Haushalt 2006
Sehr geehrter Herr
Bundestagsabgeordneter,
Wenn Sie sich die Steuerstatistik und die Einkommensverteilung
ansehen, werden Sie rasch erkennen, dass im Gegensatz zum
Regierungsprogramm der Abbau von Steuergestaltungsspielräumen
der Unternehmen erste Priorität haben muss.
Der Anteil der Arbeitnehmereinkommen am Volkseinkommen geht seit
1980 ständig zurück. Die Unternehmens- und
Vermögenseinkommen steigen stark, die dafür gezahlten
Steuern sinken seit Jahren dramatisch. Einen Steuerausfall in
dieser Größenordnung kann kein Staat verkraften.
Es geht nicht um Steuersätze sondern um Steuerzahlungen auf
international konkurrenzfähigem Niveau, auf die die SPD seit
Jahren unberechtigt verzichtet.
Die Bevölkerung muss seit langem zu Gunsten der Wirtschaft mit
sinkenden Einkommen und erheblichen zusätzlichen Belasstungen
leben, was zum Stillstand der Binnenkonjunktur, zur faktischen
Wachstums-stagnation und zu dauerhaft hoher Arbeitslosigkeit
geführt hat.
Die SPD kann nicht mit dem bisher üblichen Ritual fortfahren,
zum Beginn jeder Legislaturperiode zu Gunsten des Haushalts und der
Wirtschaft erst einmal die sozial Schwächsten zu belasten,
dann die Rentner, dann die Arbeitslosen, dann die Arbeitnehmern und
Verbraucher während gleichzeitig die Wirtschaft ihre vom
Gesetzgeber geförderte Steuervermeidungspolitik ungestört
fortsetzt.
Sie und Ihre Kolleginnen und Kollgen sind vom Volk eingesetzt und
dem Volk verpflichtet, nicht den Konzernen.
Bitte widmen Sie die Haushaltskonsolidierung dem Gemeinwohl und
nicht den Gewinninteressen einer eigennützigen
Minderheit.
|