Gute Fassaden sind keine Verkleidung. Aber Schutz und Schmuck und Geschichte und Moderne sind sie wohl. Sie tragen viele Handschriften und verraten einiges über ihre Macher. Mögen die es gläsern und licht, sind sie für Zierde zu haben oder bevorzugen sie kühle Strenge, lieben sie Glas mehr als Beton oder beides gleichermaßen, ist ihnen die Gerade näher als geschwungene Linien?
Die Fassaden des Deutschen Bundestages und all seiner Häuser haben alles im Angebot. Aber beliebig sind sie nicht. Am Ende und zusammengenommen bilden sie ein beeindruckendes Ensemble.
Und bieten ausreichend Einsichten und Ausblicke. Das ist gut für die, die hinter ihnen arbeiten, und bestens für jene, die sie von außen betrachten.
Natürlich möchte man gern wissen, was hinter den Fassaden steckt. In diesen Fällen ist es einfach. Denn hinter diesen Fassaden spielen sich eine Menge öffentliche Angelegenheiten ab.
Politik – gute jedenfalls – funktioniert ja nur, wenn möglichst viele wissen, was gedacht, getan und beschlossen wird. Man muss seinen Abgeordneten auf die Finger schauen, zuhören und manchmal bei der Arbeit zusehen können. Solcherart Einblicke sind ausdrücklich erwünscht: von den Gewählten und den Wählenden.
Text: Kathrin Gerlof
Fotos: studio kohlmeier
Erschienen am 30. Mai 2005