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Wer war’s?

Bild: Franz-Josef Strauss im Hintergrund, davor eine schwarze Silhouette
Der Kandidat mit Franz-Josef Strauss.

Ein Musterschüler im Aufschwung

Unser neues Preisrätsel für Geschichtsdetektive löst Michael S. Cullens Kolumne ab, dem wir für seine vielen unterhaltsamen Episoden aus der Historie des Reichstagsgebäudes danken. BLICKPUNKT BUNDESTAG wird nun künftig ein Mitglied des Bundestages vorstellen, das in der Geschichte der Bundesrepublik eine bedeutende Rolle gespielt hat. Sein Name wird nicht genannt. Lüften Sie sein Inkognito und gewinnen Sie eine Reise für zwei Personen nach Berlin.

Unser erster Kandidat kann für sich in Anspruch nehmen, dass seinetwegen die ehrwürdige Académie Française gegen alle Tradition einmal sogar an einem Sonntag tagte. Sie hatte ganz schnell einen französischen Begriff für das englische Wort „Floating“ zu finden. Für das Floating, das freie Schwanken des Wechselkurses, machte sich ein wichtiger Politiker im Nachbarland stark. Sein Nachname wird gesucht.

Karl, der in Kiel in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, war schon immer Primus, in der Schule, beim Studium, an der Uni und später in der Politik. Das zeigte er seinen Mitmenschen auch, viele Mitarbeiter hielten ihn für unausstehlich. Attraktiv und anziehend müssen ihn hingegen seine abendlichen Tanzpartnerinnen gefunden haben. Der schmächtige, nur 1,73 Meter große Hornbrillenträger, der zeitlebens ein bisschen wie ein großer Junge wirkte, ging bei Beatmusik ganz aus sich heraus. Wie viele seiner vier Ehefrauen er beim Tanz kennen gelernt hat, ist allerdings nicht überliefert.

Mit 20 wollte der junge Mann mit den acht Einsen im Abiturzeugnis noch wie sein Vater Ingenieur werden. Die Realität dieses Berufs lernt er bei einem Praktikum an der Howaldtswerft seiner Heimatstadt kennen – mit dem Ergebnis, dass er bereits nach vier Wochen die Brocken hinwirft und sich an der Uni für Volkswirtschaft und Jura einschreibt. Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre mit Millionen von Arbeitslosen weckt sein Interesse für ökonomische Zusammenhänge. Wie nicht anders zu erwarten, macht Karl sein Examen in Rekordzeit und promoviert mit gerade 24 – selbstverständlich mit der Bestnote summa cum laude.

Der Grundstein für eine wissenschaftliche Karriere ist gelegt. Parallel dazu beginnt er eine politische Laufbahn. Senatorenposten in Hamburg und Berlin und die Mitarbeit am neuen Grundsatzprogramm mehren den Ruf des eloquenten Professors. 1965 wird er als Berliner Abgeordneter in den Bundestag gewählt.

Seine große Zeit als Bundespolitiker beginnt schon ein Jahr später, als seine Partei nach langen Jahren der Opposition in Bonn mitregieren darf. Karl bekommt das Amt, wofür er theoretisch und rhetorisch am besten gerüstet ist. Er ist der erste Politiker, der die Volkswirtschaft für das Volk interessant macht. Auch wenn kaum einer seine Begriffe wie „Mifrifi“ oder „Mamiflex“ versteht, so klingt es doch gut in den Ohren des Wählers, wenn Karl mit Hilfe der „Konzertierten Aktion“ den „Aufschwung nach Maß“ beschwört.

Aber es bleibt nicht beim Reden. Gemeinsam mit dem für die Bundesfinanzen zuständigen Politiker der anderen großen Fraktion sorgt Karl mit zwei Konjunkturprogrammen über 7,8 Milliarden Mark dafür, dass die Wirtschaft wieder in Schwung kommt. „Die Pferde beginnen wieder zu saufen“, nennt das PR-Genie auf dem Ministersessel seinen Erfolg.

Sein Mitspieler unterscheidet sich mit seinem bulligen Äußeren und seiner deftigen Sprache beträchtlich von dem Norddeutschen. Aber zumindest am Anfang ihrer gemeinsamen Arbeit ziehen beide an einem Strang. Das bringt einen Journalisten dazu, dem Duo ein Namenspaar zu verleihen, das ursprünglich Wilhelm Busch für zwei junge Hunde geschaffen hat. Diese beiden Namen werden schnell zu einem geflügelten Wort.

Karls Höhenflug geht weiter. Seine Partei stellt nach der nächsten Bundestagswahl den Kanzler. Er selbst wird eineinhalb Jahre später der erste Superminister der Bundesrepublik. Doch die parteiinternen Widerstände gegen die Politik der Regierungsdiva wachsen. 1972 tritt Karl zurück, verlässt noch im selben Jahr seine Partei und engagiert sich im Wahlkampf für die Opposition.

Foto: Picture-Alliance
Erschienen am 29. Juni 2005

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Einsendeschluss: 13. Juli 2005.
Unter den richtigen Einsendungen werden fünf Preise verlost. Der Hauptgewinn ist eine Reise für zwei Personen nach Berlin.

Die Lösung unseres Rätsels in Heft 04/05 lautet: Christo und Jeanne-Claude antworteten auf die Frage, ob sie die Einladung von Rita Süssmuth annehmen würden, zuerst mit „Nein“.
Eine Reise nach Berlin hat Peter Wiedenwilt aus Holzminden gewonnen.


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