierung mit Mitteln der EU fr den Ausbau der europischen Bahntransversale Paris-Budapest sowohl fr die deutschen Teilabschnitte als auch fr die in den anderen Lndern?
Iris Gleicke, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister fr Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: 
Liebe Kollegin Laurischk, grundstzlich ist eine Kofinanzierung des Ausbaus der Eisenbahnverbindung Paris-Budapest mit EU-Mitteln des Kohsionsfonds, der Ziel-1-Frderung aus dem Europischen Fonds fr regio-nale Entwicklung, kurz "EFRE" genannt, sowie durch Zuschsse aus der Haushaltslinie fr Transeuropische Netze, TEN, mglich. Fr die Bundesrepublik Deutschland kommt im vorliegenden Fall nur die letztgenannte Mglichkeit infrage. 
Auf eine Frderung aus der Haushaltslinie fr Transeuropische Netze gibt es jedoch keinen Rechtsanspruch. Jedes Projekt muss einzeln beantragt werden. Voraussetzung fr einen Antrag ist, dass die nationale Finanzierung in Hhe von 90 Prozent bzw. 80 Prozent der Kosten gesichert ist, die fehlende Finanzierung nicht anderweitig gedeckt werden kann und die rechtlichen Voraussetzungen fr den Baubeginn gegeben sind. Eine Kumulation von Mitteln aus verschiedenen EU-Fonds fr ein Projekt ist nicht zulssig.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Ihre Zusatzfragen, bitte.

Sibylle Laurischk (FDP): 
Frau Staatssekretrin, sind denn fr den deutschen Bereich zum Beispiel Antrge auf Frderung von Planungskosten gestellt worden? 
Iris Gleicke, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister fr Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: 
Ja, auch Planungskosten sind frderfhig. Es wurden auch schon Mittel beantragt. So sind fr den Abschnitt Stuttgart-Ulm Zuschsse in Hhe von 20 Millionen Euro fr die Durchfhrung der Planung gewhrt worden. Fr den Abschnitt Augsburg-Mering wurden insgesamt 18,5 Millionen Euro fr die Durchfhrung von Planung und Bauleistungen gewhrt. Fr den Abschnitt Mnchen-Mhldorf-Freilassing wurde 1 Million Euro Zuschuss gewhrt. 
Der Abruf der Mittel - das sagte ich ja schon - ist vom jeweiligen Projektfortschritt abhngig. Fr den Abschnitt Straburg-Appenweier werden von der DB AG zurzeit die Kriterien erarbeitet, um einen Antrag auf Bezuschussung der Planung in Hhe von 50 Prozent - so viel kann hier gefrdert werden - zu stellen.
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Sie haben noch eine Zusatzfrage.
Sibylle Laurischk (FDP): 
Sind solche Mittel auch fr den so genannten Rastatter Tunnel beantragt worden?
Iris Gleicke, Parl. Staatssekretrin beim Bundesminister fr Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: 
Dazu kann ich Ihnen im Moment keine Auskunft geben, weil mir das jetzt nicht vorliegt. Ich werde Ihnen das schriftlich beantworten.
(Sibylle Laurischk [FDP]: Danke schn!)   
Vizeprsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner: 
Die Fragen 39 und 40 der Kollegin Gitta Connemann werden schriftlich beantwortet. 
Wir sind damit am Ende der Fragestunde. 
Ich unterbreche die Sitzung des Deutschen Bundestages bis zum Beginn der Aktuellen Stunde um 15.30 Uhr.
(Unterbrechung von 15.01 bis 15.30 Uhr) 

Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Die unterbrochene Sitzung ist wieder erffnet.




Ich rufe den Zusatzpunkt 1 auf:
Aktuelle Stunde
auf Verlangen der Fraktion der CDU/CSU
Unterschiedliche Meinungsuerungen aus Koalition und Bundesregierung zu Studiengebhren
Ich erffne die Aussprache. Als erste Rednerin hat die Kollegin Frau Professor Dr. Maria Bhmer fr die antragstellende Fraktion das Wort.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dr. Maria Bhmer (CDU/CSU): 
Herr Prsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das heutige Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat deutlich gemacht, dass die Politik dieser Bundesregierung in Hochschulfragen wieder einmal gescheitert ist.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Ich bedauere sehr, dass die Bundesforschungsministerin an dieser Debatte nicht teilnimmt. Auch wenn ich volles Verstndnis dafr habe, dass sie heute Vormittag in Karlsruhe gewesen ist, muss ich doch sagen, dass es angesichts der heutigen schnellen Verkehrsmittel fr sie durchaus mglich gewesen wre, jetzt im Parlament anwesend zu sein.
(Beifall bei der CDU/CSU - Zuruf des Abg. Jrg Tauss [SPD]: Sie htten doch einen anderen Termin beantragen knnen!)
Man muss ganz klar feststellen, dass nicht nur die Bundesforschungsministerin, sondern auch der Bundeskanzler, der hinter der Politik seiner Ministerin steht, in dieser Angelegenheit gefordert ist. Er hat das bisher geltende Verbot von Studiengebhren in Deutschland mit zu verantworten.
(Beifall bei der SPD)
Deshalb muss ich sagen: Die Bundesregierung hat eine eklatant falsche Weichenstellung im Hochschulbereich vorgenommen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Die heutige Entscheidung ist gut fr unser Land und gut fr unsere Hochschulen. Ich bin sehr froh, dass die unionsregierten Bundeslnder vorangegangen sind und in Karlsruhe dafr gekmpft haben, dass die Hochschulen die Freiheit bekommen, die sie brauchen, um in Finanzfragen selbststndig handeln zu knnen. Ab dem heutigen Tag stehen ihnen diese Mglichkeiten offen. Ich bin davon berzeugt, dass die unionsregierten Lnder schnellstmglich die Initiative ergreifen werden, um fr eine Verbesserung der Situation an den Hochschulen zu sorgen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Dass die Erhebung von Studiengebhren gerade auch ein Anliegen der Hochschulen ist, haben einzelne Prsidenten von Hochschulen deutlich gemacht. Ich will an erster Stelle den Prsidenten der Humboldt-Universitt in Berlin, Professor Mlynek, nennen, der gesagt hat, die ffentlichen Mittel wrden nicht ausreichen. Ich kann dazu nur sagen: kein Wunder angesichts dieser Politik der rot-roten Koalition in Berlin.
(Jrg Tauss [SPD]: Aber in Bayern!)
Um das zu ndern, sind zustzliche Einnahmen aus Studiengebhren ntig.
Der Prsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Gaehtgens, hat heute das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausdrcklich begrt. Er sprach davon, dass mit dem Wegfall des Gebhrenverbots ein Nachteil deutscher Hochschulen im internationalen Wettbewerb beseitigt worden sei. In der Tat ist dieses ein wichtiges Kriterium. Die deutschen Universitten und Fachhochschulen mssen sich international behaupten knnen. Die Zeit ist gekommen, dass die Bremsen endlich gelst werden.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Ich kenne auch das Argument - Herr Tauss, ich habe entsprechende uerungen von Ihnen im Rundfunk gehrt; gleich knnen Sie hier im Plenum reden
(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Leider!)
und mssen daher keine Zwischenrufe machen -, dass Studiengebhren zu Nachteilen fr die Studierenden fhren. Aber ich sage Ihnen, die Nachteile sind doch ganz andere: Derzeit sind die Hochschulen berfllt. Statt 20 Studenten gibt es ber 200 Studenten in einem Seminar. Die Labors sind zum Teil veraltet. Es fehlt an Bchern und Zeitschriften. Die Studienbedingungen sind miserabel. 
Das fhrt dazu, dass Studenten in Deutschland im Durchschnitt vier Jahre lnger studieren als Studenten im Ausland. Das bedeutet, dass sie nicht zgig vorankommen und der Berufseinstieg zu spt erfolgt. Das fhrt auch - das mchte ich allen Studentinnen und Studenten sagen - zu Einkommensverlusten. Diese betragen pro Jahr im Durchschnitt 40 000 Euro. Dagegen sind Studienbeitrge in Hhe von 500 Euro ein geringer Beitrag. Wenn diese Beitrge dazu fhren - und da bin ich mir sicher -, dass die Qualitt der Hochschulen zunimmt, dann sollten wir diesen Schritt auch unternehmen. 
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zwei Bedingungen sind fr uns als Union essenziell. Die erste Bedingung ist: Die Studienbeitrge mssen sozialvertrglich gestaltet sein. 
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Dann mal zu! Groe Versprechen!)
Das heit, wir brauchen ein leistungsfhiges Darlehen- und Stipendiensystem. Dies ist in den Lndern und von der KfW auf den Weg gebracht worden. Es gilt jetzt, diese Modelle zu beraten und umzusetzen. Ich appelliere an die SPD-gefhrten Lnder, sich nicht lnger solchen Regelungen zu verweigern; denn sie nehmen damit den Studenten die Chancen fr ein qualittsvolles Studium. 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Die zweite Bedingung ist: Diese Studienbeitrge mssen den Hochschulen in vollem Umfang zur Verfgung stehen. Dazu mchte ich Ihnen eines sagen: In Nordrhein-Westfalen werden derzeit von Langzeitstudierenden Studienbeitrge in Hhe von 650 Euro verlangt. Diese Studienbeitrge werden nicht an die Hochschulen weitergegeben. 
(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Unglaublich!)
Sie flieen in den allgemeinen Finanztopf. 
(Jrg Tauss [SPD]: Wie berall!)
Das ist SPD-Politik. So wird die Union nicht vorgehen. 
Es geht darum, den Studenten mehr Chancen zu bieten. Deshalb werden wir unsere Politik an diesen beiden Kriterien ausrichten.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Es gilt, im Bildungswesen Freiheit zu realisieren und den Universitten Autonomie zu geben. Es gilt, bessere Studienbedingungen fr Studenten in unserem Land herzustellen. 
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt der Kollege Jrg Tauss von der SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Jrg Tauss (SPD): 
Herr Prsident! Meine Damen und Herren! Liebe Frau Kollegin, ich bin Ihnen fr Ihre Ausfhrungen dankbar, weil sie deutlich machen, worin die Unterschiede bestehen. Wir freuen uns nicht. Wir halten den heutigen Tag fr keinen guten Tag fr die deutschen Studierenden. Wir bedauern ebenso wie die Interessenverbnde der Studierenden und der Deutsche Bundesjugendring das Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Wir stehen an der Seite der Jugendlichen in Deutschland. 
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BNDNISSES 90/DIE GRNEN - Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Sie benachteiligen sie!)
Ihre Aussagen waren gerade in verrterisch. Sie haben gesagt, die Hrsle seien berfllt. Sie wollen die Hrsle durch die Einfhrung von Studiengebhren leeren. Das ist die Politik, die Sie beabsichtigen. 
(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Oh, Herr Tauss!)
Sie haben dies dankenswert offen angesprochen. 
Jetzt sind die Lnder am Zuge. Sie haben klar die Aufgabe zugewiesen bekommen - das war eine deutliche Aussage des Bundesverfassungsgerichts -, die Frage der Bedingungen der Studiengebhren selbst zu regeln. Damit ist aber die Gefahr gestiegen, dass es in Deutschland keine einheitlichen Lebensverhltnisse mehr gibt. Unterschiedliche Lnderregelungen fhren mglicherweise dazu, dass wir dem Ziel nicht nher kommen, mehr junge Leute fr ein Studium zu gewinnen; dies ist aber dringend erforderlich. Sie haben mit Ihrer Prozesshanselei, die sich im Hochschulbereich an verschiedenen Stellen durchgesetzt hat, das Ziel einheitlicher Lebensbedingungen in Deutschland massiv gefhrdet. 
(Beifall bei der SPD - Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Herr Tauss, das glauben Sie doch selbst nicht!)
Der Hinweis auf einen vermeintlichen Dissens, wie er in dem Thema dieser Aktuellen Stunde formuliert worden ist, war interessant. Nein, einen Dissens haben Sie bewirkt. Sie haben die Gemeinsamkeit aufgekndigt. Noch im Jahr 2000 haben sich alle Kultusminister der Lnder gegen Studiengebhren ausgesprochen. Auf der Basis dieser Haltung der Kultusministerkonferenz wurde durch die Bundesregierung bzw. die Koalition ein entsprechender Gesetzentwurf eingebracht. 
(Beifall des Abg. Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD])
Diesen Konsens haben Sie mit Ihren Klagen verlassen. 
Die Zielrichtung Ihrer Klagen haben Sie brigens nicht im Wahlkampf angekndigt. Noch 2002 hat sich Herr Stoiber geweigert, eine Antwort zu geben. Im Landtagswahlkampf in Baden-Wrttemberg hat sich Herr Teufel geweigert, eine Antwort zu geben. Im Gegenteil: Man hat in letzter Minute den Landesparteitag gebraucht, um hnderingend einen Antrag auf Einfhrung von Studiengebhren abzuwehren. Denn Sie waren vor den Wahlen zu feige, die Jugendlichen in Deutschland ber Ihre eigentlichen Absichten aufzuklren. 
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN)
Sie haben die Jugendlichen in Deutschland vor der Wahl belogen.
Wir bleiben dabei: Studiengebhren fr ein Erststudium sind und bleiben sozial ungerecht. Sie sind bildungspolitisch kontraproduktiv. 
Interessant ist, wie Sie mit Ihren Hilfstruppen jetzt auch die Bevlkerung spalten wollen. Von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist eine Anzeige mit einem perfiden Bild eines Studierenden erschienen, der an einem eleganten Schreibtisch auf dem Rcken eines Arbeiters thronend, also auf seine Kosten, studiert. 
(Katherina Reiche [CDU/CSU]: Das ist aber die Wahrheit Herr Tauss!)
Ich kann Ihnen nur sagen: Was Sie machen, ist unanstndig; das ist nicht die Wahrheit. Sie spalten, Sie hetzen die Bevlkerungsschichten auf, die sich das Studium ihrer Kinder nicht mehr leisten knnen, wenn Sie sich mit Ihren Absichten durchsetzen. Aus diesem Grund werden wir uns weiterhin gegen die Einfhrung von Studiengebhren wenden.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BNDNISSES 90/DIE GRNEN)
Frau Professor Bhmer, Sie haben hier gesagt, dass selbstverstndlich ein Darlehensystem, ein soziales Modell notwendig ist. Dies haben Sie fr den Herbst des letzten Jahres angekndigt. Wo sind die entsprechenden Modelle? Alle Modelle, die Sie bisher vorgelegt haben, gehen auf Kosten der Eltern. Sie zielen darauf ab, das BAfG abzuschaffen oder Darlehen einzufhren, fr die die Studierenden aufzukommen haben. Sie wollen sie mit Schulden in Hhe von 40 000 oder 50 000 Euro ins Berufsleben entlassen. 
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Erzhlen Sie doch keine Mrchen!)
Das entspricht Ihren zwischenzeitlich vorgelegten Modellen. 
(Beifall des Abg. Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD])
Aus diesem Grund werden Sie mit den von Ihnen andiskutierten Modellen, wenn sie denn umgesetzt werden, Studenten aus der Mittelschicht von den Universitten vertreiben.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Studierenden, egal wo in diesem Lande, mssen wissen, dass sie uns an ihrer Seite haben. Der Deutsche Bundesjugendring, die kirchlichen Jugendverbnde, die gewerkschaftlichen Jugendverbnde und die Sportjugend, sie alle haben gesagt: Macht dies nicht! Wir werden die Forderungen der Betroffenen erfllen. Dafr steht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Reden Sie gelegentlich mit Ihren Ministerprsidenten?)
Wir werden Ihren Weg zur Verdrngung der Mittelschicht an den Universitten nicht mitmachen. 
Sie spielen Eltern gegeneinander aus, indem Sie sagen, dass Kindergartengebhren erhoben werden, aber keine Studiengebhren. 
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Das ist doch so, Herr Tauss!)
Das ist der Gipfel Ihrer falschen Argumentation. Sie wollen doch zuerst Gebhren fr den Kindergarten und am Schluss auch Gebhren fr die Universitt. Sie mssen sich aber einmal entscheiden, Frau Kollegin. Sie sagen, dass Sie Studiengebhren brauchen, um die Kindergrten finanziell zu entlasten. Im Endeffekt wird aber kein Cent dieser Gebhren in die Kindergrten flieen bzw. wenn dieses Geld tatschlich dorthin fliet, wird es den Universitten fehlen. Nichts von dem, was Sie vorbereitet haben, ist konzeptionell in irgendeiner Form untermauert. Sie haben sich vom Konsens verabschiedet.
Im brigen: Wenn Sie sagen, dies sei ein Wettbewerbsnachteil, mchte ich darauf hinweisen, dass es lediglich ein Unterschied zu einigen angelschsischen Staaten ist. Skandinavien und andere Lnder machen vor, wie man hervorragende Universitten ohne Studiengebhren betreiben kann. 
(Katherina Reiche [CDU/CSU]: Was ist mit den Niederlanden?)
Mit Ihrer Politik fhren Sie die soziale Spaltung ein. Diesen Weg gehen wir nicht mit. 
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt der Kollege Hellmut Knigshaus von der FDP-Fraktion.
Hellmut Knigshaus (FDP): 
Herr Prsident! Meine Damen und Herren! Herr Tauss, Ihre Beitrge im Ausschuss haben meistens hohe Qualitt. Dieser Beitrag hatte die Qualitt Ihrer Zwischenrufe, die Sie hier im Plenum machen.
(Jrg Tauss [SPD]: Die sind ja auch gut!)
Ich will Ihnen einmal etwas sagen: Sie machen sich hier zum Anwalt der Jugend und der Heranwachsenden. Sie aber sind diejenigen, die diesen Menschen Zeit stehlen durch das Fortbestehen der Wehrpflicht. Sie stehlen ihnen auch Zeit durch unzureichende Studienbedingungen; dadurch geht Zeit verloren. Sie nehmen diesen Menschen Lebenszeit.
(Beifall bei der FDP)
Ich will zur Sache kommen; denn das Bundesverfassungsgericht hat ber andere Dinge entschieden. Es wird Sie nicht wundern, dass die FDP-Fraktion dieses Urteil begrt. Es besagt ganz klar, dass das Verbot von Studiengebhren nicht nur falsch war, sondern sogar nichtig. Diese Bewertung - das sage ich auch in Richtung der Bundesregierung - ist geradezu vernichtend fr Ihre Politik.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Endlich ist die Blockade durchbrochen. Endlich knnen die Lnder ihren Hochschulen auch wirtschaftlich die Autonomie gewhren, die sie brauchen. 
(Jrg Tauss [SPD]: Die haben sie doch schon heute!)
Sie sollten dies jetzt auch schnellstmglich tun.
(Beifall bei der FDP)
Das von Ihnen durchgesetzte Verbot von Studiengebhren war ein groer Fehler. Ich sage Ihnen auch, warum: Die Hochschulen wurden bis heute daran gehindert, einen Wettbewerb um die Qualitt der Lehre zu fhren. Jeder, der mit einem deutschen Studienabschluss im Ausland erscheint, ist drei oder vier Jahre lter als jemand aus einem anderen Land. Zudem wird er noch schief angesehen, weil bekannt ist, unter welchen Bedingungen er in Deutschland studiert hat.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Gut ausgestattete, leistungsfhige Hochschulen liegen deshalb in unser aller Interesse. Dies liegt aber vor allem im Interesse des einzelnen Studierenden. Es geht hier also nicht um Ideologien. Es geht um den Wettbewerb um die Studierenden; denn nur dadurch wird die Qualitt der Lehre gehoben. 
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU - Jrg Tauss [SPD]: Durch Verdrngung!)

Und das wird nicht durch Verdrngung, lieber Herr Tauss, sondern durch die Strkung der Nachfragemacht der Studenten ermglicht. Dazu gehrt die Abschaffung der ZVS und der Studentenlandverschickung;
(Beifall bei Abgeordneten der FDP)
dazu gehrt die Abschaffung der Kapazittsverordnungen;
(Jrg Tauss [SPD]: Ja, ja, ja!)
dazu gehrt aber vor allem ein neues, ein ausreichendes Finanzierungssystem.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Die Grundfinanzierung bleibt Aufgabe des Staates. Aber wir mssen zur Kenntnis nehmen - das sagen Sie uns doch bei jeder Haushaltsberatung -, dass die ffentlichen Mittel nicht mehr ausreichen, um alle Aufgaben wirklich vernnftig zu erfllen. Wir knnen es uns eben nicht mehr leisten, unsere Hochschulen finanziell so auszustatten, dass unsere Studenten - nicht nur die Hochschulen - auch international wettbewerbsfhig sind. Darauf kommt es uns an. Deshalb mssen wir nach neuen Quellen fr die Hochschulfinanzierung suchen.
(Jrg Tauss [SPD]: Eigenheimzulage!)
- Steinkohle, Herr Tauss. 
(Jrg Tauss [SPD]: Nein, Eigenheimzulage!)
Das ist sicherlich beschwerlich und erfordert ein schmerzliches Abschiednehmen von Gewohntem. Aber wir werden eben nicht darum herumkommen, die Studierenden angemessen an den Kosten ihrer Ausbildung zu beteiligen. Sie sind dann ja auch diejenigen, die von einer qualifizierten Ausbildung profitieren. Das ist eben - anders, als Sie es darstellen - ein Gebot der Fairness gerade gegenber denjenigen, die Kinder groziehen, denen Sie nach wie vor teilweise sehr hohe Entgelte fr die Kindergrten zumuten.
(Jrg Tauss [SPD]: Sie mssen doppelt zahlen!)
- Ach, Quatsch.
Der Zwang, von denjenigen, die von einem Studium persnlich profitieren, Entgelte zu erheben, ist auch fr uns schmerzlich. Aber wir kommen nicht darum herum, uns auch schmerzlichen Erkenntnissen zu stellen. Wir - Sie knnen gern im Abgeordnetenhandbuch nachschauen, Herr Tauss; ich habe zwei Tchter - 
(Heiterkeit bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
und auch Sie sollten es als Chance betrachten, wenn wir zu einem grundstzlichen berdenken unserer bisherigen Systeme gezwungen sind. Qualittswettbewerb erfordert als Voraussetzung vor allem, dass die Hochschulen sich ihre Studierenden und, umgekehrt, die Studenten sich ihre Hochschule aussuchen knnen. Darum geht es. Deshalb ist es erforderlich, dass die Hochschulen die Studienentgelte erheben drfen, um die Qualitt ihrer Lehre zu verbessern.
(Jrg Tauss [SPD]: Wie viel haben Sie bezahlt?)
- Ich habe BAfG zurckgezahlt, und zwar krftig. Das vergessen Sie, lieber Herr Tauss.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Sie erzhlen hier nmlich was vom Pferd. Offenbar mussten Sie kein BAfG in Anspruch nehmen.
(Jrg Tauss [SPD]: Additiv!)
Wir wissen: Niemals knnen Studienentgelte kostendeckend sein. Das mssen sie auch nicht, wenn sie von den Lndern nicht zum Stopfen von Haushaltslchern missbraucht werden. 
(Jrg Tauss [SPD]: Wie in Baden-Wrttemberg, Herr Kollege!)
Sie mssen nmlich neben dem Grundstock der ffentlichen Finanzierung zur Beseitigung von bestehenden Defiziten der Lehre an den Hochschulen verwendet werden, nicht zur Beseitigung von Defiziten im Landeshaushalt. Deshalb mssen alle Studienentgelte vollstndig bei den Hochschulen verbleiben, 
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
und zwar zustzlich zu den bestehenden staatlichen Finanzierungen. Deshalb muss es den Hochschulen selbst berlassen bleiben, ob und in welcher Hhe sie Studienentgelte erheben und wozu sie sie verwenden.
(Jrg Tauss [SPD]: Ah!)
Herr Prsident, ich komme gleich zum Schluss. Ich musste ja auf die Zwischenrufe - man muss fast sagen: die Hochrufe - von Herrn Tauss eingehen.
Es muss einer Hochschule auch finanziell nutzen, wenn sie Qualitt anstrebt, sodass ihre Studienpltze von Studenten nachgefragt werden. Dann wird sich in Deutschland die Qualitt der Hochschulen tatschlich verbessern.
Es ist ganz klar: Nur fr die Finanzierungsmodelle ist der Staat zustndig. Genau so, wie es jetzt beim BAfG ist, wird es auch in Zukunft sein.
(Jrg Tauss [SPD]:Wer zahlt?)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Herr Kollege Knigshaus, kommen Sie jetzt wirklich zum Schluss.
Hellmut Knigshaus (FDP): 
Ich komme zum Schluss, Herr Prsident; vielen Dank. - Deshalb begren wir die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts. Kommen Sie zur Vernunft! Sehen Sie die Chancen, die damit verbunden sind!
Danke schn.
(Beifall bei der FDP und der CDU/CSU)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt die Kollegin Grietje Bettin von Bndnis 90/Die Grnen.
(Beifall bei Abgeordneten des BNDNISSES 90/ DIE GRNEN und der SPD)
Grietje Bettin (BNDNIS 90/DIE GRNEN): 
Herr Prsident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Knigshaus, Sie haben eben in Ihrem Debattenbeitrag pfel mit Birnen verglichen. Ich mchte am Anfang klarstellen: Das Bundesverfassungsgericht hat keine Entscheidung in der Sache getroffen; vielmehr hat es nur entschieden, wer in der Frage von Studiengebhren zustndig ist.
(Hellmut Knigshaus [FDP]: Eben! - Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Es hat bewiesen, dass Frau Bulmahn versagt hat!)
Die Lnder sind nun in der Pflicht, im Interesse der jungen Menschen gerechte Lsungen zu finden. Das ist die Hausaufgabe, die das Bundesverfassungsgericht den Lndern aufgegeben hat. 
Wir bedauern dieses Urteil, sind aber in der Sache nach wie vor von den Inhalten der 6. HRG-Novelle berzeugt. Die Gebhrenfreiheit fr das Erststudium ist fr uns Grne ein wichtiges politisches Anliegen.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Vor allem auf die Studierenden kommt nun eine Zeit enormer Unsicherheit zu. Einige unionsgefhrte Lnder wollen unverzglich Gebhren einfhren. Die Summen, die die Studierenden in die Landeskassen splen sollen, geistern schon seit langem herum. Aber, liebe Opposition, ich frage Sie: Wo ist das Konzept, mit dem Sie die soziale Auslese in unserem Bildungssystem gerade auch an den Hochschulen verhindern wollen?
(Jrg Tauss [SPD]: Wollen sie doch gar nicht!)
Wo sind die Stipendiensysteme, 
(Beifall des Abg. Jrg Tauss [SPD])
die Sie in Ihren Landeshaushalten knftig bereitstellen? Um ganz konkret zu werden: Herr Goppel sollte aufhren, in Sonntagsreden das Wort "Sozialvertrglichkeit" in den Mund zu nehmen und im Alltag die Kinder von nicht so reichen Eltern bildungspolitisch im Regen stehen zu lassen. 
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Bis heute habe ich von Ihnen noch keine vernnftige Lsung fr den Abbau des gewaltigen Schuldenbergs gesehen, der sich nach dem Studium durch Gebhren- und BAfG-Rckzahlungen anhufen wrde. Diese Schulden belasten genau die jungen Menschen, die eine Familie grnden wollen. Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Union, auch diese Frage sollten Sie einmal in Ihrer Familienkommission diskutieren. 
Diese Diskussion zeigt eindeutig: Studiengebhren zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland einzufhren ist nicht der richtige Schritt, um zu mehr Bildungsgerechtigkeit zu kommen.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Als Grne sehen wir die vordringlichen hochschulpolitischen Ziele darin, erstens die soziale Kluft auch im Studiensystem zu berwinden und zweitens die Mobilitt von Studierenden in Deutschland und Europa zu verbessern, statt zu behindern. Mit der 6. HRG-Novelle wollten wir in der Koalition einen Beitrag leisten, um die Schwelle zum Studium so niedrig wie mglich zu halten. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Das hat offenbar nicht funktioniert! Gucken Sie sich die Zahlen an! Leider grandios fehlgeschlagen!)
Wir brauchen mehr und nicht weniger Akademikerinnen und Akademiker in Deutschland. 
Deswegen muss unser politisches Ziel in den Lndern und im Bund sein, mehr junge Menschen zum Studieren zu befhigen und zu motivieren. Die Studienanfngerquote ist zwar seit Antritt der rot-grnen Regierung deutlich von 28 auf 36 Prozent gestiegen, 
(Beifall des Abg. Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD] - Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Das ist nicht der entscheidende Punkt! Es kommt darauf an, ob sie es schaffen!)
sie liegt aber noch weit unter dem OECD-Schnitt von 51 Prozent. Die notwendige Steigerung wird nur gelingen, wenn wir junge Menschen nicht von einem Studium abschrecken.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Deswegen sind Studiengebhren in Deutschlands derzeitiger Bildungsstruktur kontraproduktiv.
Auch der immer wieder bemhte Blick nach Amerika hilft uns nicht weiter. Dort gibt es so viele Stipendien, Kreditformen und Beihilfesysteme, dass Studierende inzwischen Agenturen beauftragen, die fr sie besten Finanzspritzen ausfindig zu machen. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Weil es zu kompliziert ist! - Jrg Tauss [SPD]: Und die Akademikerverschuldung steigt!)
- Und die Akademikerverschuldung steigt, wie der Kollege Tauss zu Recht anmerkt. - Deshalb kann man das amerikanische Ausbildungssystem berhaupt nicht mit dem deutschen vergleichen. 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Urteil stellt die Landesregierungen vor groe Herausforderungen. Wir werden sie daran messen, ob und wie sie einen Rckfall in die Kleinstaaterei vermeiden
(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Oh! Oh!)
und tragfhige Lsungen fr die studierwilligen jungen Menschen in unserem Land bieten. Die Lnder mssen ihre Hausaufgaben im Bereich der Bildungsfinanzierung endlich erledigen. Das ist die eigentlich zentrale Baustelle. Mit uns jedenfalls wird es keine politische Lsung geben, bei der am Ende der Bund noch die Lnderhaushalte aus dem BAfG-Topf mitfinanziert. 
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Abschlieend bleibt mir zu sagen: Im Interesse der Zukunftsfhigkeit unseres Landes darf es keine Schnellschsse in einzelnen Lndern geben, die noch mehr Menschen vom Studieren abhalten. Wir brauchen eine Verstndigung aus dem Blickwinkel der Studierenden und der bildungspolitischen Notwendigkeiten und nicht aus Sicht der klammen Lnderkassen.
Danke schn.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat die Kollegin Katherina Reiche von der CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Herr Prsident! Meine liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Niederlage von Frau Bulmahn heute ist auch eine Niederlage der Regierung Schrder; denn der Bundeskanzler hlt seit Jahren an einer Ministerin fest, die bei jedem ihrer Projekte vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert ist.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Der Bundeskanzler hat zudem das grte Reformprojekt, nmlich die Fderalismusreform, genau an diesen die Hochschul- und Bildungskompetenz betreffenden Fragen scheitern lassen.
(Nicolette Kressl [SPD]: Das ist Bldsinn! Das war Herr Stoiber!)
Das Urteil heute war ein weiterer eindeutiger Beweis dafr, dass die Bildungs- und Hochschulpolitik nicht in dieser Art und Weise beim Bund verankert werden kann. Herr Bundeskanzler Schrder hat damit eklatante Fhrungsschwche bewiesen. Das hat das Gericht heute noch einmal dokumentiert.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Zudem hat das Gericht bereits im Sommer vergangenen Jahres festgestellt, dass der Bund nur Rahmenvorschriften erlassen darf und nur dann ein Gesetzgebungsrecht hat, wenn es um die Herstellung gleichwertiger Lebensverhltnisse geht. Schon im letzten Sommer konnte Frau Bulmahn nicht erklren, wie die Juniorprofessur zu gleichwertigen Lebensverhltnissen beitragen sollte. Seit Juni 2004 wusste Frau Bulmahn, was sie heute erwarten wrde. Statt sich auf den heutigen Tag vorzubereiten, hat sie dagesessen,
(Manfred Grund [CDU/CSU]: Sie sitzt nicht mal da!)
abgewartet und nichts getan.
(Jrg Tauss [SPD]: Wo ist denn Ihre Vorbereitung? - Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Nicht einmal das!)
Frau Bulmahn hat erklrt, solange sie Ministerin sei, gebe es keine Studienbeitrge.
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Ist sie nicht schon zurckgetreten?)
Was bedeutet diese Aussage eigentlich im Lichte der heutigen Entscheidung? Ist das die Ankndigung eines Rcktritts?
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU - Lachen bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Jrg Tauss [SPD]: Kommt jetzt die Selbstverbrennung? - Weiterer Zuruf von der SPD: Das ist ja selbst Ihren eigenen Leuten peinlich!)
Durch die Novelle des Hochschulrahmengesetzes sollten Studiengebhren verboten und die verfassten Studierendenschaften an den Hochschulen etabliert werden. Beides ist vom Bundesverfassungsgericht fr nichtig erklrt worden. 
Meine Damen und Herren, es gibt drei Profiteure leistungsfhiger Hochschulen: den Staat, die Wirtschaft und die Studierenden. Alle drei sind in der Pflicht, sich an der Finanzierung der Hochschulen zu beteiligen. Schon jetzt fehlen den Hochschulen zwischen 3 und 4 Milliarden Euro, davon 1 Milliarde fr die Lehre. Da der Staat dieses Geld nicht allein aufbringen kann, wir aber im internationalen Bildungswettbewerb bestehen mssen, ist es richtig, dass sich alle drei Profiteure an der Finanzierung der Hochschulen beteiligen mssen. Ihnen fllt dazu nur eines ein: Staatsdirigismus. Sie haben ber eine Erhhung der Erbschaftsteuer sowie die Einfhrung einer Vermgensteuer diskutiert und Sie wollen die Eigenheimzulage fr Gott wei was opfern.
(Jrg Tauss [SPD]: Ja, und Sie wollen die Studentensteuer!)
Wir haben von Anfang an gesagt, dass es auf die Eigenverantwortung ankommt und dass auch die Studierenden ihren Beitrag zur Entwicklung leistungsfhiger Hochschulen erbringen mssen.
(Jrg Tauss [SPD]: Pro Monat 700 Euro! Heute schon!)
Zudem haben Sie die Entwicklung in anderen Lndern nicht zur Kenntnis genommen.
(Jrg Tauss [SPD]: Schweden, Finnland und Frankreich!)
- Herr Tauss, Sie nennen Schweden und Finnland. Sie sollten sich aber auch einmal mit der Situation in den Niederlanden beschftigen; dort kostet ein Undergraduate-Studium 1 500 Euro pro Jahr. Auch in Grobritannien und sterreich wurden Studienbeitrge eingefhrt.
(Jrg Tauss [SPD]: Mit verheerenden Folgen!)
Von einer Studentenflucht ist dort weit und breit nichts zu sehen. Ganz im Gegenteil: Die Anzahl erfolgreicher Absolventen steigt,
(Jrg Tauss [SPD]: Wo denn? - Gegenruf der Abg. Ulrike Flach [FDP]: In Nordrhein-Westfalen, Herr Tauss!)
whrend in Deutschland jeder vierte Studierende sein Studium vorzeitig abbricht. 
Das Ziel von Frau Bulmahn ist eindeutig falsch. Sie will, dass so viele Jugendliche wie mglich eine gewisse Zeit ihres Lebens an einer Hochschule verbringen. Wir wollen, dass sie erfolgreich ihren Abschluss machen. Dazu ist es notwendig, die Qualitt von Forschung und Lehre zu verbessern.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Es gibt gute Grnde fr die Einfhrung von Studienbeitrgen. Der erste Grund, Herr Tauss, ist die soziale Gerechtigkeit. Deshalb brauchen wir ein neues Konzept zur Finanzierung der Bildung in diesem Land. Sie haben mglicherweise keine Kinder. Aber fragen Sie einmal junge Eltern, was sie dazu sagen, dass sie fr einen Kitaplatz pro Kind und Monat mehrere 100 Euro zahlen mssen,
(Jrg Tauss [SPD]: Knftig noch fr das Studium! Das ist familienfeindlich!)
whrend das Hochschulstudium - ein Jurastudium kostet 25 000 Euro, ein Medizinstudium 135 000 Euro - kostenlos ist.
Es kann nicht richtig sein, dass Nichtakademiker durch die Steuern, die sie zahlen, bis zu 90 Prozent der Kosten fr akademische Ausbildungen bernehmen,
(Michael Kretschmer [CDU/CSU]: Richtig!)
whrend die Hochschulabsolventen keinen Beitrag dazu leisten.
(Jrg Tauss [SPD]: 700 Euro im Monat laut Studentenwerk!)
Die Kosten tragen die Facharbeiter und die Krankenschwestern, die - wie wahrscheinlich auch Sie, Herr Tauss - nie eine Hochschule von innen gesehen haben.
(Heiterkeit und Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Der zweite Grund, der fr Studiengebhren spricht, ist, dass sie in unserem Hochschulsystem einen Qualittswettbewerb in Gang setzen wrden. Die Beziehungen zwischen Hochschullehrern und Studierenden wrden sich verndern. Frau Bulmahn bzw. Rot-Grn muss endlich in der Realitt ankommen. Die Anzahl Ihrer Untersttzer wird von Tag zu Tag geringer. Da gibt es den Sachverstndigenrat der Bundesregierung, den Sozialexperten Rrup, die Hochschulrektorenkonferenz, den Hochschulverband, der heute den Rcktritt von Frau Bulmahn fordert, 
(Jrg Tauss [SPD]: Oh ja! Wie originell!)
Forschungsinstitute und die Wirtschaft - sie alle weisen darauf hin, dass Studienbeitrge notwendig sind.
Natrlich sitzt der Spaltpilz auch bei Ihnen, meine Damen und Herren von Rot-Grn. Staatssekretr Berninger hat sich schon vor langer Zeit fr Studienbeitrge ausgesprochen. Herr Clement hat gesagt, er sei, was die Einfhrung von Studiengebhren betrifft, nicht so ablehnend, wie unterstellt werde.
(Zurufe von der CDU/CSU: Aha! - Ach nein!)
Als Herr Matschie noch Staatssekretr war und die Einfhrung von Studiengebhren befrwortete, bekam er von Frau Bulmahn einen Maulkorb verpasst.
(Jrg Tauss [SPD]: Die Kultusministerkonferenz!)
Auch Herr Wowereit und Herr Gabriel sind Befrworter von Studiengebhren.
Zum Schluss nenne ich Ihnen die Voraussetzungen fr die Einfhrung von Studiengebhren. Zum einen muss das Geld bei den Hochschulen verbleiben; zum anderen muss ihre Hhe tragbar sein. 500 Euro pro Semester sind eine gute Richtgre. Das hat heute auch das Bundesverfassungsgericht in der Begrndung seines Urteils klargestellt. Das Bundesverfassungsgericht hat auch festgestellt, dass wir Studienbeitrge als Chance fr einen Qualittswettbewerb begreifen mssen. Wenn Sie uns schon nicht glauben, dann vielleicht dem Bundesverfassungsgericht.

Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Frau Kollegin Reiche, kommen Sie bitte zum Schluss. 
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Stipendien und sozialvertrgliche Darlehen werden eingerichtet werden, Frau Bettin. Schauen Sie doch einmal zur KfW, die zu 80 Prozent vom Bund und zu 20 Prozent von den Lndern getragen wird; sie hat bereits Vorschlge gemacht. 
(Jrg Tauss [SPD]: Ja, genau!)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Frau Kollegin Reiche, Ihre Redezeit ist seit geraumer Zeit abgelaufen. 
(Jrg Tauss [SPD]: Ihre Zeit ist abgelaufen!)
Katherina Reiche (CDU/CSU): 
Schauen Sie, was die KfW gemacht hat! Schlieen Sie sich deren Modell an! Wir brauchen Studienbeitrge fr einen Wettbewerb um Qualitt an Hochschulen. 
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat die Kollegin Ute Berg von der SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Ute Berg (SPD): 
Herr Prsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe heute leider wie sehr hufig das Pech, nach Frau Reiche sprechen zu mssen.
(Jrg Tauss [SPD]: Da steigt der Adrenalinspiegel!)
Ich knnte natrlich die ganze Redezeit, die ich zur Verfgung habe, darauf verwenden, ihre Polemik zu entkrften. 
(Beifall bei der SPD - Jrg Tauss [SPD]: Nein, lass es! - Nicolette Kressl [SPD]: Lohnt sich ja nicht!)
Ich mchte mich aber lieber inhaltlich auf das konzentrieren, was ich Ihnen zu diesem Thema zu sagen habe.
(Jrg Tauss [SPD]: Ist auch besser so!)
Es ist richtig: Auf Sie einzugehen lohnt sich letztlich nicht. 
Die Debatte um Studiengebhren ist mit der Verkndung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts lngst nicht beendet. Im Gegenteil, die Diskussion wird jetzt erst richtig beginnen. 
(Zuruf von der CDU/CSU: Richtig!)
Zunchst einmal finde ich es aber wichtig, noch einmal zu unterstreichen, Frau Reiche, dass sich die sechs Richter und zwei Richterinnen des obersten Gerichts nicht inhaltlich mit der Frage eines gebhrenfreien Erststudiums auseinander gesetzt haben, sondern lediglich die Kompetenzfrage geklrt haben. Alles, was Sie aus dem Urteil abgeleitet haben, war also vllig daneben.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BNDNISSES 90/DIE GRNEN)
Nach Meinung des Bundesverfassungsgerichts liegt die Kompetenz fr die Regelung von Studiengebhren ausschlielich bei den Lndern - leider, fge ich aus meiner Sicht ausdrcklich hinzu. Wir als politisch Handelnde haben uns aber inhaltlich mit der Frage von Studiengebhren und deren Auswirkungen auseinander zu setzen. Der bayerische Wissenschaftsminister Goppel hat das Gegnern von Studiengebhren gegenber wie folgt getan: 
Blo weil daheim nichts ist, darf die Universitt nicht als Wrmestube missbraucht werden. 
(Jrg Tauss [SPD]: Ah ja, das ist doch deutlich!)
Eine absolut zynische Bemerkung jungen Menschen gegenber,
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN)
die eine Universitt besuchen, dort eine Ausbildung abschlieen und schlielich einen Beruf ergreifen wollen. Deutlicher kann man soziale Klte und gesellschaftliche Unausgewogenheit nicht dokumentieren. 
(Beifall bei der SPD)
Wir hingegen wollen die soziale Schieflage, die schon jetzt besteht, nicht noch mehr verschrfen. Wie Sie wissen, kommen schon jetzt nur 12 Prozent der Studierenden aus sozial schwachen - besser gesagt: aus finanziell schwachen - Familien. Sie knnten durch Gebhren zustzlich abgeschreckt werden. Auch fr Studierende aus Mittelstandsfamilien wre die Belastung stark.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Fr ein Bildungssystem wie das unsere, dem im OECD-Vergleich allerorten die hchste soziale Selektion bescheinigt wird,
(Ulrike Flach [FDP]: Ohne Studiengebhren!)
ist eine zustzliche soziale Barriere - eine zustzliche, Frau Flach - nicht hinnehmbar.
(Beifall des Abg. Jrg Tauss [SPD] und der Abg. Grietje Bettin [BNDNIS 90/DIE GRNEN])
Dass Studiengebhren abschreckend wirken, zeigt der internationale Vergleich: In England wurden 1998 Studiengebhren eingefhrt; im vergangenen Jahr wurden sie noch einmal deutlich erhht. Dies hatte nachweisbar einen abschreckenden Effekt. Im Jahr 2002 stieg die Zahl der Neueinschreibungen in England lediglich um 0,5 Prozent. In Schottland hingegen, wo es keine Gebhren gibt, stieg sie um 5,6 Prozent. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Das geht doch von einem ganz anderen Grundniveau aus!)
- Das kann man sehr wohl miteinander vergleichen. 
(Jrg Tauss [SPD]: Sehr gut sogar!)
Wenn Sie glauben, das nicht vergleichen zu knnen, nehmen wir ein Positivbeispiel: Irland. Hier galten bis 1996 die hchsten Studiengebhren in Europa. Aus Grnden der Chancengleichheit wurden die Gebhren dann abgeschafft. Der positive Effekt ist eklatant: Der Anteil der 24- bis 35-Jhrigen, die einen dem Hochschulabschluss vergleichbaren Abschluss erlangten, stieg kontinuierlich von 31 Prozent im Jahr 1996 auf 48 Prozent im Jahr 2002. 
(Beifall bei der SPD)
Bei uns beginnen nur 37 Prozent eines Jahrgangs ein Studium. Im OECD-Durchschnitt - das wurde eben schon von Frau Bettin erwhnt - sind es 51 Prozent. Wir brauchen also mehr Studierende
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Wir brauchen mehr private Bildung!)
und das erreichen wir garantiert nicht durch Gebhren. 
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Zuruf von der CDU/CSU: Studierende oder Absolventen?)
- Mehr Absolventen selbstredend auch. 
Niemand argumentiere bitte, es gbe keine Alternative zu Studiengebhren. Durch das Studienkontenmodell zum Beispiel, das in NRW und in Rheinland-Pfalz gesetzlich verankert ist, wird dafr gesorgt, dass Studierende zgig studieren und Hochschulen ein Studium effizient organisieren knnen. 
(Ulrike Flach [FDP]: Das sehen die Studenten aber anders!)
- Die Studenten sehen das manchmal anders. In diesem Punkt sind wir dann vielleicht nicht einer Meinung. Generell ist das aber ein wesentlich gerechteres Modell als das, was Sie jetzt einfhren wollen.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Jrg Tauss [SPD]: Das sagen auch die Studenten, Frau Flach!)
Es bietet zustzliche Anreize zur Weiterbildung, die kostenlos genutzt werden knnen, wenn das Studium so zgig abgeschlossen wird, dass das Konto noch nicht aufgebraucht ist.
Falls nach diesem Gerichtsurteil nun einige Bundeslnder Studiengebhren fr das Erststudium einfhren - was zu erwarten ist -, dann sind bundesweite Regelungen zur Sicherung des freien Zugangs zum Studium und zur Wahrung gleicher Wettbewerbsbedingungen notwendig. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Mit welcher Kompetenz?)
Es wre fatal, wenn Bayern es bei den Hochschulabsolventen wie mit den Abiturienten machen wrde: weniger ausbilden, um Kosten zu sparen, und den Bedarf ber Importe aus anderen Bundeslndern abdecken.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Jrg Tauss [SPD]: Das haben sie vor!)
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das selbst von den extremsten Fderalisten gewollt ist.
(Jrg Tauss [SPD]: Doch, Bayern will es!)
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir mssen gemeinsam dafr sorgen, das es keine eklatanten Ungerechtigkeiten zwischen den Lndern und vor allem fr die betroffenen jungen Menschen gibt.
(Beifall bei der SPD sowie des Abg. Dr. Reinhard Loske [BNDNIS 90/DIE GRNEN])
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt der Kollege Michael Kretschmer von der CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Michael Kretschmer (CDU/CSU): 
Herr Prsident! Meine Damen und Herren! Zunchst einmal sollten wir uns zwei Dinge klar vor Augen fhren: 
Erstens. Frau Bulmahn und die Bundesregierung haben heute wieder eine groe Niederlage erlebt. Das hat sich bereits mehrfach wiederholt. Beim Verbot der Studiengebhren, bei den verfassten Studierendenschaften und bei der Juniorprofessur hat das Bundesverfassungsgericht die Bundesregierung in die Schranken verwiesen und gesagt, was Recht ist und was nicht Recht ist. 
Zweitens. Das Bundesverfassungsgericht hat sich sehr wohl inhaltlich mit den Studiengebhren auseinander gesetzt. Es sagt nmlich, dass es berhaupt kein Problem darin sehen wrde, wenn es unterschiedliche Regelungen in unterschiedlichen Lndern geben sollte. Es sehe darin sogar eine Chance fr die Lnder, die Qualitt der Hochschulen und die wertbewusste Inanspruchnahme ihrer Leistungen zu frdern. 
(Jrg Tauss [SPD]: Das warten wir einmal ab!)
Das zeigt ganz eindeutig, dass das Bundesverfassungsgericht die Einfhrung von Studiengebhren als unproblematisch ansieht und dass die Bundesregierung hier einmal mehr falsch Ma nimmt.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU - Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Das denken Sie mal nicht!)
Ich sage Ihnen noch eines: Wer so etwas permanent erlebt, der muss zurcktreten, weil er es nicht kann.
(Beifall bei der CDU/CSU - Zurufe von der SPD: Oh!)
Das fordert heute unter anderem auch der Hochschulverband. Er sagt: Das Ma ist voll, die Bundesministerin soll die politische Verantwortung bernehmen und zurcktreten. Wie schlimm muss es denn kommen, bis hier endlich Konsequenzen folgen? 
 Ich finde es vollkommen verstndlich, dass die Ministerin heute nicht hier ist und ihren Staatssekretr geschickt hat. Bei dem, was heute geschehen ist, ging es nur um die Spitze einer Reihe von Verantwortungslosigkeiten.
(Ute Berg [SPD]: Jetzt reicht es aber! Sie plustern sich auf!)
- Frau Kollegin Berg, wir haben heute eine Diskussion erlebt, die Sie bereits vor 20 Jahren gefhrt haben, als Sie noch auf den bildungspolitischen Barrikaden gestanden, sich darber aufgeregt haben und uns erzhlen wollten, was alles nicht geht. 
Meine Damen und Herren, die Zeit geht ber Sie hinweg. Gehen Sie raus und sprechen Sie mit den Studenten! Immer mehr werden Ihnen sagen, dass sie fr Studiengebhren sind.
(Lachen bei der SPD)
Das hat einen ganz einfachen Grund; denn anders als Sie hier erleben die Studierenden, wie die Studienbedingungen sind. Sie wissen, dass zwei Sachen nicht zusammengehen, nmlich mit dem gleichen Geld eine hhere Qualitt zu erreichen, noch dazu mit mehr Studierenden. Wir brauchen frisches Geld in diesem System.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Deswegen sagen die Studenten: Wenn die Qualitt an unseren Hochschulen dadurch zunimmt, wenn das Geld also bei uns ankommt, dann sind wir sehr wohl bereit, etwas dafr zu tun. Das ist auch meine und die Position der jungen Abgeordneten in der CDU/CSU-Fraktion.
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Und die der CDU/CSU-Fraktion?)
Vor wenigen Monaten haben wir das Papier "Elf Schritte zu einem leistungsfhigen Hochschulsystem" verfasst. Aus diesem geht ganz klar hervor: Studiengebhren knnen ein Beitrag fr ein Hochschulsystem sein, das uns weiterbringt. 
Dazu gehrt sicherlich noch mehr und darber wollen wir gerne reden. Dazu gehrt beispielsweise ein Darlehen- und Stipendiensystem, das im brigen national einheitlich sein kann - finanziert durch die KfW -, und es wre Aufgabe der Bundesministerin gewesen, ein entsprechendes Modell vorzulegen. Man fragt sich schon, was sie in den letzten Monaten und Jahren getan hat, als sie abstruse Gesetze verfasst hat, bei denen absehbar war, dass sie scheitern. In dieser Zeit htte sie mit der KfW verhandeln und ein Modell vereinbaren knnen, das uns weiterbringt.
(Jrg Tauss [SPD]: Was wollen Sie mit der KfW?)
Eines ist wohl klar: Wir geben in Deutschland sehr viel Geld fr die Hochschulen aus. Wir geben hnlich viel Geld wie in Amerika aus, ungefhr 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der Unterschied zu Amerika ist aber, dass dort ungefhr 1,2 Prozent aus privaten Quellen hinzukommen.
(Jrg Tauss [SPD]: Durch die Wirtschaft, mein Lieber!)
Das macht den Unterschied aus. Das ist der Grund, warum die deutschen Studierenden nach Amerika schauen und sich wnschen, dass auch ihre Klausuren innerhalb weniger Wochen bearbeitet werden, dass sie ihre Professoren persnlich kennen und nicht in berfllten Hrslen sitzen mssen. 
Ich kann Ihnen nur eines sagen: Kommen Sie wieder auf den Teppich zurck! Schauen Sie sich die Realitt an! Schauen Sie sich an, was in anderen Lndern gemacht wird! 
(Jrg Tauss [SPD]: Fahren wir mal nach Schweden!)
Dafr brauchen wir gar nicht nach Westen zu schauen. Ein Blick nach Polen, in die Ukraine oder die Tschechische Republik reicht aus. Dort werden solche Diskussionen nicht gefhrt. Dort hat man sich gesagt: Leistung muss zhlen und die Qualitt muss stimmen. Es geht um die Zukunft des Einzelnen. Daher ist man fr solche Wege durchaus offen. 
Es gehrt sicher noch vieles andere dazu. Es gehrt dazu, dass die Hochschulen auch in finanzieller und in personeller Hinsicht mehr Autonomie bekommen. Es gehrt dazu, dass Forschung an Hochschulen nicht mehr als Belastung gesehen, sondern gefrdert wird. Deswegen haben wir das Modell der Vollkostenfinanzierung ins Spiel gebracht. 
(Jrg Tauss [SPD]: Die Exzellenzinitiative wurde gestoppt!)
- Die Exzellenzinitiative ist eine Pleite in einer Grenordnung, wie sie eigentlich gar nicht sein darf. 
(Jrg Tauss [SPD]: Ja, die habt ihr blockiert!)
- Nein, liebe Kollegen. Wir erkennen durchaus an, was in einem Rechtsstaat mglich ist. 
(Ute Berg [SPD]: Das ist ja wohl ein Witz!)
Das ist der Unterschied zu Ihnen: Sie wissen gar nicht, wie Sie die Vorschlge, die Sie machen, finanziell umsetzen wollen. Sie planen mit Geld, das Sie gar nicht haben. Zeigen Sie uns, wo Sie es hernehmen und stellen Sie es in die Vollkostenfinanzierung ein! 
(Ute Berg [SPD]: Das steht im Haushalt!)
Dann knnen wir den Hochschulen und der Wissenschaft in Deutschland wirklich helfen.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich will Ihnen nur die Information zukommen lassen, dass die Frau Ministerin Bulmahn - das ist mir mitgeteilt worden - aufgrund der Flugverkehrslage daran gehindert wurde, zu dieser Aktuellen Stunde pnktlich anwesend zu sein.
(Jrg Tauss [SPD]: Sie htten diesen Termin auch auf morgen legen knnen! Das ist ja unglaublich! - Gegenruf der Abg. Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Es soll ja auch bei Ihnen Geschftsfhrer geben!)
Das Wort hat jetzt der Kollege Dr. Reinhard Loske vom Bndnis 90/Die Grnen.
Dr. Reinhard Loske (BNDNIS 90/DIE GRNEN): 
Herr Prsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu den Flugverkehrsverbindungen mchte ich jetzt nichts sagen. Vielmehr mchte ich auf das Urteil des heutigen Tages eingehen. Es ist nun einmal so: Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass es das Prinzip der Gleichwertigkeit der Lebensverhltnisse nicht rechtfertigt, die Frage der Studiengebhren bundeseinheitlich zu regeln. Das ist so. Da beit die Maus keinen Faden ab. Das ist aus unserer Sicht bedauerlich, aber zu respektieren.
Umgekehrt kann man sagen: Wenn dann ein mglicherweise entstehender Flickenteppich dazu fhrt, dass die Gleichwertigkeit der Lebensverhltnisse tangiert wird, dann wre wieder der Bund gefragt. Aber jetzt ist es so, wie es ist. Trotzdem sollten wir uns darber einig sein, keine Schnellschsse zu machen. Vielmehr mssen sich die Bundeslnder zusammensetzen, um eine vernnftige Lsung zu finden. Ich glaube, das steht jetzt an. 
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dass an unseren Universitten nicht alles zum Besten bestellt ist, kann man ohne weiteres sagen. Ich habe mir vier Aspekte herausgesucht. Die durchschnittliche Studiendauer in Deutschland - sie ist inzwischen krzer geworden - liegt immer noch bei sechs Jahren; der OECD-Schnitt sind 4,8 Jahre. Der Anteil der Studienanfnger betrgt in Deutschland 36 Prozent; 1998 waren es 28 Prozent. Zwar ist ein Anstieg zu verzeichnen, aber der OECD-Durchschnitt liegt mit 51 Prozent wesentlich hher. 
Die Zahl der Studienabsolventen liegt in Deutschland - auch diese ist seit 1998 gestiegen - bei mittlerweile 20 Prozent; der OECD-Schnitt sind 32 Prozent. Das heit, ein Viertel bis ein Drittel der Studierenden - das ist ein groer Anteil - verlsst die Hochschulen heute ohne Abschluss. Der vierte und letzte Punkt: Auch mit der sozialen Zusammensetzung der Studierenden ist es nicht zum Besten bestellt. 73 Prozent der Beamtenkinder, aber nur 12 Prozent der Arbeiterkinder studieren. Diese soziale Asymmetrie ist problematisch. Das zeugt in ganz besonderer Weise von der hohen Selektivitt unseres Schulsystems.

Die politische Frage, vor der wir jetzt stehen, ist: Was knnen wir tun, damit wir in diesen Bereichen noch besser werden und wir ber die Fortschritte hinaus, die wir zwischen 1998 und heute erreicht haben, weitere Fortschritte erzielen? Ich kann das jetzt nur allgemein beantworten und nicht ins Detail gehen.
Der erste Punkt ist, dass unser Schulsystem besser werden muss. Der zweite ist - das klang vorhin an -, dass wir eine grere Autonomie der Hochschulen brauchen, und zwar eine grere Finanzautonomie, Personalautonomie und die Mglichkeit, Schwerpunkte zu setzen.
(Beifall des Abg. Dr. Gnter Krings [CDU/ CSU])
Wir brauchen ein modernes Dienstrecht.
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Vllig richtig!)
Wir haben mit der Juniorprofessur begonnen. Beim Wissenschaftstarifvertrag mssen wir noch etwas dafr machen.
Jetzt komme ich zur Frage der Hochschulfinanzierung und der Studiengebhren. Wir wehren uns dagegen, dass das Thema auf die Frage der Studiengebhren verengt wird.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Was die Finanzierungsquellen betrifft, so gibt es zunchst einmal die Finanzierung durch den Staat, weil das eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
(Beifall des Abg. Jrg Tauss [SPD])
Dann gibt es die Mglichkeiten, Stiftungskapital zu mobilisieren, Forschungsmittel einzuwerben, Hochschulen zu Weiterbildungssttten weiterzuentwickeln und durch Patentverwertungen Geld einzunehmen.
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Sehr gut!)
Das alles sind Finanzierungsquellen, die wir ins Auge fassen. Wir tun etwas dafr, dass diese genutzt werden. Die sind fr unsere Hochschulen sehr wichtig. Es ist falsch, das Problem auf Studiengebhren zu reduzieren, wie Sie das machen.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD - Michael Kretschmer [CDU/ CSU]: Das macht keiner! Sie haben Studiengebhren verboten! Das ist ein Unterschied!)
- Doch, das tun Sie. 
Die Frage ist: Was mssen wir, wenn wir ber Bildungsfinanzierung reden, bercksichtigen? Das sind aus unserer Sicht vor allem drei Dinge: Erstens. Wir mssen dafr sorgen - das wurde bereits gesagt -, dass soziale Auslese vermieden wird. Die Bildungsbrokraten sprechen davon, dass Bildungsreserven mobilisiert werden mssen. Umgangssprachlich kann man sagen: Jeder, der kann, soll studieren drfen. Es darf nicht am Geldbeutel der Eltern scheitern. Das ist ganz wichtig.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Zweitens. Wir mssen die Mobilitt der Studierenden garantieren. Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass wir ber den Bologna-Prozess und das European Credit-Point-System diskutieren, womit wir die Mobilitt der Studierenden sicherstellen wollen, aber es den Studenten unmglich machen, aus finanziellen Grnden von Bonn nach Heidelberg oder Mnchen zu wechseln. Das passt einfach nicht zusammen.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD - Hellmut Knigshaus [FDP]: Das will auch keiner!)
Diese Art von Kleinstaaterei ist problematisch.
Drittens. Hier sitzen im Wesentlichen Bildungspolitiker, aber auch - so hoffe ich - einige Leute, die in Sachen Finanzpolitik ein gewisses Urteilsvermgen haben. Die Gefahr ist sehr real, dass mit der Einfhrung von Studiengebhren der Rckzug des Staates aus der Bildungsfinanzierung einhergeht. Heute war in der "FAZ" zu lesen, dass Ministerprsident Mller - der es kaum schafft, einen verfassungskonformen Haushalt im Saarland aufzustellen - Studiengebhren an der Universitt Saarbrcken einfhren will. Was wird das zur Folge haben? Dass das Saarland natrlich weniger Geld fr seine Hochschulen ausgibt. Das kann man sich doch an fnf Fingern abzhlen.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Wir werden in den nchsten Wochen eine intensive Diskussion haben. Die Kollegin sagte eben, dass das erst der Anfang der Debatte sei, nicht das Ende. Wir glauben, dass das System der Bildungsgutscheine bzw. der Studienkonten, wie es in NRW und Rheinland-Pfalz entwickelt worden ist, eine sehr attraktive Alternative ist. Da haben die Studierenden mehr Gestaltungsfreiheit und ihre Position wird gestrkt. Wenn man das damit kombiniert, dass die Hochschulfinanzierung mehr durch die Nachfrage gesteuert wird, dann ist das der richtige Ansatz. Dafr setzen wir uns ein. Das werden wir in den nchsten Wochen und Monaten noch deutlicher machen.
Danke schn.
(Beifall beim BNDNIS 90/DIE GRNEN und bei der SPD)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt der Kollege Dr. Georg Nlein von der CDU/CSU-Fraktion.
Dr. Georg Nlein (CDU/CSU): 
Herr Prsident! Meine Damen und Herren! Dem, was der Kollege Loske gerade gesagt hat, kann man
(Jrg Tauss [SPD]: Nichts hinzufgen!)
in weiten Teilen zustimmen. Auch wir wollen niemanden vom Studium ausschlieen, wenn er das Potenzial hat.
(Beifall bei der CDU/CSU - Jrg Tauss [SPD]: Ihr habt es doch in Bayern angekndigt!)
- Nein, wir wollen das nicht, Herr Tauss. Auch wenn Sie es lange genug behaupten, es wird nicht wahrer.
Es gibt aber ein ehernes Gesetz in der Wirtschaft: Investitionen hngen von den Erwartungen in die Zukunft ab. Wenn die Renditeerwartungen fehlen, dann fehlen die Investitionen. So hnlich ist das mit dem Studium. Auch das Studium ist eine Investition in die Zukunft. Die Renditeerwartungen sind Beschftigungs- und Verdienstmglichkeiten.
Ich bin mir sicher, dass Studiengebhren niemanden vom Studium abhalten, solange die Finanzierung gesichert ist und solange die Renditeerwartungen vorhanden sind. Sonst msste es in den USA prozentual weniger Studienanfnger geben als bei uns. Fakt ist: Es sind laut OECD fast doppelt so viele. 
Nun will ich die USA, bevor Sie gleich Einwnde bringen, nicht als leuchtendes Beispiel darstellen.
(Jrg Tauss [SPD]: Sehr gut!)
Gebhren bis 30 000 Dollar sind fr uns kein Thema. Trotzdem verffentlicht die OECD meiner Meinung nach bemerkenswerte Zahlen. 
(Jrg Tauss [SPD]: Wie viel wollt ihr denn in Bayern?)
In den USA liegen die Bildungsrenditen - das heit, die Relation zwischen den Ausgaben und den sich aus dem Studium ergebenden spteren Verdienstmglichkeiten - bei etwa 15 Prozent. In Deutschland sind es 9 Prozent. In den USA studieren 19,7 Prozent der Kinder von Nichtakademikern. In Deutschland sind es trotz fehlender Studiengebhren nur 12 Prozent.
Deshalb fordere ich Sie auf: Wenn Sie den Studenten etwas Gutes tun wollen, dann kmmern Sie sich nicht um Dinge, die Sie nichts angehen! Kmmern Sie sich nicht um Studiengebhren! Sorgen Sie vielmehr fr Chancen nach dem Studium! Machen Sie eine bessere Wirtschaftspolitik! 
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Das wrde den Studenten in besonderer Weise helfen. Es geht schlielich um die Mglichkeiten, die sich nach Abschluss eines Studiums bieten. 
(Jrg Tauss [SPD]: Das ist ja goldig!)
Ein Studium stellt wie die Meisterprfung im Handwerk eine Investition dar - nur dass der Handwerker seine Kosten selber trgt. Ich will keine Diskussion da-rber beginnen, warum das so ist und ob es gerecht ist. Entscheidend ist, in was man investiert und welche Qualitt das erlangte Gut aufweist. 
Es war bereits davon die Rede, dass die internationale Wettbewerbsfhigkeit unserer Unis auf dem Spiel steht, weil die Finanzkrise in den ffentlichen Haushalten auch die Hochschulen erreicht hat. Sie werden sicherlich das Argument anfhren - in diesem einen Punkt sind Sie sich wahrscheinlich einig -, das sei Lndersache. Aber auch in dieser Frage steht die Bundesregierung wegen der verfehlten Politik und wegen ausbleibenden Steuereinnahmen in einer besonderen Verantwortung.
Wir haben heute eine Reihe von guten Argumenten zugunsten von Studiengebhren gehrt. 
(Jrg Tauss [SPD]: Welche? Wiederholen Sie die einmal!)
- Dazu habe ich leider nicht die Zeit. Wenn Sie zugehrt htten, Herr Tauss, dann wssten Sie, welche ich meine. 
(Jrg Tauss [SPD]: Nicht eines habe ich gehrt! - Gegenruf des Abg. Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Ohren auf!)
Wenn die Studiengebhren durch Stipendien und sozialvertrgliche Darlehen abgefedert werden und wenn die Einnahmen zweckgebunden on top den Universitten zugute kommen, 
(Jrg Tauss [SPD]: Wie heute schon!)
dann sprechen gute Argumente fr ihre Einfhrung. 
Sie haben heute schon Ihre Bedenken geuert. Ich sage Ihnen aber offen, dass ich in dieser Frage mehr Vertrauen in die Lnder als in die Bundesregierung habe. Ich nenne nur das Stichwort Maut. Auch in diesem Zusammenhang ist versprochen worden, zustzliche private Mittel in die Investitionen mit einflieen zu lassen. Fakt ist: Sie gleichen nur Ihren Haushalt aus. 
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Wie bitte?)
Es gibt viele Befrworter von sozialvertrglich abgefederten Studiengebhren. Dazu gehren der Sachverstndigenrat sowie - laut einer "Forsa"-Umfrage - die Mehrheit der Studierenden,
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Wie bitte? - Jrg Tauss [SPD]: Das ist doch nicht wahr!)
der Brger und der Ministerprsidenten - darunter auch Herr Platzeck - und nach aktuellem Stand auch Wirtschaftsminister Clement. Fragen Sie ihn doch einmal, warum er Studiengebhren befrwortet! 
Die rot-grne Ideologie hebt sich ber alles hinweg: ber die Genossen, Argumente, Kompetenzen und ber die Verfassung. Letzteres hat das Bundesverfassungsgericht glcklicherweise gestoppt.
Schlimm ist aus meiner Sicht, dass Sie die Hoheit ber die Kinderbetten und die Katheder der Professoren erlangen wollen. Das Schlimmste aber ist, dass Sie in diesem Punkt die Fderalismuskommission und damit die Fderalismusreform haben scheitern lassen.
(Nicolette Kressl [SPD]: Das ist eine Lge! - Jrg Tauss [SPD]: Das ist eine Lge!)
- Das ist keine Lge. Weil der Bund Kompetenzen im Bereich der Bildung gefordert hat, ist die Fderalismuskommission gescheitert. 
(Nicolette Kressl [SPD]: Das ist eine Lge! - Jrg Tauss [SPD]: Das ist definitiv eine Lge!)
Vielleicht bringt Sie jetzt das zweite eindeutige Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Nachgeben und Einlenken zugunsten eines Neuanfangs auch in diesem Bereich. Dann kme Deutschland voran. Das groe Ziel von Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln. 
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat der Kollege Heinz Schmitt von der SPD-Fraktion.
(Beifall bei der SPD)
Heinz Schmitt (Landau) (SPD): 
Herr Prsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Nlein, ich mchte nicht auf Ihre komplette Rede eingehen,
(Zuruf von der CDU/CSU: Schade!)
aber lassen Sie mich dazu Folgendes anmerken: Sie haben einen technologischen Vortrag gehalten. Es geht jedoch bei der Bildung um Menschen. Es geht nicht in erster Linie um Bildungsinvestitionen, sondern um die Zukunft unserer Gesellschaft. Dabei geht es um Menschen. 
(Beifall bei der SPD - Dr. Georg Nlein [CDU/CSU]: Genau darber habe ich gesprochen!)
Ich teile auch nicht Ihre Meinung, Frau Bhmer, dass dies ein guter Tag fr unser Land sei. Ich denke, es ist eher ein schwarzer Tag.
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Das ist das Gleiche!)
Wer behauptet, dass es ein guter Tag sei, der lebt meiner Meinung nach in einer anderen Welt. 
(Beifall bei der SPD)
Heute wurde uns nicht die Entscheidung ber Stu-diengebhren abgenommen. Das Bundesverfassungsgericht hat nicht darber befunden, ob Studiengebhren sinnvoll sind oder nicht. 
(Katherina Reiche [CDU/CSU]: Natrlich! Das steht im Urteil, Herr Schmitt!)
Das mssen wir auseinander halten. Die Politik steht auch weiterhin in der Verantwortung. Die Bildungspolitiker mssen nun ber die Einfhrung von Semesterzahlungen entscheiden. Ich betone in diesem Zusammenhang ausdrcklich: Sie tun es nicht nur fr ihr eigenes Land; sie mssen vielmehr auch gegenber den anderen Bundeslndern und dem gesamten Land Verantwortung tragen. 
Angesichts der Befunde, die wir in den letzten Jahren ber unser Bildungssystem gesammelt haben, wre es falsch, zu glauben, es knne jeder in dieser Frage seinen eigenen Weg gehen. Wir brauchen keine Ad-hoc-Entscheidungen. 
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Fakt ist: Die wichtigsten Schtze, ber die Deutschland verfgt, sind die Qualifikation und das Wissen der Menschen. Wir mssen dafr sorgen, dass uns diese wertvollen Grundlagen auch in Zukunft erhalten bleiben. Wir mssen bei allen berlegungen und bei aller Knappheit der Mittel das oberste Ziel im Auge behalten, jungen Menschen eine erstklassige Qualifikation zu geben. Das heit, dass junge Menschen studieren knnen, wenn sie die Voraussetzungen haben und es wollen.
 Ihnen, Kolleginnen und Kollegen, brauche ich nicht zu erklren - darauf ist heute schon fter hingewiesen worden -, dass in unserem Bildungssystem einiges im Argen liegt. Wir haben im Vergleich mit anderen Lndern eine relativ niedrige Quote an Hochschulabsolventen, obwohl wir schon vieles verbessert haben. 1998 haben nur 28 Prozent eines Jahrgangs ein Studium aufgenommen. Mittlerweile sind es 37 Prozent. Diese Steigerung haben wir durch eine Verbesserung des BAfG erreicht. Trotzdem sind wir im internationalen Vergleich noch immer nicht an erster Stelle. 
Wenn nun wie in einigen Bundeslndern ber die Einfhrung von allgemeinen Studiengebhren nachgedacht wird, dann ist dies ein Signal in die falsche Richtung. Wir reden hier ber Zusatzkosten, die gerade auf Schulabgnger aus Haushalten mit geringerem Einkommen, aber auch aus Haushalten mit durchschnittlichem Einkommen abschreckend wirken. Wenn Studiengebhren eingefhrt sind, muss ein Student lnger fr die Finanzierung seines Studiums arbeiten. Frau Reiche, Sie haben vorhin einen Vergleich zu sterreich gezogen, wo Studiengebhren eingefhrt wurden. Diese knnen nur wenige ohne zustzliche Arbeit zahlen. 1998 haben dort ber 20 Prozent der Studenten ber 35 Stunden pro Woche whrend des Semesters gearbeitet. Vier Jahre spter waren es 35 Prozent. Nicht erwerbsttig waren im Jahre 1998 50 Prozent. Vier Jahre spter waren es nur noch 33 Prozent der Studierenden, die ohne einen Job auskommen. Das sollte man auch beachten, wenn man Modelle anderer Lnder als Vergleich heranzieht. 
Eine andere Mglichkeit wre natrlich, dass sich die Studierenden fr die Absolvierung ihres Studiums verschulden. Aber in Zeiten, in denen ein Studium nicht mehr automatisch ein hheres Einkommen oder einen sicheren Arbeitsplatz bedeutet, ist auch dies keine verlockende Vorstellung. Wenn Jungakademiker oder Jungakademikerinnen in Zukunft einen eigenen Hausstand grnden, werden sie zuerst ihre Schulden abbauen, anstatt fr eine Eigentumswohnung oder die Einrichtung eines Kinderzimmers zu sparen. So wird die Realitt sein. Die von Ihnen immer wieder angefhrte soziale Abfederung bleibt relativ diffus und allgemein. Sie bieten keine konkrete Alternative an. 
Aus unserer Sicht berwiegt der Abschreckungseffekt den Nutzen von Studiengebhren bei weitem. 
(Beifall bei der SPD)
Wir sind daher fr ein gebhrenfreies Erststudium, wie dies zum Beispiel im Bundesland Rheinland-Pfalz durch ein Modell mit Studienkonten sichergestellt ist, das bundesweit Anreize zum Ausbau von Studienplatzangeboten setzt. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, Talente brachliegen zu lassen. Wir sollten fr junge Menschen, unabhngig von ihrer sozialen Herkunft, keine neuen Hrden bei der Aufnahme eines Studiums errichten. Bildung und Qualifizierung drfen nicht zum Privileg wohlhabender Familien werden.
Wenn unter Ihnen Kolleginnen und Kollegen sind, die aus Arbeiterhaushalten, aus Nichtakademikerhaushalten kommen, dann werden Sie sich noch sehr gut daran erinnern, wie wichtig bei der Entscheidung fr oder gegen eine gymnasiale Ausbildung bzw. die Aufnahme eines Studiums die solide Finanzierung durch BAfG war. Dieses Kriterium ist noch heute die Grundlage dafr, ob sich jemand aus einem Arbeiterhaushalt, aus einem Nichtakademikerhaushalt fr oder gegen die Aufnahme eines Studiums entscheidet. Ich bezweifle, ob die acht Damen und Herren in Karlsruhe diese Erfahrung gemacht haben; denn sonst wre es nicht zu der heutigen Entscheidung gekommen. 
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BNDNISSES 90/DIE GRNEN)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Herr Kollege, kommen Sie bitte zum Schluss.
Heinz Schmitt (Landau) (SPD): 
Dies muss auch in Zukunft ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung fr oder gegen Studiengebhren sein. Ich bitte Sie, bei den anstehenden Diskussionen zu beachten, dass die soziale Komponente bei der Entscheidung fr oder gegen die Aufnahme eines Studiums eine wichtige Rolle spielt. Ich denke, wir werden in der nchsten Woche noch intensiv darber diskutieren. 
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN)

Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt der Kollege Dr. Gnter Krings von der CDU/CSU-Fraktion.
Dr. Gnter Krings (CDU/CSU): 
Herr Prsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren Kollegen! Der heutige Tag ist in der Tat nicht nur fr die Zukunft der Hochschulen ein guter Tag, sondern auch fr den Fderalismus in diesem Lande; er ist schlecht fr all diejenigen auf der linken Seite des Hauses, die in bundespolitischen Allmachtsfantasien schwelgen und glauben, von Berlin aus knne die ganze Republik geregelt und reguliert werden.
(Widerspruch bei Abgeordneten der SPD - Ren Rspel [SPD]: Diese Allegorie ist aber widerlich!)
Die Bundesforschungsministerin steht am Tag der Studiengebhrenentscheidung und wenige Monate nach der Juniorprofessurentscheidung vor dem Scherbenhaufen ihrer Hochschulpolitik. Der Verfassungsgeber hat aus gutem Grunde nur eine "Rahmenkompetenz" des Bundes fr die "allgemeinen Grundstze des Hochschulwesens" vorgesehen. 
(Jrg Tauss [SPD]: Wir sind Verfassungsgeber!)
Zudem darf der Bundesgesetzgeber nur dann handeln, wenn eine bundeseinheitliche Regelung auch erforderlich ist. Das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach klargestellt, dass das Leitbild des Grundgesetzes keine schablonenhafte Gleichheit der Lnder, sondern nur gleichwertige Lebensverhltnisse sind.
Dass die Gleichwertigkeit eine bundesweite Studiengebhrenregelung erfordert, haben nicht einmal Ihre eigenen SPD-Ministerprsidenten in Karlsruhe vortragen wollen. Sie haben von dem Recht, dort angehrt zu werden, nmlich gar keinen Gebrauch gemacht; sie haben ihre Bundesforschungsministerin dort im Regen stehen lassen.
(Thomas Rachel [CDU/CSU]: Hrt! Hrt!)
Das Ergebnis lautet: keine Erforderlichkeit, keine Zustndigkeit des Bundes. So einfach kann Verfassungsrecht sein.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)
Unbeeindruckt von der klaren Sprache unseres Grundgesetzes trgt diese Bundesministerin - sie zieht es heute vor, nicht hier zu sein; wir haben gehrt, das habe flugtechnische Grnde; das akzeptieren wir natrlich - die Verantwortung nicht nur dafr, dass sie die Zustndigkeiten des Bundes berdehnt hat, sondern auch dafr, dass sie die Verfassungsgrundlage, den Boden des Grundgesetzes, in den Fragen der Hochschulpolitik eindeutig verlassen hat. Sie, meine Damen und Herren auf der linken Seite des Hauses, haben dazu die Hand gereicht; Sie haben bei diesem - in doppeltem Sinne - Handeln ohne Kompetenz mitgemacht. 
(Jrg Tauss [SPD]: Wir sind heute noch stolz darauf!)
Die Ministerin hat damit auch das Klima zwischen Bund, Lndern und Hochschulen vergiftet. Es ist gut, dass der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts diese Regierung heute - im brigen einstimmig - auf den Boden des Grundgesetzes zurckgeholt hat. Herr Schmitt, ich finde, es ist fast schon ein bisschen unverfroren, anzunehmen, dass die Richter in Karlsruhe die soziale Wirklichkeit gar nicht kennen. Ich wei von einigen Richtern dort mit einem sehr einfachen sozialen Hintergrund; sie mussten sich in diesem Land hocharbeiten. Glauben Sie mir: Das hat nichts mit Studiengebhren zu tun, sondern mit dem Willen, weiterzukommen. Dieser Wille ist bei jungen Menschen vorhanden. Sie wollen allerdings gute Studienbedingungen vorfinden, damit sich ihr Wille in guten Studienergebnissen niederschlagen kann.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP - Jrg Tauss [SPD]: Und einen Lottogewinn brauchen sie auch noch!)
Aufschlussreich fr Ihr Verhltnis zur bundesstaatlichen Ordnung insgesamt ist brigens immer noch die Begrndung fr das Hochschulrahmengesetz. Es lohnt sich, sich diese Begrndung noch einmal anzuschauen. Da tragen Sie allen Ernstes vor, eine Festschreibung der Gebhrenfreiheit sei notwendig, um Rechtssicherheit fr das gesamte Bundesgebiet zu schaffen.
(Jrg Tauss [SPD]: Ja!)
So stellen Sie sich offenbar unseren Bundesstaat vor.
(Jrg Tauss [SPD]: Ja!)
Wenn 16 Bundeslnder Dinge unterschiedlich regeln, dann ist das Rechtsunsicherheit; wenn der Bund alles zentralistisch vorgibt, dann herrscht Rechtssicherheit.
(Jrg Tauss [SPD]: In diesem Punkt, ja!)
Da wundert es mich natrlich, dass Sie berhaupt die Existenz von Landesgesetzgebern akzeptieren.
(Widerspruch bei Abgeordneten der SPD)
Ich frage mich, wann uns hier Gesetze vorgelegt werden, die endlich mit der unertrglichen Rechtsunsicherheit von 16 verschiedenen Feiertagsgesetzen und von 16 verschiedenen Landespolizeigesetzen aufrumen. Das entsprche der Logik Ihrer Argumentation. Ich sage sehr bewusst: Sie bleiben Ihrem sozialistischen Reflex treu, alles zentralistisch, also von oben anzuordnen und die kleineren Einheiten am kurzen Zgel zu fhren.
(Beifall bei der CDU/CSU - Jrg Tauss [SPD]: Kommunistisch!)
- So weit wrde ich nicht gehen, Herr Tauss. "Sozialistisch" ist, glaube ich, die richtige Beschreibung. - Die Wahrheit tut weh.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Das ist nicht das Bild, das wir von der Bundesrepublik haben. Wir haben das Bild von autonomen, also eigenverantwortlich handelnden Hochschulen. Herr Kollege Loske, wenn Sie die Hochschulautonomie wollen,
(Jrg Tauss [SPD]: Siehe Baden-Wrttemberg!)
dann mssen Sie auch die Konsequenz ziehen und dafr eintreten, dass die Lnder die entsprechende Kompetenz bekommen, damit sie diese Hochschulautonomie im nchsten Schritt herstellen knnen. Was Sie Rechtsunsicherheit nennen, nennen wir Hochschulautonomie.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Sie glauben ganz offensichtlich noch immer, das Hauptproblem zwischen Freiburg und Greifswald sei mangelnde Gleichheit in unserem Hochschulsystem und in unserem Bildungssystem berhaupt. Wir sind der berzeugung, dass unser Hauptproblem die mangelnde und abrutschende Qualitt unserer Hochschulen ist. Das mssen wir - auch im Interesse des europischen Wettbewerbs - in Angriff nehmen. Whrend die Ministerin um Zustndigkeiten kmpft, kmpfen wir um die Qualitt unseres Hochschulsystems.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP - Jrg Tauss [SPD]: Im Gegenteil!)
Die Erleichterung ber die heutige Entscheidung darf nicht vergessen machen, dass die halsstarrige Haltung der Ministerin Bulmahn sehr viel mit den Ergebnissen der Fderalismuskommission zu tun hat. Ehe Sie wieder schreien, sage ich: 
(Zuruf des Abg. Jrg Tauss [SPD])
Sie hatte in der Tat einen mageblichen Anteil am Scheitern der Fderalismuskommission. Das ist brigens nicht nur meine Auffassung. Lesen Sie beispielsweise die uerung von einem Ministerprsidenten namens Steinbrck - der kommt aus Ihren Reihen - nach! Er hat vor Weihnachten deutlich gemacht, dass die Haltung Ihrer Bundesforschungsministerin mageblich zum Scheitern der Kommission beigetragen hat. Das ist leider wahr.
Das heutige Urteil stellt klar: Die Ministerin hat in den Verhandlungen ber die Fderalismusreform Zustndigkeiten verteidigt, die sie gar nicht hatte. SPD und Grne haben damit im Ergebnis die Fderalismusreform scheitern lassen, um dem Phantom einer umfassenden Bildungskompetenz des Bundes nachzujagen.
(Jrg Tauss [SPD]: Nicht einmal der Stoiber erzhlt das! - Gegenruf von der CDU/CSU: Genau so ist es!)
Die Bundesministerin sollte den Mut aufbringen, die politische Verantwortung fr dieses Desaster zu tragen.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Herr Kollege Krings, kommen Sie bitte zum Schluss.
Dr. Gnter Krings (CDU/CSU): 
Mein letzter Satz. - Wenn sie das tut, haben wir realistische Chancen, glaube ich, das wichtige Projekt Fderalismusreform neu anzupacken.
Danke schn.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP - Zuruf des Abg. Jrg Tauss [SPD])
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Fr die Bundesregierung spricht jetzt der Parlamentarische Staatssekretr Ulrich Kasparick.
(Beifall bei der SPD)
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretr bei der Bundesministerin fr Bildung und Forschung: 
Herr Prsident! Meine Damen und Herren! Frau Ministerin ist in Abwesenheit mehrfach angegriffen worden. Deswegen erlaube ich mir, sie jetzt zu verteidigen. Sie sitzt nach wie vor im Flugzeug, ist auf dem Wege hierher.
Ich fand es besonders tapfer vom Abgeordneten Kretschmer, 
(Zuruf von der SPD: Ein ganz Tapferer!)
zunchst ihren Rcktritt zu verlangen, dann zu beklagen, dass sie nicht da ist und anschlieend den Saal zu verlassen.
(Heiterkeit und Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/DIE GRNEN - Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Er sucht wahrscheinlich die Ministerin! Er will sie am Flughafen abholen!)
Das fand ich sehr berzeugend.
(Jrg Tauss [SPD]: So ist er!)
Ich fand noch etwas anderes sehr berzeugend. Frau Bhmer und Frau Reiche haben sich schon gestern zu dem gesamten Themenfeld ffentlich geuert. Sie sagen - ich darf aus der Pressemitteilung zitieren -, sie - gemeint ist die Bundesministerin Bulmahn - msse sich jetzt der Realitt stellen und in Gesprche mit dem Parlament und den Lndern eintreten.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU - Zuruf von der SPD: Dabei msste sie nach deren Auffassung lngst zurckgetreten sein!)
Ich darf Sie auf das Urteil des Verfassungsgerichts hinweisen. Im Urteil des Verfassungsgerichts heit es - ich mchte es zitieren, damit wir der Sache auf den Grund gehen -:
Dem Bund ist es gem Art. 75 Abs. 1 Satz 1 GG in Verbindung mit Art. 72 Abs. 2 GG gegenwrtig verwehrt, die Gesetzgebung der Lnder durch Rahmenvorschriften auf den Grundsatz der Gebhrenfreiheit des Studiums und zur Bildung verfasster Studierendenschaften an den Hochschulen zu verpflichten.
(Jrg Tauss [SPD]: Daran werden wir uns halten!)
Dieser Hinweis, dass es dem Bund gegenwrtig verwehrt ist, zieht sich auch durch die Begrndung des Urteils. Schauen wir uns einmal genau an, was das im Detail heit - ich zitiere aus der Begrndung -:
Zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhltnisse ist eine bundesgesetzliche Regelung erst dann erforderlich, wenn sich die Lebensverhltnisse in den Lndern der Bundesrepublik in erheblicher, das bundesstaatliche Sozialgefge beeintrchtigender Weise auseinander entwickelt haben oder sich eine derartige Entwicklung konkret abzeichnet ...
(Zuruf von der CDU/CSU)
- Es geht weiter:
Vor allem aber ist davon auszugehen, dass die Lnder in eigenverantwortlicher Wahrnehmung der sie ... treffenden Aufgabe zu sozialstaatlicher, auf die Wahrung gleicher Bildungschancen ... bedachter Regelung bei einer Einfhrung von Studiengebhren den Belangen einkommensschwacher Bevlkerungskreise angemessen Rechnung tragen werden.
Ich hre jetzt aus einzelnen Landtagen, dass man beabsichtigt, diese Kosten dem Bund zuzuschieben.
(Jrg Tauss [SPD]: Ach? - Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Der Staatssekretr hrt Stimmen!)
Dazu sage ich nur: Das werden wir nicht mitmachen.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Zuruf von der CDU/CSU: Das knnen nur SPD-Lnder sein!)
Nach der Begrndung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts - der Kollege legt immer Wert auf korrekte Zitation; deswegen erlaube ich mir, das aus der Begrndung korrekt zu zitieren - ist das nicht mehr Aufgabe des Bundes.
(Jrg Tauss [SPD]: Ja! - Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Das wre ein gutes Schlusswort, Herr Kollege!)
Damit das vllig klar ist, sage ich: Die Lnder sind gefordert, die Sozialstaatlichkeit zu gewhrleisten.
Ich freue mich schon sehr auf die Debatte - wir werden sie in den nchsten Tagen bekommen -, in der gesagt werden wird: Ach, wie wre es denn, Herr Bundesfinanzminister? Wollen Sie nicht? Knnen Sie nicht? - Wir werden das nicht mitmachen.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/DIE GRNEN - Zurufe von der CDU/CSU)
- Ich wre Ihnen dankbar, wenn Sie mir noch einen kurzen Moment Gehr schenken wrden. 
Ich will noch auf etwas anderes hinweisen: Das Bundesverfassungsgericht sieht sehr wohl die Risiken, 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Und die Chancen!)
die sich aus der Zustndigkeit der Lnder fr die Hochschulpolitik ergeben. Ich mchte gerne noch einmal aus der Begrndung zitieren - ich wei nicht, ob Sie sie schon vorliegen haben -:
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Habe sie gelesen!)
Die mndliche Verhandlung hat besttigt, dass eine Entwicklung dieser Art
- nmlich dass es zu Ungleichgewichten in Deutschland kommen kann - 
... nicht ausgeschlossen werden kann. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Dann zitieren Sie auch die Passage mit den Chancen noch einmal!)
- Ich bin gleich fertig. - Diese Entwicklung wird vom Bundesverfassungsgericht nicht ausgeschlossen, aber - jetzt kommt der interessante Satz - sie zeichnet sich gegenwrtig noch nicht konkret ab. 
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Na bitte!)
Deswegen darf vorerst der Bund nicht regeln. Ich empfinde das, vorsichtig bewertend gesagt, ein wenig als ein Verbot vorausschauender Politik. 
(Beifall bei Abgeordneten der SPD - Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Jetzt kommt die Richterschelte!)
Man knnte - auch das sage ich ganz vorsichtig - den Eindruck gewinnen, als mssten wir erst darauf warten, bis die Gleichgewichte aus dem Lot geraten sind. 
(Jrg Tauss [SPD]: Das wollen die!)
Ich will noch auf einen weiteren Punkt aus der Begrndung eingehen
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Sie sollten sich lieber nicht an der Interpretation versuchen!)
- Frau Bhmer, zu Ihnen komme ich gleich auch noch; dann werde ich Sie ganz persnlich ansprechen -, nmlich dass 
... die Erwartung, dass das Aufkommen aus Studiengebhren entsprechend den vorliegenden Konzepten den Hochschulen verbleibt ..., nicht von vornherein ... ausgeklammert werden
solle.
(Lachen bei der SPD)
So schreibt das Gericht. Worum geht es? Es besteht eine reale Gefahr; diese gesteht auch das Gericht ein. Nur sagt es, man solle die Mglichkeit, dass die Mittel wirklich zweckentsprechend verwendet werden, zunchst nicht ausschlieen. 
Frau Professor Bhmer, Sie haben ja in Ihrer Pressemitteilung von heute davon gesprochen, dass jetzt der Bund gefordert sei. 
(Heiterkeit bei der Abg. Nicolette Kressl [SPD]) 
Dazu lassen Sie mich sagen: Der Bund ist zu nichts aufgefordert, 
(Jrg Tauss [SPD]: So ist es! Definitiv!) 
sondern die Lnder sind zustndig. Angesichts des Urteils des Gerichtes ist ja zu konstatieren, dass wir heute so ein wenig eine Phantomdebatte fhren. Sie, Frau Reiche, sind in dieses Thema ja sehr engagiert eingestiegen. Wenn Sie sich zuknftig auch so damit beschftigen wollen, mssten Sie allerdings in eine Landtagsfraktion wechseln, weil die Lnder zustndig sind.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Dr. Maria Bhmer [CDU/ CSU]: Endlich diese Einsicht!)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Das Wort hat jetzt der Kollege Dr. Christoph Bergner von der CDU/CSU-Fraktion.
(Zurufe von der SPD: Jetzt sagen Sie uns einmal, was Sachsen-Anhalt macht!  Sachsen-Anhalt freut sich auf Gebhren! - Dr. Reinhard Loske [BNDNIS 90/DIE GRNEN]: Keine Gebhren, garantiert!)
Dr. Christoph Bergner (CDU/CSU): 
Herr Prsident! Meine Damen und Herren! Herr Kollege Kasparick, die normale menschliche Reaktion auf eine Niederlage bei Gericht ist Demut. Was Sie gezeigt haben, ist Arroganz. 
(Beifall bei der CDU/CSU - Widerspruch bei der SPD)
Ich kann Ihnen nur raten, von solch einer arroganten Haltung Abstand zu nehmen, wenn Sie wirklich die Fragen des Bildungsfderalismus in der Bundesrepublik Deutschland angehen wollen. 
Nun will ich die Frage, wie sinnvoll und angemessen in der gegenwrtigen Situation Studiengebhren welcher Struktur auch immer sind, ein wenig zurckstellen. 
(Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD]: Aber das ist Ihr Thema! Das sind Ihre Gebhren!)
- Ich komme gleich darauf; lassen Sie mich doch einmal ausreden. - Ich empfehle die Lektre von Aussagen angesehener Volkswirtschaftler, beispielsweise von Herrn Professor Weimann aus Magdeburg. Wir als Bildungspolitiker sind ja auch ein bisschen auf die Erkenntnisse der Volkswirtschaftslehre angewiesen und sollten sie ernst nehmen. Es lohnt sich, ein wenig vorurteilsfreier als bisher in dieser Debatte darber nachzudenken, was dort ber Lenkungseffekte, die Mglichkeiten von Subjektfrderung und anderem geschrieben wird. 
Nachdem ich die Debatte verfolgt habe, beschftigt mich folgende Frage: Wenn Ihnen, Herr Kollege Tauss, Frau Berg und andere, die Gebhrenfreiheit oder, wie die Volkswirtschaftler sagen, die Nullpreissituation
(Jrg Tauss [SPD]: 700 Euro pro Monat!)
der akademischen Bildung so viel wert ist, warum haben Sie dann ein verfassungsrechtlich so untaugliches Instrument wie das Hochschulrahmengesetz benutzt, um eine solche Regelung zur Geltung zu bringen? 
(Jrg Tauss [SPD]: Haben Sie bessere Vorschlge?)
Sie htten sich doch bei einer rechtlichen Prfung davon berzeugen knnen, dass die Erforderlichkeitsklausel nach Art. 72 Abs. 2 des Grundgesetzes in diesem Punkt wirklich nicht erfllt ist, wie es ja auch das Verfassungsgericht mit, wie ich finde, groer Einmtigkeit festgestellt hat.
(Jrg Tauss [SPD]: Irrigerweise!)

- Nein, Herr Tauss. - Ich habe einen anderen Verdacht: Es ist bundespolitisch relativ einfach, Gebhrenfreiheit zu verknden, wenn die Kosten, die mit der Qualittssicherung der Lehre verbunden sind, ausschlielich den Lndern zufallen.
(Jrg Tauss [SPD]: Die rufen sie doch gar nicht ab!)
Ich begre das Urteil vor allen Dingen deshalb, weil es die Entscheidungskompetenz hinsichtlich der Gestaltung der Lehre und die Finanzierungskompetenz hinsichtlich der Erschlieung von Einnahmequellen endlich zusammenfhrt. 
Wenn ich in der letzten Zeit an etwas gelitten habe, dann an der Politik von Frau Bulmahn, bei der ich das Gefhl habe, dass das Interesse an Propaganda nach dem Motto "Wir sind gegen Studiengebhren!" weit vor dem Interesse rangiert, die Probleme zu lsen und eine gute Qualitt der Lehre an den Hochschulen sicherzustellen. Das ist der Umstand, der mich eigentlich beschftigt hat.
(Beifall bei der CDU/CSU - Jrg Tauss [SPD]: Seien Sie doch ehrlich! Sie wollen etwas anderes!)
Wir sollten auch ein wenig darber nachdenken, ob diese Politik der Nichtbeachtung der Lnderkompetenzen weiter fortgesetzt werden soll. Ich will einen Fall erwhnen, in dem es nicht um groe Betrge geht - es handelt sich nur um 4 Millionen Euro -, den ich aber besonders perfide finde. Es geht um die Entscheidung ber das so genannte Kompetenzzentrum Bologna, das von der Hochschulrektorenkonferenz vollzogen wird. Dieses Frderprogramm wurde nicht mit den Lndern abgestimmt; die Lnder wurden dazu berhaupt nicht gefragt.
(Jrg Tauss [SPD]: Ach, ich dachte: Autonomie der Hochschulen!)
- Herr Tauss, wir haben schon einmal darber diskutiert: Sie greifen damit in die Studiengnge mit Staatsprfung ein.
(Jrg Tauss [SPD]: Ha, ha!)
Dieses Programm htte mit den Lndern zumindest abgestimmt werden mssen. Dieses Programm ist fr mich ein geradezu subversiver Versuch, in die Lnderkompetenz einzugreifen.
(Jrg Tauss [SPD]: Hochschulrektorenkonferenz!)
Ich habe die Sorge, dass durch solche Versuche das Verhltnis zwischen Bund und Lndern weiter vergiftet wird. Wir sind doch zur Kooperation verpflichtet, wenn wir die Qualitt unserer akademischen Bildung verbessern wollen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wir knnen doch diesem Kooperationsgebot, das eigentlich ber dem gesamten Bildungswesen steht, nicht dadurch nachkommen, dass man einerseits Propagandaziele in den Vordergrund stellt und andererseits versucht, die Lnder auf subversive Weise auszutricksen. Man schafft dadurch nur ein Klima, in dem praktisch keine Kooperation mehr mglich ist.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Meine letzte Bemerkung. Ich appelliere von dieser Stelle aus an die Lnder, dass sie mit der ihr jetzt zugewiesenen Verantwortung umsichtig umgehen. Manche fr die Einfhrung von Studiengebhren notwendigen Voraussetzungen werden sich nicht von selbst ergeben. Ich appelliere auch an die Bundesregierung, sich nicht so arrogant zu verhalten, wie es der Staatssekretr Kasparick hier getan hat, indem er aus Nebenstzen der Urteilsbegrndung des Bundesverfassungsgerichts ableitet, dass die Bundesregierung die ganze Sache nichts mehr angehe.
(Zurufe von der SPD: Oh!)
Sie sollten den Verdacht, dass es Ihnen nicht um die Sache geht, ausrumen. Wir sollten uns in der nachfolgenden Diskussion ber die Punkte unterhalten, die unser Land wirklich voranbringen. Spielen Sie nicht weiterhin den schlechten Verlierer, was das Urteil des Bundesverfassungsgerichts angeht, sondern wenden Sie sich sachlich der Lsung der Probleme zu.
Vielen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Hellmut Knigshaus [FDP])
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Als letztem Redner in der Aktuellen Stunde erteile ich dem Kollegen Dr. Ernst Dieter Rossmann fr die SPD-Fraktion das Wort.
(Beifall bei der SPD)
Dr. Ernst Dieter Rossmann (SPD): 
Herr Prsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Staatssekretr hat eben zum Schluss seiner Rede eine juristische Wertung vorgenommen. Herr Bergner, wenn Sie jetzt auf einmal von Kooperation und anderem reden, dann bekommen Sie offensichtlich schon Muffensausen davor,
(Jrg Tauss [SPD]: Ja!)
welche Verantwortung Ihnen jetzt zuwchst und wie Sie mit dieser Verantwortung umgehen wollen. Dazu mssen Sie sich jetzt bekennen.
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN)
Es gibt jetzt eine klare Alternative. Diese Alternative mgen Sie so darstellen, dass Ihnen viele der 350 Hoch-schulrektoren Beifall klatschen werden. Fr uns gibt es den Bezugspunkt von 1,9 Millionen Studenten. Fr diese 1,9 Millionen Studenten gibt es jetzt eine klare Botschaft: Es gibt in Deutschland eine Kraft, die mageblich will, dass die Studenten viel Geld fr ihr Studium zahlen. Das ist die CDU/CSU. Das geht vom heutigen Datum aus.
(Beifall bei der SPD)
Sie werden sich dem frohgemut stellen, zum Beispiel der Herr Kretschmer. Frau Bhmer wird die Studenten davon begeistern wollen. Sie wird ihnen sagen, dass es zu ihrem Besten ist, dass sie jetzt Studiengebhren zahlen mssen.
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Sie belassen die Studenten in schlechten Studienbedingungen!)
Viel Vergngen! Sie haben die Verantwortung dafr. 
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Die Botschaft ist: mehr Qualitt in der Lehre!)
Sie mssen sich im brigen an vier Kriterien messen lassen, die Sie positiv in die politische Debatte eingebracht haben. Sie haben gesagt, mit Studiengebhren werde es mehr Studienanfnger und mehr erfolgreiche Hochschulabsolventen geben. 
(Dr. Gnter Krings [CDU/CSU]: Genau!)
Wir und auch die Studenten werden Sie beim Wort nehmen. Wir wissen schon jetzt, dass Ihre Debatte um die Einfhrung von Studiengebhren mit dazu gefhrt hat, dass es in den Jahren 2003/2004 erstmals seit 1998 - wir haben den Studenten seit 1998 einen strkeren Rckhalt gegeben - sinkende Studienanfngerzahlen gegeben hat. 
(Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Das Endergebnis ist das Entscheidende!)
Denn den Konsens, den wir zuvor zwischen SPD und CDU/CSU und allen Menschen, die etwas fr die akademische Bildung tun wollen, hatten, haben Sie zerbrochen. 
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BNDNISSES 90/DIE GRNEN)
Insoweit mssen Sie sich daran messen lassen.
Sie haben zum Zweiten erklrt, die Einfhrung von Studiengebhren werde dazu fhren, dass mehr junge Menschen, die aus materiell nicht so gut gestellten Familien kommen, studieren werden. Daran werden wir Sie messen. Sie werden sich daran messen lassen mssen, ob Ihre Aussage stimmt, dass mit Studiengebhren die Zahl dieser Studierenden wchst. Sie haben es versprochen. Wir werden die Entwicklung abwarten. 
Zu beachten ist aber schon jetzt: Da, wo Sie von 500 Euro reden, sprechen andere schon von 3 000 Euro. 
(Beifall bei der SPD)
Sie reden von Stipendien. Bei Ihnen gibt es aber Politiker, die gar nicht wissen, dass die Frderung, also das, was wir als Zuschuss geben, entscheidend dafr ist, ob junge Menschen die Sicherheit haben, ein Studium aufnehmen und auch durchstehen zu knnen. Denn wer studiert, nimmt etwas auf sich. Niemand, der studiert, bekommt etwas umsonst, nach dem Motto: Er gewinnt etwas. Er muss vielmehr schon jetzt viel Zeit und Geld einsetzen. Er wird noch mehr Geld einsetzen mssen. Das werden Sie den Studierenden und den betroffenen Familien erklren mssen. Die werden begeistert davon sein, in Zukunft damit rechnen zu knnen, dass die CDU/CSU sie belastet. 
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BNDNISSES 90/DIE GRNEN - Dr. Maria Bhmer [CDU/CSU]: Dann drfte in sterreich, in Grobritannien und in den USA keiner mehr studieren!)
Sie haben zum Dritten versprochen, mit Studiengebhren wrden die Hochschulbedingungen fr alle deutlich besser; dies betreffe die Qualitt des Studiums, die Ausstattung der Hrsle, die Verbesserung der Lage der Dozenten und die Tatsache, dass sich die Dozenten mehr Zeit fr die Studenten nehmen knnen. Wir werden Sie daran messen, ob dies tatschlich so eintritt. 
Wir haben die Wahrnehmung: Es wird eher anders kommen. Die Finanzminister werden die Gelder kassieren und es wird eine Umfinanzierung geben. Wenn Sie sich als CDU/CSU schon so engagieren und als CDU/ CSU-Gebhrenpartei Deutschlands fr Gebhren streiten, dann htten Sie im brigen auch die Mglichkeit, in diesem Bereich kurzfristig etwas zu machen, indem Sie sich in Zukunft dafr einsetzen, dass die Reserven, die dafr zur Verfgung stehen, dass sich die Lnder bewegen knnen, nmlich die Mittel fr die Eigenheimzulage in Hhe von 3 Milliarden Euro, fr die Verbesserung der Hochschulen und Schulen ausgegeben werden. Immer wenn Sie vor Studenten und betroffenen Eltern - weit mehr als 2 Millionen Menschen werden davon unmittelbar berhrt sein - sagen: "Wir versprechen Ihnen das Heil", werden wir sagen: Fr die Frderung von Eigenheimen kmpfen Sie, fr die unmittelbare Verbesserung der Studienbedingungen aber haben Sie nichts brig, nur Gebhren. 
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN)
Sie sagen zum Vierten, dass es in Deutschland mehr Mobilitt geben wird. Sie wissen doch ganz genau, was im Fderalismus passiert. Es wird dazu kommen, dass die einen Lnder Studiengebhren einfhren und die anderen Lnder darauf nur dadurch reagieren knnen, dass sie einen so genannten Kinderlastenausgleich einfhren. Prost Mahlzeit, was den kooperativen Fderalismus angeht! Die Bayern verlangen Gebhren und die anderen Lnder rechnen spitz ab, welcher Student aus welchem Land kommt, damit er dann entsprechend belastet wird. Man wird dann Landeskinderregelungen treffen. 
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Dr. Maria Bhmer [CDU/ CSU]: Das ist doch kein Problem! Die Lnder mssen es richten!)
Ist das etwas, was fr Deutschland und Europa Zukunft hat? Nein, dies fhrt zu einem brokratischen Fderalismus, zu Konkurrenzfderalismus. Dies wird in die gegenteilige Richtung umschlagen und nicht zu dem fhren, was Sie den Menschen jetzt versprechen. Viel Vergngen mit Ihren Versprechungen und den Niederlagen, die Sie dabei noch erfahren werden!
(Beifall bei der SPD und dem BNDNIS 90/ DIE GRNEN - Dr. Maria Bhmer [CDU/ CSU]: Herr Tauss, Sie sind noch getoppt worden! Das htte ich nicht gedacht!)
Vizeprsident Dr. Hermann Otto Solms: 
Die Aktuelle Stunde ist beendet. 
Wir sind damit am Schluss unserer heutigen Tagesordnung. 
Ich berufe die nchste Sitzung des Deutschen Bundestages auf morgen, Donnerstag, den 27. Januar 2005, 11.30 Uhr, ein. 
Die Sitzung ist geschlossen.
(Schluss: 16.55 Uhr)


Redetext





Anlagen zum Stenografischen Bericht


Anlage 1
Liste der entschuldigten Abgeordneten

Abgeordnete(r)

entschuldigt bis
einschlielich



Adam, Ulrich
CDU/CSU
26.01.2005*
Bindig, Rudolf
SPD
26.01.2005*
Bulmahn, Edelgard
SPD
26.01.2005
Carstensen (Nordstrand), Peter H.
CDU/CSU
26.01.2005
Deittert, Hubert
CDU/CSU
26.01.2005*
Dr. Gauweiler, Peter
CDU/CSU
26.01.2005
Haack (Extertal), Karl Hermann
SPD
26.01.2005
Dr. Happach-Kasan, Christel
FDP
26.01.2005
Hilbrecht, Gisela
SPD
26.01.2005
Hrster, Joachim
CDU/CSU
26.01.2005*
Hoffmann (Chemnitz), Jelena
SPD
26.01.2005
Jger, Renate
SPD
26.01.2005*
Jonas, Klaus Werner
SPD
26.01.2005*
Kuhn, Fritz
BNDNIS 90/ DIE GRNEN
26.01.2005
Lehn, Waltraud
SPD
26.01.2005
Letzgus, Peter
CDU/CSU
26.01.2005*
Lintner, Eduard
CDU/CSU
26.01.2005*
Dr. Ltzsch, Gesine
fraktionslos
26.01.2005
Minkel, Klaus
CDU/CSU
26.01.2005
Ostendorff, Friedrich
BNDNIS 90/ DIE GRNEN
26.01.2005
Pfeiffer, Sibylle
CDU/CSU
26.01.2005
Probst, Simone
BNDNIS 90/ DIE GRNEN
26.01.2005
Raidel, Hans
CDU/CSU
26.01.2005**
Riester, Walter
SPD
26.01.2005*
Ronshr, Heinrich-Wilhelm
CDU/CSU
26.01.2005
Schauerte, Hartmut
CDU/CSU
26.01.2005
Dr. Scheer, Hermann
SPD
26.01.2005*
Schlauch, Rezzo
BNDNIS 90/ DIE GRNEN
26.01.2005
Schultz (Everswinkel), Reinhard
SPD
26.01.2005
Dr. Skarpelis-Sperk, Sigrid
SPD
26.01.2005
Dr. Thomae, Dieter
FDP
26.01.2005
Uhl, Hans-Jrgen
SPD
26.01.2005
Weis (Stendal), Reinhard
SPD
26.01.2005
Dr. Wodarg, Wolfgang
SPD
26.01.2005*
Whrl, Dagmar
CDU/CSU
26.01.2005

*	fr die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung des Europarates
**	fr die Teilnahme an den Sitzungen der Parlamentarischen Versammlung der NATO


Anlage 2
Antwort
der Staatsministerin Kerstin Mller auf die Frage des Abgeordneten Dr. Egon Jttner (CDU/CSU) (Druck-sache 15/4689, Frage 3):
Liegen der Bundesregierung Informationen darber vor, dass durch die erzwungene Abgabe von Hilfsgtern an Warlords die Ttigkeit von Hilfsorganisationen in Somalia fr die dortigen Opfer der Flutkatastrophe behindert wird?
In der von der Flutwelle betroffenen Region Puntland gibt es zwar so gut wie keine Warlords, aber der Bundesregierung ist ein Fall in llfocshe in der Mudug-Region bekannt, in dem es zur Ttung eines im Auftrag des Welternhrungsprogramms (WFP) ttigen Lastwagenfahrers und zur gewaltsamen Aneignung von Hilfsgtern durch Kriminelle gekommen ist. In der Folge dieses Ereignisses wurde die Verteilung von Hilfsgtern in dieser Region ausgesetzt. Der weitere Hintergrund des Vorfalls ist unklar. Darber hinaus besttigt das WFP die in der Frage vermuteten Missstnde fr die von der Flutkatastrophe betroffenen Gebiete ausdrcklich nicht. Die Aktivitten der Warlords konzentrieren sich ganz berwiegend auf die sich sdlich an die Region Puntland anschlieenden Landesteile.
Anlage 3
Antwort
des Parl. Staatssekretrs Hans Georg Wagner auf die Frage des Abgeordneten Dr. Egon Jttner (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 6):
Hat die Bundesregierung, nachdem eine Hubschrauberbesatzung der in Dschibuti stationierten Bundeswehreinheiten auf Anfrage der somalischen Regierung hin 25 von der Auenwelt abgeschnittene Menschen in Somalia mit Lebensmitteln und Wasser versorgt hatte, die Hilfe auch anderen von Hilfsorganisationen schwer erreichbaren Teilen der somalischen Bevlkerung auf der Halbinsel Hafun (circa 70 Kilometer nrdlich von Foar) angeboten, und falls dies nicht der Fall ist, aus welchen Grnden gab es kein Hilfsangebot?
Die Bordhubschrauber der Fregatte "MECKLENBURG-VORPOMMERN" haben am 30. Dezember 2004 auf Bitten des Premierministers der somalischen transnationalen Regierung, Gheli, 20 bis 30 somalische Staatsbrger mit Lebensmitteln in zwei Umlufen aus der Luft versorgt. Anschlieend wurde vonseiten der somalischen Behrden keine weitere Untersttzung bei den am Horn von Afrika stationierten deutschen Truppenteilen angefordert. Eine Nachfrage bei den somalischen Behrden zum weiteren Bedarf an Untersttzungsleistung fr Menschen, die infolge der Flutkatastrophe eventuell Hilfsgter bentigen knnten, erfolgte durch die Fregatte "MECKLENBURG-VORPOMMERN" nicht. Dies lag darin begrndet, dass die Bordhubschrauber Sea Lynx der Fregatte fr die Unterseebootjagd ausgerstet sind und der Transport von Hilfsgtern daher nur in sehr begrenztem Umfang erfolgen kann. Zudem befand sich der Einsatzgruppenversorger "BERLIN" bereits zum Zeitpunkt der ersten Anfrage auf dem Weg ins Katastrophengebiet nach Sdostasien und konnte nicht untersttzen.
Anlage 4
Antwort
des Parl. Staatssekretrs Fritz Rudolf Krper auf die Fragen des Abgeordneten Johannes Singhammer (CDU/ CSU) (Drucksache 15/4689, Fragen 10 und 11):
Sieht die Bundesregierung in ihrem Verantwortungsbereich Handlungsbedarf, um den derzeit offenbar herrschenden Regelzustand anonymer Sozial-Bestattungen von mittellosen Sozialhilfebeziehern ohne Familienangehrige in Reihenmassengrbern in Deutschland zu beenden, und wenn ja, welche gesetzgeberischen oder sonstigen Manahmen beabsichtigt die Bundesregierung, um zumindest innerhalb der zustndigen Behrden eine konkrete namentliche Zuordnung der Grabstelle zu gewhrleisten?
Haben nach Beurteilung der Bundesregierung mittellose Sozialhilfeempfnger ohne Familienangehrige derzeit die Mglichkeit, zu verhindern, dass sie nach dem Tode in einem anonymen Reihenmassengrab beerdigt werden, und teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass jeder in Deutschland Verstorbene - ohne Unterschied nach Vermgensverhltnissen - ein Mindestanrecht auf eine Grabstelle mit Namenskennzeichnung hat, sofern er nicht ausdrcklich anonym bestattet werden wollte?
In Deutschland erfolgt grundstzlich keine Bestattung in Massengrbern. Ein Regelzustand anonymer Sozial-Bestattungen ist der Bundesregierung nicht bekannt. Die im Grundgesetz festgeschriebene Unverletzlichkeit der Menschenwrde schreibt eine wrdige Bestattung fr jedermann zwingend vor. Die Lnder und Kommunen haben hierzu Regelungen gesetzt, die dieser Vorgabe Rechnung tragen. Die Bundesregierung sieht keine Notwendigkeit zu weiter gehenden Regelungen des Bundes. Die bernahme von Bestattungskosten aus Mitteln der Sozialhilfe richtet sich nach  74 SGB XII. Danach ist mageblicher sozialhilferechtlicher Bedarf nicht die Bestattung als solche bzw. der damit zusammenhngende Sachbedarf, sondern die Entlastung des zur Tragung der Bestattungskosten Verpflichteten, soweit diesem eine Kostenbernahme nicht zugemutet werden kann. Ist ein Verpflichteter im Sinne des  74 SGB XII (zum Beispiel Erbe oder Unterhaltspflichtiger) nicht vorhanden, hat die fr die Bestattung zustndige Ordnungsbehrde die Bestattungskosten zu bernehmen.
Anlage 5
Antwort
des Parl. Staatssekretrs Fritz Rudolf Krper auf die Frage des Abgeordneten Hartmut Koschyk (CDU/ CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 12):
Wird die Bundesregierung einen Gesetzentwurf fr die vom Bundesrechnungshof in seinen "Bemerkungen 2004" (Bundestagsdrucksache 15/4200) als "berfllig" bezeichnete Novellierung des Verwaltungskostenrechts vorlegen, und wenn ja, welche Schwerpunkte wird dieser Gesetzentwurf haben?
Die Bundesregierung wird voraussichtlich im Mrz/ April 2005 den Entwurf eines Gesetzes zur Novellierung des Verwaltungskostenrechts vorlegen. Der Entwurf ist mit den Bundesressorts und den Lndern weitgehend abgestimmt; die Abstimmung soll auf der Grundlage eines berarbeiteten Gesetzentwurfs bis Anfang Mrz abgeschlossen werden. Die Novellierung des Verwaltungskostensrechts ist einmal notwendig geworden, weil neuere Entwicklungen in der Rechtsprechung zu grundstzlichen Fragen des Gebhrenrechts zu bercksichtigen waren. Zum anderen war auf Wunsch der Lnder der Anwendungsbereich des Gesetzes zu ndern. Die Verwaltungsbehrden der Lnder und Kommunen werden in Zukunft bei der Ausfhrung bundesrechtlicher Kostenvorschriften nicht mehr das Verwaltungskostengesetz des Bundes, sondern das Landeskostenrecht anwenden. Das trgt zu einer wesentlichen Vereinfachung und Beschleunigung der Verwaltungsverfahren bei. Nach der Einfhrung der Kosten-Leistungs-Rechnung in der Bundesverwaltung war schlielich der bisher im Verwaltungskostengesetz verwendete Begriff "Kosten/Gebhren und Auslagen" aufzugeben und durch die betriebswirtschaftlichen Begriffe "Gebhren und Auslagen" zu ersetzen; das hat eine umfangreiche Rechtsbereinigung im gesamten Bundesrecht erforderlich gemacht.
Anlage 6
Antwort
des Parl. Staatssekretrs Fritz Rudolf Krper auf die Frage des Abgeordneten Hartmut Koschyk (CDU/ CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 13):
Soll die Umsetzung der vom Beamtenbund (dbb), der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und dem Bundesminister des Innern, Otto Schily, vereinbarten Eckpunkte fr "Neue Wege im ffentlichen Dienst" in einem oder mehreren Gesetzentwrfen erfolgen, und werden der Entwurf oder die Entwrfe nach  48 Abs. 2 der Gemeinsamen Geschftsordnung der Bundesministerien den Fraktionen des Deutschen Bundestages frhzeitig zur Kenntnis gegeben werden?
Mit der Erstellung des Gesetzentwurfs wird entschieden werden, aus wie vielen Teilen der Gesetzentwurf bestehen wird. Kapitel 6 der Gemeinsamen Geschftsordnung der Bundesministerien wird bei der Vorbereitung von Gesetzen bercksichtigt.
Anlage 7
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Fritz Rudolf Krper auf die Fragen des Abgeordneten Ralf Gbel (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Fragen 14 und 15):
Ergeben sich durch die Einfhrung von biometrischen Informationen in Reisepssen Einsparungen bei den Brgern (zum Beispiel weniger Gebhren fr Visa-Antrge) und beim Staat (zum Beispiel automatisierte Grenzabfertigung), und wenn ja, knnen die Einsparungen aufseiten des Staates an die Brger weitergegeben werden?
Welche Kosten sollen mit den Gebhren fr Reisepsse mit biometrischen Merkmalen gedeckt werden und werden bei der Gebhrenfestsetzung auch andere Aspekte als die Kostendeckung bercksichtigt (zum Beispiel Auswirkungen der Gebhren auf die Tourismuswirtschaft oder auf Familien mit Kindern)?
Zu Frage 14:
Bei Reisen in Staaten, die fr eine visumfreie Einreise Psse mit biometrischen Merkmalen fordern, entfallen fr den Brger die Kosten fr ein Visum. Durch eine automatisierte biometriegesttzte Untersttzung der Grenzabfertigung soll die Sicherheit der Grenzkontrollen weiter erhht werden. Eine Kosteneinsparung ist nicht zu erwarten. 
Zu Frage 15:
Beim EU-Pass entstehen Kosten - wie bisher - fr das Passbuch. Hinzu kommen Kosten fr den Speicherchip, die Einbringung des Chips in das Passbuch, den Schutz des Chips sowie das Erfassen der biometrischen Daten und das Aufspielen der biometrischen Daten auf den Chip. Die Passkosten werden wie bisher auf die Gebhren umgelegt. Generell ist zu beachten, dass Urlaubsreisen innerhalb der EU, der Schweiz und anderer Lnder mit einem Personalausweis mglich sind. Ein Reisepass wird nur fr Urlaubs- und Geschftsreisen in Staaten bentigt, die einen Personalausweis nicht als Reisedokument anerkennen. Bei der Gebhrenbemessung wird darauf geachtet werden, dass sich Deutschland bei den Passgebhren weiterhin im unteren Bereich vergleichbarer europischer Lnder befindet. Im brigen wird es den Passbehrden auch knftig freistehen bei Bedrftigkeit die Gebhr zu ermigen bzw. von deren Erhebung abzusehen.
Anlage 8
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Alfred Hartenbach auf die Frage des Abgeordneten Manfred Kolbe (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 17):
Was plant die Bundesregierung zu unternehmen, um mit gesetzlichen Regelungen die Begleichung flliger Rechnungen zu beschleunigen?
Zunchst sei der Hinweis erlaubt, dass die Handwerker von den bereits zur Verfgung stehenden Instrumentarien tatschlich Gebrauch machen sollten, um die Begleichung flliger Rechnungen zu beschleunigen. Richtig ist aber, dass jede Gelegenheit zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen genutzt werden muss. Deshalb wurde beim Bundesministerium der Justiz eine Bund/Lnder-Arbeitsgruppe "Verbesserung der Zahlungsmoral" eingerichtet, die im Juni letzten Jahres ihren Gesamtabschlussbericht vorgelegt hat. Deren Vorschlge wurden nahezu vollstndig in den uns zur Beratung vorliegenden Bundesratsentwurf fr ein Forderungssicherungsgesetz bernommen. Der so verbesserte Bundesratsentwurf weist gegenber dem ursprnglichen Entwurf der Bundeslnder Thringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt deutliche Fortschritte auf. Dessen Schwchen wie insbesondere die unpraktikable Einfhrung eines Eigentumsvorbehalts des Handwerkers an den von ihm eingebauten Baustoffen wurden beseitigt. Darber hinaus schafft der neue Entwurf mit der vorlufigen Zahlungsanordnung fr die Gerichte ein sachgerechtes Instrumentarium zur sinnvollen Abschichtung des Prozessstoffes und schliet so eine Rechtsschutzlcke. Darauf habe ich bereits in der Plenardebatte anlsslich der ersten Lesung des Entwurfs im Deutschen Bundestag am 22. Oktober 2004 deutlich hingewiesen. Auch habe ich betont, dass die Bundesregierung diesen Gesetzesentwurf als guten Ansatz untersttzt, aber auch weiteren Verbesserungen aufgeschlossen gegenbersteht. Der Gesetzentwurf befindet sich zurzeit im Rechtsausschuss des Deutschen Bundestages, wo ein erweitertes Berichterstattergesprch vereinbart, aber meines Wissens noch nicht terminiert ist. Unser gemeinsames Ziel bei diesem Gesetzesvorhaben sollte es sein, im Rahmen des ber rechtliche Regelungen berhaupt Erreichbaren eine effektive Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der Handwerker und anderer Forderungsglubiger zu bewirken, ohne die berechtigten Verbraucherinteressen aus den Augen zu verlieren. Hierfr wird sich die Bundesregierung auch weiterhin einsetzen.
Anlage 9
Antwort 
der Parl. Staatssekretrin Dr. Barbara Hendricks auf die Frage des Abgeordneten Albert Rupprecht (Weiden) (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 23):
Welche konkreten Ausnahmetatbestnde bei der Bestimmung der Defizitobergrenze gem dem Stabilitts- und Wachstumspakt soll es nach Auffassung der Bundesregierung in Zukunft geben und nach welchen konkreten Kriterien hat sich die Bundesregierung auf diese - und nicht auf andere - Ausnahmetatbestnde festgelegt?
Der EG-Vertrag beschreibt in Artikel 104 das Verfahren bei einem bermigen Defizit. Gem EG-Vertrag erstellt die Europische Kommission einen Bericht, wenn in einem Mitgliedstaat das so genannte 3-Prozent-Defizitkriterium berschritten ist. Zur Beurteilung der Frage, ob das Defizit als bermig einzustufen ist, bercksichtigt sie "alle sonstigen einschlgigen Faktoren". Die Bundesregierung ist der Meinung, dass die Berichte der Kommission bislang keine vollstndige Bercksichtigung aller einschlgigen Faktoren enthalten. Aus diesem Grund tritt die Bundesregierung in der Reformdebatte dafr ein, dass verschiedene Aspekte Eingang in die Defizitbeurteilung finden sollten: Der erste Bereich betrifft Strukturreformen (wie beispielsweise Manahmen zur Sicherung des sozialen Sicherungssystems, zur Verbesserung der Arbeitsmrkte oder im Bereich der Steuern) und Staatsausgaben, die mittelfristig positive Wirkungen auf Wachstum, Beschftigung und ffentliche Haushalte haben (wie beispielsweise Ausgaben fr Bildung und Forschung). Ein weiterer Bereich beinhaltet die Beachtung der makrokonomischen Situation, die beispielsweise durch eine langjhrige wirtschaftliche Stagnation negativ beeinflusst werden kann. Im Gegenzug ist der Beitrag eines Mitgliedstaates zur Preisstabilitt im Euro-Raum entsprechend zu wrdigen. Der dritte Bereich beschreibt spezifische Sonderlasten eines Mitgliedstaates. Fr Deutschland zhlen hierzu die weiterhin hohen Aufwendungen fr die neuen Bundeslnder und die Abfhrungen an die Europische Union.
Die genannten Bereiche beinhalten Elemente, die sowohl von der Kommission als auch vom Rat heranzuziehen sind, um zu einer sachgerechten Beurteilung eines Defizits zu gelangen. Anhand der beschriebenen Bereiche wird deutlich, dass die Beurteilung einer konomisch "richtigen" Finanzpolitik, die Stabilitt und Wachstum gleichermaen frdert, nicht allein an dem Einhalten der 3-Prozent-Defizitgrenze gemessen werden kann. Dies wird der Komplexitt der finanzpolitischen Realitt nicht gerecht. Bei den genannten Elementen geht es somit auch darum, bessere Wachstums- und Beschftigungschancen und gesunde ffentliche Haushalte langfristig in bereinstimmung zu bringen.
Anlage 10
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Gerd Andres auf die Fragen des Abgeordneten Ernst Burgbacher (FDP) (Druck-sache 15/4689, Fragen 26 und 27):
Wie beurteilt die Bundesregierung unter europischen Gesichtspunkten die Entscheidung des franzsischen Staatskonzerns "La Poste", das Porto fr bis zu 20 Gramm schwere Standardbriefe von bislang einheitlich 50 Cent fr Briefsendungen innerhalb Frankreichs sowie der EU ab 1. Mrz 2005 auf 53 Cent fr das Inland, aber 55 Cent fr das EU-Ausland anzuheben?
Ist die Bundesregierung angesichts der hohen symbolischen Bedeutung eines einheitlichen Tarifs innerhalb Europas bereit, auf die franzsische Regierung einzuwirken, diesen Beschluss rckgngig zu machen?
Die Frage wurde im Rahmen der Gesprche zwischen den Beauftragten fr die deutsch-franzsische Zusammenarbeit am 21. Januar 2004 in Paris thematisiert. Die Beauftragten waren sich einig, dass einheitliche Tarife fr nationale und europische Briefsendungen ein positives Symbol fr das Zusammenwachsen Europas sind. Die franzsische Regierung wird deshalb das Thema weiter verfolgen. Rechtlich werden die Befrderungsentgelte fr Briefsendungen von den Postunternehmen, die in den Mitgliedstaaten der Europischen Union den jeweiligen nationalen Postuniversaldienst wahrnehmen, in ihrer eigenen unternehmerischen Verantwortlichkeit festgelegt. Diese Entgelte mssen nach den Vorgaben der Europischen Postdiensterichtlinie (97/67/EG vom 15. Dezember 1997) erschwinglich, kostenorientiert, transparent und nicht diskriminierend sein. Inwieweit diese Kriterien eingehalten werden, ist allein von den entsprechenden nationalen Regulierungsbehrden zu berprfen und unterliegt nicht der Beurteilung durch die Bundesregierung.
Es gibt keine rechtsverbindlichen Vorgaben, nach denen die Tarife fr grenzberschreitende Standardbriefe innerhalb der EU mit den jeweiligen Inlandstarifen identisch zu sein htten. Aufgrund der in den einzelnen Mitgliedstaaten der EU unterschiedlichen finanziellen und betrieblichen Voraussetzungen der einzelnen Postuniversaldienstunternehmen, insbesondere mglicher Unterschiede bei den Kostenstrukturen der jeweiligen Sendungsarten und den entsprechenden Lohnkosten variieren die nationalen Briefentgelte - wie die Preise fr andere Dienstleistungen auch - innerhalb der EU ohnehin deutlich. Der Bundesregierung ist ferner bekannt, dass die Abhngigkeit des Betriebsergebnisses des franzsischen Unternehmens "La Poste" strker von Einknften aus dem Briefbereich geprgt ist als bei vergleichbaren Postunternehmen, die hhere Einnahmen aus dem Paket- und Logistikbereich erzielen.
Anlage 11
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Gerd Andres auf die Fragen des Abgeordneten Manfred Kolbe (CDU/CSU) (Druck-sache 15/4689, Frage 28):
Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle Situation kleinerer Unternehmen und Handwerker hinsichtlich der Zahlungsmoral ihrer privaten, gewerblichen und ffentlichen Auftraggeber?
Die Bundesregierung sieht in der schlechten Zahlungsmoral nach wie vor ein groes Problem der kleinen Unternehmen und des Handwerks. Leider ist bei dem derzeitigen Zahlungsverhalten noch keine umfassende Besserung in Sicht. In den aktuellsten Untersuchungen der Vereine Creditreform zum Zahlungsverhalten und zu Forderungsverlusten im Handwerk und im Mittelstand vom Herbst letzten Jahres ergab sich, dass sich das Zahlungsverhalten seit 2003 weiter verschlechtert hat. Dies ist auch der Grund, warum sich die Bundesregierung sehr intensiv mit dieser Thematik beschftigt. Weniger Kunden als noch in 2003 haben im letzten Jahr ihre Rechnungen innerhalb der vereinbarten Zahlungsziele bezahlt: Nur 27,6 Prozent der befragten mittelstndischen Unternehmen beurteilten das Zahlungsverhalten mit sehr gut oder gut. In 2003 waren es noch 28,6 Prozent. Als mangelhaft oder ungengend sahen es 13,8 Pro-zent der Unternehmen an, gegenber 13,5 Prozent im Vorjahr. Nur 62,1 Prozent der Auftraggeber haben nach den Ende 2004 durchgefhrten Umfragen der Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung ihre Verbindlichkeiten innerhalb von 30 Tagen beglichen. In 2003 waren es noch 65,9 Prozent. Rund 3,8 Prozent der Kunden zahlten erst nach 90 Tagen, in 2003 waren dies 2,0 Prozent. Der Frhjahrsumfrage 2004 zufolge wurde von den ffentlichen Auftraggebern sogar 4,9 Prozent der Rechnungen erst nach drei Monaten bezahlt. Dies bedeutet eine Zunahme gegenber 2003 um 1,6 Prozentpunkte. 
Die Zunahme der schlechten Zahlungsmoral geht durch alle Branchen. Im Baugewerbe hatten allerdings mehr Kunden pnktlich bezahlt. Das Gesetz zur Beschleunigung flliger Zahlungen, das seit dem 1. Mai 2000 in Kraft ist und insbesondere Erleichterungen fr Handwerksbetriebe schuf, zeigt dabei aus Sicht der Bundesregierung seine Wirkungen. Die Ergebnisse der Umfragen von Creditreform wurden im vergangenen Jahr in zahlreichen Gesprchen mit Unternehmern und Verbnden besttigt. Die entsprechende Studie werden wir Ihnen auf dem Postweg zukommen lassen. Abschlieend weise ich noch daraufhin, dass der ZDH im Rahmen der Konjunkturberichterstattung fr das erste Quartal 2005 gemeinsam mit den Kammern eine Sonderumfrage zum Thema "Zahlungsverhalten der Handwerkskunden" durchfhren wird. Mit den Ergebnissen ist allerdings erst Anfang Mai zu rechnen.
Anlage 12
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Gerd Andres auf die Frage der Abgeordneten Gesine Ltzsch (fraktionslos) (Druck-sache 15/4689, Frage 29):
Trifft es zu, dass die Arbeitsagenturen und die Arbeitsgemeinschaften ihre Datenstze nicht rechtzeitig an die Krankenkassen weitergegeben haben und daher die Krankenkassen noch keine neuen Krankenkassenkarten ausgeben konnten, und wenn ja, wie viele Empfnger von Arbeitslosengeld II sind davon betroffen?
Die Datenstze fr die Krankenkassen werden nicht von den Arbeitsagenturen oder Arbeitsgemeinschaften an die Krankenkassen bergeben. Vielmehr erfolgt eine zentrale, gebndelte bergabe durch das IT-Systemhaus der Bundesagentur fr Arbeit. Mit den Spitzenverbnden der Krankenkassen (SpiKK) war im November vereinbart worden, dass die ersten Meldungen am 20. Dezember 2004 bermittelt werden. Dieser Termin wurde von der BA eingehalten. Es wurden circa 2 800 000 Anmeldungen an die Krankenkassen bermittelt, die bei elektronischer Datenbermittlung am gleichen Tag bei den Krankenkassen eingingen. Die nchsten Anmeldungen wurden am 3. Januar 2005 an die Krankenkassen bermittelt (circa 500 000). Wegen programmtechnischer Probleme konnte das Krankenkassenmeldeverfahren in der Folgezeit nicht bedient werden. Die bermittlung von Datenstzen an die Krankenkassen wurde am 24. Januar 2005 wieder aufgenommen. Dabei wurden alle seit dem 3. Januar 2005 zurckgehaltenen Datenstze (circa 160 000) bermittelt. Der Groteil der Datenstze (circa 155 000) betrifft nach Angaben der BA nderungen der Personendaten (zum Beispiel nderung der Anschrift), deren versptete Mitteilung keinerlei Einfluss auf die Inanspruchnahme rztlicher Leistungen hatte.
Anlage 13
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Gerd Andres auf die Frage der Abgeordneten Gesine Ltzsch (fraktionslos) (Druck-sache 15/4689, Frage 30):
Was muss ein Empfnger von Arbeitslosengeld II bzw. ein 1-Euro-Jobber beachten, der Urlaub machen mchte (Versicherungsschutz, Auslandsaufenthalt, Erreichbarkeit etc.)?
Zunchst einmal ist festzustellen, dass ein Bezieher von Arbeitslosengeld II keinen Urlaubsanspruch hat. Grundstzlich hat der erwerbsfhige Hilfebedrftige sicherzustellen, dass der fr ihn zustndige Trger ihn persnlich an jedem Werktag an seinem Wohnsitz oder gewhnlichen Aufenthalt erreichen kann. Im Rahmen der Grundsicherung fr Arbeitsuchende findet eine umfassende Untersttzung der Hilfebedrftigen mit dem Ziel der Eingliederung in Arbeit statt. Grundlage der Eingliederungsbemhungen ist die nach  15 Zweites Buch Sozialgesetzbuch - Grundsicherung fr Arbeitsuchende (SGB II) zwischen dem erwerbsfhigen Hilfebedrftigen und seinem persnlichen Ansprechpartner abzuschlieende Eingliederungsvereinbarung, die das Sozialrechtsverhltnis zwischen dem erwerbsfhigen Hilfebedrftigen und dem Grundsicherungstrger konkretisiert und verbindliche Aussagen zum Fordern und Frdern enthlt. In dieser Eingliederungsvereinbarung verpflichtet sich der erwerbsfhige Hilfebedrftige, sich nur nach Absprache und mit Zustimmung des persnlichen Ansprechpartners auerhalb des ortsnahen Bereiches aufzuhalten. Die Zustimmung hierzu wird der persnliche Ansprechpartner nur dann erteilen, wenn durch die Zeit der Abwesenheit die berufliche Eingliederung nicht beeintrchtigt wird und eine Abwesenheitsdauer von in der Regel bis zu drei Wochen im Kalenderjahr nicht berschritten wird. Steht der Leistungsempfnger in einer sozialversicherungspflichtigen Beschftigung, ist Ortsabwesenheit aber mindestens fr die arbeitsvertraglich zustehende Urlaubsdauer zu gewhren. Ein Versto gegen die Verpflichtung, sich nur nach Absprache und mit Zustimmung des persnlichen Ansprechpartners auerhalb des ortsnahen Bereiches aufzuhalten, stellt einen Sanktionstatbestand nach  31 SGB II dar. Fr erwerbsfhige Hilfebedrftige, die keine Arbeit finden, knnen nach  16 Abs. 3 SGB II Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschdigung - so genannte Zusatzjobs - eingerichtet werden. Dem erwerbsfhigen Hilfebedrftigen wird zuzglich zum Arbeitslosengeld II eine angemessene Entschdigung fr Mehraufwendungen gezahlt. Die Zusatzjobs begrnden kein Arbeitsverhltnis. Gem  16 Abs. 3 Satz 2 3. Halbsatz SGB II ist das Bundesurlaubsgesetz entsprechend anzuwenden. Der Urlaub ist mit dem Trger der Zusatzjobs abzustimmen. Nach Auffassung der Bundesregierung sollte fr Urlaubstage keine Mehraufwandsentschdigung gezahlt werden, da tatschlich kein Mehraufwand anfllt. Durch die Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes II wird die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung gewhrleistet. Der Umfang des Versicherungsschutzes aus der gesetzlichen Sozialversicherung (zum Beispiel Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung im Ausland) fr einen Empfnger von Arbeitslosengeld II ist in den einschlgigen Leistungsgesetzen und Satzungen bzw. Versicherungsbedingungen der Krankenversicherungen geregelt.
Anlage 14
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Gerd Andres auf die Fragen der Abgeordneten Petra Pau (fraktionslos)  (Drucksache 15/4689, Fragen 31 und 32):
Wie viele Antrge auf Arbeitslosengeld II wurden bis zum 31. Dezember 2004 gestellt und wie hoch war der Anteil der Sozialhilfeberechtigten und der Arbeitslosenhilfebeziehenden (bitte nach Geschlecht und auslndischen und deutschen Beziehern aufschlsseln)?
Wie viele der Antragsteller haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II und wie hoch ist der Anteil derjenigen, die vorher Sozialhilfe bezogen haben (bitte nach Geschlecht und auslndischen und deutschen Beziehern aufschlsseln)?
Zu Frage 31:
Zum jetzigen Zeitpunkt knnen noch keine vollstndigen Informationen ber die Gesamtzahl der gestellten Antrge auf Arbeitslosengeld II vorliegen. Insbesondere knnen keine Angaben darber gemacht werden, wie viele der ehemaligen Sozialhilfebedarfsgemeinschaften, die die Kommunen nicht im Rahmen des neuen Softwaresystems A2LL der BA umstellen, einen Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt haben. Dabei handelt es sich schtzungsweise um etwa ein Drittel aller Sozialhilfebedarfsgemeinschaften. Die Antrge, die ber das A2LL-System erfasst werden, knnen durch eine A2LL-Auswertung der Anzahl nach beziffert werden. Das sind grundstzlich die Antrge aller ehemaligen Arbeitslosenhilfegemeinschaften und etwa zwei Drittel der Sozialhilfebedarfsgemeinschaften in Kommunen, die im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften das A2LL-System nutzen. Nach Angaben der BA wurden zum 31. Dezember 2004 ber das A2LL-System circa 2,71 Millionen Antrge auf Arbeitslosengeld II bearbeitet. Dabei handelt es sich um circa 1,98 Millionen Antrge von ehemaligen Beziehern von Arbeitslosenhilfe und um circa 0,74 Millionen Antrge von ehemaligen Beziehern von Sozialhilfe. Eine Differenzierung der bearbeiteten Antrge nach Geschlecht und auslndischen und deutschen Beziehern liegt zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht vor. Vollstndige Informationen ber die Gesamtzahl der bearbeiteten Antrge und Auswertungen nach bestimmten Merkmalen sind frhestens Anfang Februar zu erwarten, wenn die Kommunen ihre Daten auf Grundlage des Merkmalkatalogs XSozial-BA-SGBII an die BA bermitteln und die BA die Informationen verschiedener Quellen zusammenfhrt.
Zu Frage 32:
Nach Angaben der BA wurden zum 31. Dezember 2004 von den circa 1,98 Millionen in A2LL bearbeiteten Antrgen ehemaliger Bezieher von Arbeitslosenhilfe circa 1,8 Millionen Antrge bewilligt und circa 0,18 Mil-lionen Antrge abgelehnt. ber die circa 0,74 Millionen in A2LL bearbeiteten Antrge ehemaliger Sozialhilfebezieher liegen keine genaueren Angaben vor. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass bearbeitete Antrge auch bewilligt wurden, weil es beim bergang von Sozialhilfe in Arbeitslosengeld II zu keiner verschrften Vermgens- und Einkommensanrechnung kommt. ber die nicht in A2LL bearbeiteten Antrge ehemaliger Sozialhilfebezieher kann zurzeit noch keine Aussage getroffen werden. Vollstndige Informationen, unter anderem auch eine Ausweisung nach bestimmten Merkmalen, sind auch hier frhestens Anfang Februar im Rahmen der SGB-II-Berichterstattung der BA zu erwarten.
Anlage 15
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Gerd Andres auf die Frage des Abgeordneten Albrecht Feibel (CDU/CSU) (Druck-sache 15/4689, Frage 33):
Trifft die Annahme des Bundesministers fr Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, zu, dass im Jahr 2015 die Verbraucher allein fr Windkraftstrom eine Einspeisevergtung in Hhe von 5,4 Milliarden Euro zu tragen htten?
Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine Annahme des Bundesministers fr Wirtschaft und Arbeit, sondern um ein Ergebnis der dena-Netzstudie zur Hhe der Einspeisevergtung fr die erneuerbaren Energien.
Anlage 16
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Franz Thnnes auf die Frage des Abgeordneten Jens Spahn (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 34):
Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass die Kassenrztliche Vereinigung in Berlin angekndigt hat, keine weiteren Verfahren mehr gegen Zahlungsverweigerer der Praxisgebhr von 10 Euro pro Quartal anzustrengen (vergleiche Bericht in der "Berliner Morgenpost" vom 18. Januar 2005), und welche Auswirkungen htte ein solches Vorgehen nach Auffassung der Bundesregierung auf die Zahlungsmoral der Patienten?
Nach  43 b Abs. 2 Satz 4 SGB V ist es Aufgabe der Vertragspartner der Bundesmantelvertrge (Spitzenverbnde der Krankenkassen und Kassenrztliche Bundesvereinigung), das Nhere zum Verfahren des Einzuges der Praxisgebhr zu regeln. Die Vertragspartner der Bundesmantelvertrge haben sich auf folgendes Verfahren geeinigt (vergleiche zum Beispiel  18 Abs. 4 und 5 der Bundesmantelvertrge-rzte): Zahlt ein Versicherter die Praxisgebhr nicht, so hat der Vertragsarzt den Versicherten zu mahnen. Verweigert der Versicherte weiterhin die Zahlung, bernimmt die fr den Arzt zustndige Kassenrztliche Vereinigung (KV) den weiteren Zahlungseinzug. Die KV fordert den Versicherten schriftlich zur Zahlung auf. Zahlt der Versicherte wiederum nicht, fhrt die Kassenrztliche Vereinigung Vollstreckungsmanahmen bis hin zur gerichtlichen Beitreibung durch. Es ist somit nach den bundesmantelvertraglichen Regelungen Aufgabe der KV, die Praxisgebhr einzuziehen. Tut sie dies nicht, so hat die Aufsichtsbehrde (die fr Gesundheit zustndige Senatsverwaltung des Landes Berlin) die KV zur Einhaltung der bundesmantelvertraglichen Verpflichtungen anzuhalten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Aufsichtsbehrde dieser Verpflichtung nachkommt.
Anlage 17
Antwort 
des Parl. Staatssekretrs Franz Thnnes auf die Frage des Abgeordneten Jens Spahn (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Frage 35):
In welcher Weise werden die von Verbnden und Institutionen zum Bundesministerium fr Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) abgeordneten Mitarbeiter (vergleiche unter anderem Antwort des Staatssekretrs im BMGS, Heinrich Tiemann, vom 8. Dezember 2004 auf die schriftliche Frage 86 des Abgeordneten Dr. Michael Luther auf Bundestagsdrucksache 15/4477) bei Gesetzgebungs- und anderen Verfahren beteiligt, und wie ist sichergestellt, dass die die abgeordneten Mitarbeiter weiterhin zahlenden Verbnde und Institutionen auf diesem Weg nicht vorteilhaft Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen knnen?
Die abgeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Dienstherrn und Arbeitgebern auerhalb des Geschftsbereichs des BMGS werden hchstens bis zur Ebene der Referentinnen und Referenten im Unterstellungsverhltnis und nicht an verantwortlicher Stelle eingesetzt. Durch geeignete Personalfhrungsmanahmen wird zudem sichergestellt, dass die abgeordneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keinen interessengeleiteten Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen knnen. Wie die brigen Kolleginnen und Kollegen sind abgeordnete Beschftigte nicht nur whrend, sondern auch nach Beendigung ihrer Ttigkeit im Ministerium zur Verschwiegenheit verpflichtet; diese Verpflichtung erstreckt sich fr abgeordnete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch auf das Verhltnis zum eigenen Dienstherrn/Arbeitgeber. Dazu geben sie vor Beginn ihrer Ttigkeit im Bundesministerium fr Gesundheit und Soziale Sicherung eine schriftliche Verschwiegenheitserklrung ab. Darber hinaus haben auch abgeordnete Beamtinnen und Beamte ihre Aufgaben unparteiisch und gerecht zu erfllen. Die hier angesprochenen Abordnungen sind seit Jahrzehnten gngige Praxis von Bundesregierungen und auch auf Lnderebene blich. So werden zum Beispiel Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Krankenkassenverbnden oder von Krankenkassen, die Aufgaben der Landesverbnde wahrnehmen, auch ohne Personalkostenerstattung zu Lnderministerien abgeordnet.
Anlage 18
Antwort 
der Parl. Staatssekretrin Angelika Mertens auf die Fragen der Abgeordneten Gitta Connemann (CDU/CSU) (Drucksache 15/4689, Fragen 39 und 40):
Teilt die Bundesregierung meine Auffassung, dass die so genannte Emslandautobahn oder auch Ostfriesenspie genannte Bundesautobahn A 31 nur durch die Initiative der Kommunen und der rund 1 600 regionalen, privaten Investoren, die mit insgesamt circa 54 Millionen Euro knapp ein Viertel der Baukosten fr die 42 Kilometer lange Strecke bernommen haben, zehn Jahre frher als im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) vorgesehen fertiggestellt werden konnte, sodass bereits seit dem 1. Januar 2005 und nicht erst ab dem Jahr 2016 Gebhren aus der so genannten LKW-Maut erhoben werden knnen, und wie begrndet sie ihre Haltung, auch im Hinblick auf mgliche hnliche Projekte in der Zukunft?
Wird die Bundesregierung die Kommunen und die privaten Investoren anteilmig an dem Vorteil in Gestalt der Einnahmen aus der so genannten LKW-Maut fr diesen Autobahnabschnitt, der sich daraus ergibt, dass durch den vorzeitigen Lckenschluss bereits seit dem 1. Januar 2005 fr diesen Abschnitt Mautgebhren erhoben werden knnen, whrend bei einer planmigen Fertigstellung laut BVWP solche dem Bund voraussichtlich erst ab dem Jahr 2016 zugeflossen wren, beteiligen bzw. diese anderweitig entschdigen, und wie begrndet sie ihre Haltung?
Zu Frage 39:
Der Lckenschluss der Bundesautobahn A 31 Ende 2004 konnte durch eine Mitfinanzierungsvereinbarung des Bundes mit dem Land Niedersachsen erreicht werden. Dem Bund ist bekannt, dass Gebietskrperschaften, die Region und Private groe Anstrengungen geleistet haben, um Mittel in die Landesbeteiligung einflieen zu lassen. Die Bundesregierung ist der Auffassung, dass eine Mitfinanzierung von Bundesfernstraen nur dann in Betracht kommt, wenn durch die Mitfinanzierung der Bundesaufgabe zugleich konkrete Ziele der landeseigenen Verwaltungskompetenz realisiert werden und die Hhe der Landesbeteiligung dem Landesinteresse entspricht. Selbstverstndlich ist dabei, dass die Realisierung von Projekten sich nach den Einstufungen im Bedarfsplan fr die Bundesfernstraen richtet. Im brigen haben die Verkehrminister und -senatoren der Lnder im Jahr 2001 dafr pldiert, dass eine ffentliche Mitfinanzierung von Bundesverkehrswegen durch die Lnder grundstzlich ausgeschlossen bleiben soll.
Zu Frage 40:
Das Land hat durch die Mitfinanzierung keine zustzliche Belastung, da in gleichem Umfang Aus- und Neubaumanahmen des nachgeordneten Netzes durch die Realisierung des Lckenschlusses entbehrlich wurden. In diesem Fall steht nach  11 des Autobahnmautgesetzes das Mautaufkommen dem Bund zu. Diese Mittel werden im Bundeshaushalt entsprechend bewirtschaftet. Eine anteilsmige Weitergabe oder Beteiligung der Kommunen oder privater Investoren ist in diesem Fall nicht mglich.


