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Gültig ab: 12.05.2005 00:00
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Explosives Minenspiel im Bundestag

Bild: Minenspezialist in Schutzkleidung mit Metalldetektor
Ein Minenspezialist sucht in der neutralen Zone auf der geteilten Insel Zypern nach vergrabenen Landminen.

Ein Ausschuss schaut Tatort

Der Menschenrechtsauschuss hat Tatort geschaut – denn die ARD-Krimi-Reihe widmet sich dem Problem der Landminen. Unter den tückischen Todesfallen leiden viele Regionen der Welt. Im Tatort „Minenspiel“, der Anfang Mai ausgestrahlt wurde, explodiert ein Sprengsatz mitten in Deutschland.

Normalerweise wird im Menschenrechtsausschuss des Bundestages kein Fernsehen geschaut. Doch an diesem Sitzungstag gehörte es zum Pflichtprogramm der Abgeordneten. Auf den großen Bildschirmen lief der Klassiker des ARD-Programms: ein Tatort, mittags um 13 Uhr, eine Art Filmpremiere, denn der Film würde erst später im Fernsehen zu sehen sein. Und zwischen den Parlamentariern saßen zwei richtige TV-Prominente im Publikum. Das war definitiv keine normale Ausschussberatung.

Was den Zuschauern geboten wurde, war harte Kost: Gleich zu Beginn des Films detoniert eine Landmine im Kölner Stadtwald und tötet einen Menschen. Der Mord ist ein klarer Fall für die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk, die beiden Schauspieler im Publikum. Die Bekämpfung des Landminenproblems ist dagegen eher das Metier der Abgeordneten im Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe.

Mehr Sensibilität für das Thema Landminen

In einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses zum Thema „Fernsehen und Menschenrechte“ trafen die TV-Ermittler, Fachpolitiker und Minenexperten aufeinander, um zu diskutieren, in welcher Form Menschenrechtsthemen im Fernsehen eine Rolle spielen. Die Ausschussvorsitzende Christa Nickels (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte, in Deutschland könnten viele mit dem Thema Menschenrechte nichts anfangen. Durch die Anhörung und den Film zur besten Sendezeit am Sonntagabend verspricht sie sich mehr Öffentlichkeit und Sensibilität für das Thema Landminen.

Alle 20 Minuten eine Explosion

„Über die fiktionale Geschichte in einem Tatort wird einem breiten Publikum auf spannende und unterhaltsame Weise die brisante Menschenrechtsproblematik nahe gebracht“, lobte Nickels den Film. Der Tatort sei sehr gelungen und zeige, wie man sich anspruchsvoll diesem Problem nähern könnte, ohne reißerisch zu werden. Das Prädikat „besonders realistisch“ verlieh auch die Autorin und Minenexpertin Vera Bohle dem Film. Sie arbeitet selbst als Minenräumerin und stellte dem Ausschuss dar, wie schwer es sei, Minen zu finden und zu entschärfen.

Dietmar Bär alias Kommissar Freddy Schenk brachte die Wirkung für den Zuschauer auf den Punkt: „Bei Landminen denkt man immer: Das ist doch weit weg. In unserem Film explodiert eine Mine mitten in Köln, plötzlich ist alles ganz nah!“ Laut dem Deutschen Roten Kreuz explodiert im Schnitt alle 20 Minuten eine Landmine. Eine Tatort-Sendung dauert 90 Minuten. „In dieser Zeitspanne treten irgendwo auf der Welt vier Menschen auf eine Mine, sind entweder tot oder verkrüppelt und fürs Leben gezeichnet“, sagte Klaus J. Behrendt, der den Kommissar Ballauf spielt. „Wenn wir durch diesen Film Leute dazu bringen, sich über das Thema Landminen Gedanken zu machen, haben wir viel erreicht.“

Text: Birte Betzendahl
Foto: Deutscher Bundestag
Erschienen am 12. Mai 2005


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