Navigationspfad: Startseite > Presse > Aktuelle Meldungen (hib) > Februar 2011 > Abgeordnete und Journalisten sorgen sich um die Zukunft des Qualit�tsjournalismus
Wolfgang Blau, Chefredakteur von ”Zeit online“, legte in diesem Zusammenhang Wert darauf, mit einigen ”Mythen“ aufzur�umen. ”Google ist nicht schuld am Niedergang der Tageszeitung. Auch ohne Google w�rde es den Printmedien schlecht gehen“, betonte Blau und hob den Zugewinn durch die Blogs f�r die Leser hervor. Diese stellten keineswegs eine Gefahr f�r den etablierten Journalismus dar, sondern seien eine wertvolle Bereicherung. ”Was wir derzeit erleben, ist die Geburt einer neuen Form des Journalismus“, sagte Blau. Katharina Borchert, Gesch�ftsf�hrerin von ”Spiegel online“, warnte ebenfalls davor, die Debatte �ber Qualit�tsjournalismus allein auf das Tr�germedium zu verengen. ”Print bringt keinen inh�renten Qualit�tsvorteil mit sich“, betonte sie. Viel wichtiger sei es jedoch zu thematisieren, dass aufgrund der medialen Ver�nderungen auch das Berufsbild des Journalisten eine gravierende Wandlung durchl�uft. Dieser Ver�nderungen m�sse durch eine Anpassung der Ausbildung Rechnung getragen werden. ”Eine breitere Medienkompetenz sowie eine allgemein h�here Belastbarkeit sind hier besonders zu erw�hnen“, sagte sie.
Ulrike Kaiser, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands und Mitglied der Initiative ”Qualit�t im Journalismus“ betonte, die drastischen Einsparungen in den Redaktionen f�hrten zu den erschwerten Rahmenbedingungen f�r Journalisten. Ethische, rechtliche und handwerkliche Standards seien hierdurch schwieriger umzusetzen. Eine weitere Folge sei die zunehmende Vermischung zwischen Public Relations, Werbung und Redaktion. ”Die journalistische Glaubw�rdigkeit nimmt ab“, warnte sie und betonte, der Beruf des Journalisten soll der Allgemeinheit dienen. ”Wir m�ssen uns aber fragen, was uns der professionelle Journalismus wert ist“, mahnte Kaiser. Hans Leyendecker von der ”S�ddeutschen Zeitung“ hob die rasanten Umw�lzungen hervor, die sich im Medienbereich vollzogen h�tten. Das Fortbestehen des Qualit�tsjournalismus h�nge im Wesentlichen davon ab, ”ob es uns Journalisten gelingt, origin�r zu bleiben, Fakten einzuordnen und gute Reportagen zu erstellen.“ Dies sei kein Widerspruch zum Internet. Angesichts der schwierigen Bedingungen vieler Kollegen k�nne man sie aber nicht einfach auffordern, investigativer zu arbeiten. Ein entscheidender Faktor f�r die Entwicklung der journalistischen Arbeitsbedingungen sieht Leyendecker in der Leitungsebene der Verlagsh�user. ”Fr�her haben die Verleger ihre Zeitung geliebt. Heute sind dies oft nur Flanellm�nnchen, die allein auf die Zahlen schauen.“
Der Publizist Wolfgang Storz erkl�rte das bisherige Gesch�ftsmodell f�r tot. ”Die Finanzierung durch ein Drittel Abo und zwei Drittel Anzeigen kann man heute vergessen“, sagte Storz und lenkte die Diskussion auf die oft beklagenswerten Arbeitsbedingungen seiner Kollegen. ”Diese Medienkrise ist gekennzeichnet durch eine Permanenz, die viele Journalisten zerm�rbt“, sagte Storz. In ihrer wirtschaftlichen Not wanderten viele zwischen Public Relations, Boulevard- und klassischem Journalismus. Dies mache den Erhalt von Qualit�tsjournalismus schwer. Lukrezia Jochimsen (Die Linke) sah dies genauso und kritisierte, dass eben diese wirtschaftlichen Probleme der Journalisten zu wenig angesprochen w�rden. ”Man muss ja fast einen Mindestlohn f�r Journalisten fordern“, sagte sie und betonte, mit ihrer wirtschaftlichen Existenz st�nden und fielen Berufstugenden wie Mut, Verantwortung und Qualit�t.
Tabea R��ner (B�ndnis 90/Die Gr�nen), fr�her selbst Journalistin, betonte, es gebe noch andere Ansatzpunkte zur L�sung dieser Probleme als das Aushandeln besserer Tarifvertr�ge. Zudem machte sie auf die Schwierigkeit aufmerksam, den Qualit�tsjournalismus zu f�rdern und gleichzeitig die gebotene Staatsferne zu wahren. Wolfgang B�rnsen (CDU/CSU) betonte, Journalisten tr�gen durch ihr Wirken zum Erhalt einer funktionierenden Demokratie bei und m�ssten daher unterst�tzt werden. In diesem Zusammenhang machte er sich stark f�r ein ”moralisch-ethisch �bergeordnetes Gremium“, in dem Medienvertreter selbst daf�r sorgten, dass Qualit�tsstandards eingehalten w�rden. Immerhin h�tten Qualit�tsjournalisten den Mut, ihre Namen unter ihre Artikel zu setzen. In Blogs blieben viele Verfasser anonym. Sebastian Blumenthal (FDP) sah hingegen in dem Verh�ltnis zwischen Blogs und klassisch redaktionell erstellten Beitr�gen ein ”Miteinander“. Die Frage sei, inwieweit sich Beitr�ge aus Blogs in redaktionelle Inhalte integrieren lie�en. Martin D�rmann (SPD) legte den Akzent auf die Frage, wie man innerhalb der Medien ein Klima schaffen k�nne, in dem Journalisten auch einmal anecken und Inhalte produzieren k�nnten, die nicht jeder teile, die aber zu einem sch�rferen Profil des Journalisten beitr�gen. ”Die Politik ist gefordert, hierf�r Rahmenbedingungen zu setzen“, sagte D�rmann.
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