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Dänemark

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Franz Thönnes (SPD).
Franz Thönnes (SPD).
© DBT/studio kohlmeier


Hans-Oluf Meyer.
Hans-Oluf Meyer.
© DBT/studio kohlmeier


Franz Thönnes trifft Hans-Oluf Meyer in dessen Kanzlei am Berliner Kurfürstendamm

Mit Legobausteinen haben sie beide gespielt. Der 1969 im dänischen Hadersleben geborene Hans-Oluf Meyer und der 1954 in Essen geborene Franz Thönnes. Das kann als Grundlage stabiler europäischer Beziehungen nicht genügen, aber eine kleine Verbindung stellt es schon her. Und nach solchen kleinen Verbindungen muss man schauen, wenn ein dänischer Anwalt einem deutschen Bundestagsabgeordneten begegnet.

„Wir kennen uns”, sagt der Anwalt zum Abgeordneten bei der Begrüßung. „Wir sind uns bei einer Veranstaltung im Auswärtigen Amt begegnet. 50 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen.” So etwas ist normal in Berlin. Man muss sich nur auf den Weg machen. Der dänische Anwalt tut das oft und ausgiebig. Vor allem, wenn er Familienbesuch bekommt. „Meine ganze Familie ist begeistert und besucht mich hier häufiger als in Dänemark.”

Über Hans-Oluf Meyer ist im Internet zu lesen, er habe mehr als einen Koffer in der deutschen Hauptstadt. Für Franz Thönnes, der auch Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales ist, gilt das sowieso, denn er sitzt seit 1994 für die SPD im Deutschen Bundestag und pendelt zwischen Berlin und seinem Wahlkreis in Schleswig-Holstein. Der Anwalt Meyer, seit kurzem Mitglied im Vorstand der Berliner Rechtsanwaltskammer, hat sich vorerst ganz in Berlin niedergelassen. Es gefällt ihm hier und seit jeher hat der Nordschleswiger eine Affinität zu diesem Land. Er ist zweisprachig aufgewachsen, hat das deutsch-dänische Abitur gemacht, als Kind und Jugendlicher mehr deutsches als dänisches Fernsehen geschaut, und seine Ausbildung zum Advokaten erfolgte im deutschen und im dänischen Recht. Sieben Jahre arbeitete Hans-Oluf Meyer für eine große deutsch-dänische Anwaltskanzlei als Niederlassungsleiter in Berlin, bevor er sich mit einem deutschen Partner selbstständig machte.

Der Abgeordnete Thönnes weiß, wovon der Anwalt spricht, wenn der sagt, dass für einen wie ihn hier in Deutschland ausreichend zu tun sei. Deutsche Firmen und Arbeitskräfte gingen nach Dänemark, Dänen kämen nach Berlin, um sich hier zeitweilig oder langfristig niederzulassen, Immobilien zu erwerben, hier zu arbeiten. Erst vor Kurzem, erzählt Meyer dem SPD-Abgeordneten, habe er ein Unternehmen in Dänemark beraten, das mehr als 200 deutsche Handwerker eingestellt hat.

Franz Thönnes (links) trifft Hans-Oluf Meyer in dessen Kanzlei am Berliner Kurfürstendamm
Franz Thönnes (links) trifft Hans-Oluf Meyer in dessen Kanzlei am Berliner Kurfürstendamm (© DBT/studio kohlmeier)

Dem einstigen Gewerkschaftssekretär Thönnes gefällt die dänische Arbeitsmarktpolitik in mancher Hinsicht. Vor allem gefällt ihm, dass in Dänemark rund 90 Prozent der arbeitenden Menschen gewerkschaftlich organisiert sind. „Wir haben bei manchen Arbeitsmarktreformen von Dänemark, aber auch von Norwegen gelernt.” Franz Thönnes weiß, wovon er spricht. Er kennt die skandinavischen Länder und ihre Politik gut. Er ist Vorsitzender der Ostseeparlamentarierkonferenz und der Deutsch-Nordischen Parlamentariergruppe, die Kontakte zu den Parlamenten Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens pflegt. In Kopenhagen war er 1974 zum ersten Mal. „Tolle Stadt”, sagt der Abgeordnete, und der Anwalt wartet mit der Nachricht auf, dass man nun im Kopenhagener Hafen sogar baden könne, so sauber sei das Wasser. Ob das demnächst ausprobiert wird, bleibt offen, aber eine gute Nachricht ist es.

Franz Thönnes erzählt von einem sehr alltagstauglichen Beispiel deutsch-dänischer Zusammenarbeit: „Ein dänischer Folketingabgeordneter und ich hatten als Regierungsbeauftragte den Auftrag, Mobilitätsprobleme von Pendlern in der Grenzregion zu beschreiben und den Regierungen Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Nun werden unsere Empfehlungen umgesetzt, und das wird den Pendlern und Arbeitgebern in der Grenzregion sehr helfen.”

Typisch dänisch, sagt der Abgeordnete Thönnes, sei für ihn die Kinderfreundlichkeit und eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit Problemen und dem Leben überhaupt. Das könne man auch an der Rechtssprechung ablesen, unterstützt der Anwalt. In Dänemark gebe es weitaus mehr Gewohnheitsrecht, da entscheide und regiere oft der gesunde Menschenverstand. Das deutsche Recht sei sehr stark vom Bürgerlichen Gesetzbuch geprägt und weitaus umfangreicher. Typisch deutsch sei für ihn aber auch eine große Spendenbereitschaft, Offenheit und Toleranz im Umgang miteinander und mit Menschen anderer Herkunft als der deutschen. Außerdem sei das Bier besser. Und das sage er, obwohl sein Onkel und seine Vettern eine Brauerei betreiben.

Andererseits warteten die Dänen dafür mit Brot auf: Eine Scheibe Grau- oder Weißbrot wird mit Butter bestrichen und reichlich belegt, zum Beispiel mit Salat, Schinken, Roastbeef, gebratenen Schollenfilets, Krabben, Lachs oder Hering, und mit Gewürzgurken, Zwiebelringen, Mayonnaise, Meerrettich oder Remoulade verziert. Großartig schmecke das. Sagt auch der Abgeordnete, dessen Hobby Kochen ist.

Wenn er den Anwalt Meyer einmal bei sich zu Besuch hätte, bereitete er dem einen mit Kräutern gefüllten Rotbarsch auf einem Gitterbett aus Selleriestangen in Meeressalzkruste mit einer Möhren-Selleriewürfel-Soße zu. Hans-Oluf Meyer ist beeindruckt. So ein Fisch wäre für die Entwicklung der deutsch-dänischen Beziehungen auf jeden Fall richtig gut. Wenn man ihn gemeinsam isst.

Königreich Dänemark

Label mit Schriftzug.
© DBT/studio kohlmeier


Fläche: 43.094 Quadratkilometer (Kernland Dänemark); hinzu kommen Grönland und Färöer
Einwohner: rund 5,4 Millionen (Kernland Dänemark)
Währung: Dänische Krone
Hauptstadt: Kopenhagen
Amtssprachen: Dänisch (regional Färöisch, Grönländisch)
Staatsform: parlamentarische Monarchie
Nationalhymne: Der er et yndigt land („Es gibt ein liebliches Land”)
Kfz-Kennzeichen: DK
Telefonvorwahl: +45
EU-Mitglied seit: 1973
Nationalfeiertag: 5. Juni (Verfassungstag); für Dänen im Ausland der 16. April (Geburtstag Königin Margrethe II.)
Interessant: In Dänemark gibt es die meisten Tannenbaumplantagen Europas.

Franz Thönnes

Franz Thönnes (SPD).
© DBT/studio kohlmeier

Fraktion: SPD
Geboren: Geboren: 16. September 1954 in Essen (Nordrhein-Westfalen)
Wohnort: Ammersbek (Schleswig-Holstein)
Ausbildung: Lehre zum Industriekaufmann, Studium an der Sozialakademie Dortmund
Beruf: Industriekaufmann, Gewerkschaftssekretär
Familie: verheiratet, zwei Kinder

Vorsitzender der Deutsch-Nordischen Parlamentariergruppe

franz.thoennes@bundestag.de
www.thoennes.de

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Text: Kathrin Gerlof
Erschienen am 11. Mai 2007


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