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Gültig ab: 17.09.2008 10:19
Autor: Sebastian Kreideweiß
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Das ist so ein Gefühl ...

Brigitte Rubbel nach dem Joggen auf einer Parkbank
Brigitte Rubbel nach dem Joggen auf einer Parkbank
© DBT/Werner Schüring

Die Plenarassistenten im Bundestag

Brigitte Rubbel arbeitet beim Parlamentsassistenzdienst. Wenn sie davon redet, klingt es, als wollte sie da schon immer hin.

Vor nicht allzu langer Zeit noch konnte man manchmal Brigitte Rubbel sehen, wie sie auf der obersten Treppenstufe zum Eingang Ost des Reichstagsgebäudes steht, vor ihr der Präsident und die Protokollchefin des Bundestages, und wartet. Blieb man geduldig, ließ sich beobachten, wie dann ein Auto vorfuhr, aus dem hoher Staatsbesuch stieg, der zuerst willkommen geheißen und dann ins Büro des Präsidenten geführt wurde. Vornweg auf dem Weg durch das Hohe Haus lief dann Brigitte Rubbel, Wegweiserin und Wegbereiterin im blauen Frackkostüm. So schreibt es das Protokoll vor. Man kann also sagen, dass sogar der Dalai Lama Brigitte Rubbel schon einmal hinterherlief. Und das ist nicht frivol gemeint.

Als die heute 48-jährige Wiesbadenerin 2001 beim Referat ZT 4, dem Plenar- und Ausschussassistenzdienst, anfing zu arbeiten, hatte sie schon Bundestagserfahrung. Aber sie konnte da noch nicht wissen, dass sie nun in einen Bereich gekommen war, in dem sie nicht nur bleiben, sondern sich auch richtig gut fühlen würde. Anfänge sind immer mit Unwägbarkeit verbunden. Obwohl: Ein gutes Gefühl hatte Brigitte Rubbel schon. Die Menschen hier gefielen ihr, das Klima war gut, es schien, als ließe sich so gut arbeiten und vor allem zusammenarbeiten.

2001 war Brigitte Rubbel 40 Jahre alt, und die Entscheidung, gemeinsam mit ihrer Familie von Bonn nach Berlin zu gehen, musste noch auf Tauglichkeit geprüft werden. Der Ehemann arbeitet ebenfalls beim Bundestag, und es lag nahe, in die neue Hauptstadt zu gehen, aber es war auch kein kleiner Schritt, mit zwei Kindern und allem Hausrat aufzubrechen, um woanders anzukommen. Die ausgebildete Zahnarzthelferin hatte zwar Respekt davor, aber keine Bedenken, dass es gelingen würde. Eine tolle Familie ist immer gutes Hinterland für solche Zeiten.

Eine kleine Verwandlung

Begonnen hat Brigitte Rubbel beim Deutschen Bundestag im Personalreferat bei der sogenannten „Abwesenheitsstelle”. Das ist schon ein seltsamer Begriff für die Bearbeitung von Urlaubsanträgen, den es inzwischen nicht mehr gibt. Mit dem Umzug nach Berlin kam dann der Wechsel in den Plenar- und Ausschussassistenzdienst, halbtags zuerst, der Kinder wegen. Aber klar war schon, dass es vorwärts und aufwärts gehen sollte. Also besuchte Brigitte Rubbel einen Angestelltenlehrgang, um den Einstieg in den mittleren Dienst zu schaffen. Und sie bekam als Plenarassistentin die Aufgabe, sich um die protokollarische Betreuung der Gäste des Bundestagspräsidenten zu kümmern. So kam es, dass man sie vor dem Eingang Ost auf der obersten Treppenstufe sehen konnte.

Protokoll, das ist immer auch Ritual, die Dinge haben nach strengen Vorgaben abzulaufen. Das ist eine Frage der Höflichkeit und der Außenwirkung. Und prägt auch die Arbeit der Plenarassistenten. Wenn Brigitte Rubbel — blond, schlank, gepflegt und überhaupt gut anzusehen — ins blaue Frackkostüm steigt, wird aus ihr kein anderer Mensch, aber es geschieht doch eine kleine Verwandlung. Und so kommt es, wenn sie doch mal mit rotem Pullover und heller Hose durch den Bundestag läuft, dass jemand sagt: „Huch, Frau Rubbel, fast hätte ich Sie nicht erkannt.” Das geschehe aber immer seltener, sagt sie, schließlich sei sie viel unterwegs in den Häusern und nun schon eine Weile dabei.

Zurzeit vertritt Brigitte Rubbel als stellvertretende Leiterin des Teilsachbereichs Plenar- und Ausschussassistenzdienst ihren Chef, der erkrankt ist. Heißt, sie sorgt dafür, dass 68 Menschen immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, als Verbindung zwischen dem Plenarsaal und der Außenwelt wirken, den Abgeordneten das Arbeiten erleichtern, bei den Ausschusssitzungen genauso wie an Plenartagen.

Nach der Abstimmung: Brigitte Rubbel trägt eine Wahlurne aus dem Plenarsaal
Nach der Abstimmung: Brigitte Rubbel trägt eine Wahlurne aus dem Plenarsaal
© DBT/Werner Schüring
Der Montag einer Sitzungswoche ist so etwas wie ein referatsinterner Arbeits- und Sitzungstag. Zeit, auch langfristige Pläne zu machen, über größere anstehende Aufgaben zu reden, Personalfragen zu klären. Am Dienstag werden vormittags Dienstpläne geschrieben, für jeden Sitzungstag einer. Hier profitiert Brigitte Rubbel davon, dass sie ein wahrhaftes Organisationstalent ist. Sie hat den Überblick, wie man so schön sagt. Und vor allem: Sie verliert ihn auch nicht in hektischen Zeiten. Einfach gesagt, haben Dienstpläne zu klären, wer wann wo zu sein und was zu tun hat. Zu besetzen sind viele Arbeitsorte und zu erfüllen viele Aufgaben, für Außenstehende ist das kaum sichtbar. Von der Besuchertribüne aus oder im Fernsehen sind nur die berühmten Saaldiener mit einem Tablett zu sehen, auf dem ein Glas Wasser steht. Mein Gott, denkt dann manch einer, was ist das für ein Job? Ein guter, wenn man weiß, was noch alles dazugehört. Bei richtiger Kameraperspektive sieht man noch die Plenarassistenten an der Regierungsbank, der Bundesratsbank und im Präsidium sitzend. Besetzt werden müssen aber auch die beiden Meldetische vor den Eingängen Bundesrats- und Regierungsbank, zwei Plenarassistenten arbeiten den Stenografen zu. Andere stehen vor dem Eingang zur Besuchertribüne des Plenarsaales, um die Gäste einzuweisen und für die richtigen Abläufe zu sorgen. Plenarassistenten arbeiten für jeden Ausschuss. Bei namentlichen Abstimmungen im Bundestag sieht man sie an den Wahlurnen und vor den drei Türen stehen, die beim Hammelsprung so eine wichtige Rolle spielen: Ja, Nein, Enthaltung. Andere müssen dafür sorgen, dass alle Abgeordneten ihre richtigen Stimmkarten bekommen und dass die Stimmkarten nach Abstimmungen auch wieder richtig in die Fächer einsortiert werden.

Prüfender Blick in die Runde

Brigitte Rubbel sitzt also an jedem Dienstag einer Sitzungswoche und schreibt auf, wie es am besten und reibungslos ablaufen kann. Und denkt dabei daran, dass alle Mitarbeiter es mögen, wenn sie mal hier und mal da arbeiten können, nicht immer das Gleiche machen müssen, lernen und sich entwickeln. Darin liegt eine gewisse Fürsorge, und das zeigt Professionalität in der Mitarbeiterführung.

Im Gang vor Brigitte Rubbels Büro im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus hängen an der Pinnwand Zettel, auf denen steht, welche Plenarassistenten am 3. Oktober zum Dienst eingeteilt sind bei der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit und welche am 6. September nach Bonn fahren werden, zum 60. Jahrestag der Konstituierung des Parlamentarischen Rates, der auch eine feierliche Sitzung verdient. Die Arbeit bei solchen Sonderveranstaltungen sei ein Highlight, sagt die Chefin und lächelt. Fast wie eine kleine Belobigung.

Mittwoch bis Freitag ist Brigitte Rubbel in einer Sitzungswoche dann in ihrem Frackkostüm im Reichstagsgebäude unterwegs. Man sieht sie am Mittwoch vor Beginn des ersten Sitzungstages im Plenarsaal stehen, wie sie einen prüfenden Blick in die Runde wirft, ob alles, wirklich alles, am richtigen Platz und vorbereitet ist. Dann bringt sie um 13 Uhr den Präsidenten in den Plenarsaal, so schreibt es das Protokoll vor. Der Gong erklingt und die Abgeordneten stehen auf. Brigitte Rubbel verlässt den Plenarsaal, wenn der erste Tagesordnungspunkt aufgerufen wird. Was heißt verlassen? Sie macht sich auf den Weg zur nächsten Arbeit. 

Text: Kathrin Gerlof
Erschienen am 24. September 2008


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